Gräfelfing: Erster von 5 Großmasten soll jetzt gebaut werden (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 17.07.2016, 00:08 (vor 1097 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus Merkur.de:

Zehn Jahre lag das einst als revolutionär gefeierte Gräfelfinger Mobilfunkkonzept in der Schublade – oder auf Richtertischen. Jetzt soll der erste von fünf geplanten Großmasten gebaut werden.

Längst haben die Gerichte grünes Licht gegeben, die Mehrheit im Gemeinderat ist seit einem Jahrzehnt ungefährdet, das Baurecht liegt vor, und an der technischen Machbarkeit besteht kein ernsthafter Zweifel. Trotzdem bekamen im Gräfelfinger Bauausschuss einige weiche Knie, als sie am Donnerstag die Hand heben sollten für den ersten 40-Meter-Mobilfunkmast auf Gemeindegebiet. Zwei Stunden diskutierten die Gemeinderäte und befragten den Experten Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München – unter den Augen von Anwohnern des Bereichs Jahnstraße.

Vereinfacht ausgedrückt sieht das Konzept vor, die heute gängigen und mit gestiegenem Bedarf zunehmenden Antennen auf (privaten) Dächern in Wohngebieten abzuschaffen. In den Gräfelfinger Bebauungsplänen sind sie inzwischen verboten; die existierenden haben Bestandschutz, der spätestens 2022 ausläuft.

Im Gegenzug hat die Gemeinde wenige, sogenannte Positivstandorte festgelegt, an denen bis zu 40 Meter hohe Masten stehen dürfen, die sich mehrere Mobilfunk-Anbieter teilen. Der Vorteil: Das Mobilfunk-Angebot in Gräfelfing würde nachhaltig verbessert – bei zugleich stark gesunkener Strahlenbelastung. Denn die Dachantennen haben ein großes Manko: Sie müssen intensiv senden, weil Dächer, Wände und Bäume benachbarter Häuser zwischen ihnen und den Abnehmern stehen. Die Antennen auf den hohen Masten haben hingegen „freien Blick“ auf die Abnehmer; die Sendeleistung kann reduziert und trotzdem die Datenrate gesteigert werden.

Der Nachteil dieser Masten liegt freilich auf der Hand: „Diese Masten sind keine Schönheit“, so Bürgermeisterin Uta Wüst. Und auch Ulrich-Raithel sagte: „Ein 40-Meter-Mast ist keine Kleinigkeit.“ Deshalb sind sie möglichst außerhalb der Wohngebiete angesiedelt: zwei im Gewerbegebiet, einer an der Autobahn, allerdings einer am Neunerberg zwischen Planegg und Gräfelfing und einer im Wäldchen an der Jahnstraße, Nähe TSV. Zu letzterem Mast liegt nun der Bauantrag des Mobilfunkanbieters Telefónica vor, nachdem Anwohner mit Klagen gegen den Bebauungsplan gescheitert waren.

In der Sitzung scheiterte zunächst Ralf Brandtner (SPD) mit seinem Antrag, Frank Sommer (Grüne) als Betroffenen von Diskussion und Beschlussfassung auszuschließen. Er unterstellte, Sommer habe ein persönliches Interesse, da er als Rechtsanwalt Auftragnehmer im Zuge des Mobilfunkkonzeptes sei. Frank Sommer und die Verwaltung wiesen dies zurück, und Brandtners Antrag wurde mit 2:4 Stimmen abgelehnt.

In der Sache gestand Bürgermeisterin Wüst, dass sie zu Beginn ihrer Amtszeit das Ziel gehabt habe, diese Masten zu verhindern. Sie hatte auf neue Techniken gehofft, die eine Strahlenminimierung ohne Großmasten ermöglichten. [...]

Kommentar: Mit dem ursprünglichen Konzept der Firma "Enorm" hat dies alles nicht mehr viel zu tun. Gräfelfing fiel zur Jahrtausendwende auf den "Salzburger Vorsorgerwert" herein und gab einst als Marschrichtung vor: Nirgendwo in der Gemeinde sollten mehr als 1 mW/m² einwirken und kein Mast, damals war von 25-Meter-Masten die Rede, sollte in reinen oder allgemeinen Wohngebieten stehen. Gräfelfing wird mit diesem Standortkonzept nicht froh werden, denn die Zukunft geht in Richtung dezentrale Versorgung. Der Geburtsfehler des Konzepts aber ist: Planer und Gemeinde starrten allein auf die Masten. Zulasten der Bevölkerung, deren Mobiltelefone die wenigen zentralen Großmasten mit unnötig hoher Sendeleistung anfunken müssen. In spätestens zehn Jahren wird es dieses Modell nicht mehr geben, es ist schon heute anachronistisch. Die Verantwortlichen für dieses himmelschreiend sinnlose Groschengrab haben ihren Reibach gemacht, können unbesorgt in den Ruhestand entschwinden und werden bestimmt nicht zur Rechenschaft gezogen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Gräfelfing, Enorm, Gräfelfinger-Modell, Steuerverschwendung, Merkur, Salzburger Vorsorgewert, Planegg


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