Daubert-Standard trennt Pseudowissenschaft von Wissenschaft (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 19.03.2016, 13:01 (vor 1358 Tagen)

Wer sich mit der Mobilfunkdebatte beschäftigt weiß, dass insbesondere Laien mit pseudowissenschaftlichen Begründungen leicht über den Tisch gezogen werden können. Damit gleiches nicht auch Richtern passiert, die z.B. über Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe zu befinden haben, gibt es in den USA einen Prüfmechanismus (Daubert-Standard), der Kriterien benennt, um Pseudowissenschaft und Wissenschaft besser auseinander halten zu können. Solche Kriterien können Juristen gut gebrauchen, um Aussagen von Sachverständigen qualitativ einordnen zu können. Was es mit dem Daubert-Standard auf sich hat, ist folgendem Text zu entnehmen:

Der Daubert-Standard ist ein von Teilen der US-amerikanischen Rechtsprechung seit 1993 angewandter Kriterienkatalog, der herangezogen wird, um zu prüfen, ob eine Methode, eine Theorie o. Ä. wissenschaftlichen Grundprinzipien genügt. Die vier Daubert-Kriterien sind:

Empirische Überprüfbarkeit:

- Lässt sich die verwendete Methode bzw. die Theorie verifizieren oder falsifizieren?
- Wurde die Methode in einer Fachzeitschrift veröffentlicht und dabei einer Peer Review unterzogen?
- Gibt es eine Aussage über die Unsicherheit der Methode und wird diese Aussage bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt?
- Ist die Methode in einer maßgeblichen wissenschaftlichen Gemeinschaft allgemein anerkannt?

Der ältere Frye-Standard, durch den der Einsatz eines Lügendetektors im Strafverfahren für unzulässig erklärt worden war, umfasste nur das letzte Kriterium, nämlich ob die Methode im betreffenden Fachgebiet anerkannt sei. Anders als bei Frye stellt die allgemeine Akzeptanz nur noch eine hinreichende, aber keine notwendige Bedingung dar.

Der Daubert-Standard geht maßgeblich auf eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1993 zurück. In Daubert v. Merrell Dow Pharmaceuticals, 509 U.S. 579 (1993), wurde die Frage geklärt, unter welchen Voraussetzungen eine wissenschaftliche Methode vor Gericht als Beweismittel zugelassen werden soll. Im konkreten Fall ging es darum, dass zwei Kinder gegen den Pharmahersteller Dow Chemicals klagten, weil sie Missbildungen bei ihrer Geburt auf ein unter dem Handelsnamen Bendectin vermarktetes Medikament (Pyridoxin/Doxylamin) zurückführten, das ihre Mütter während der Schwangerschaft gegen Übelkeit eingenommen hatten. Gestützt wurde ihre Klage auf Tierversuchsstudien, chemische Strukturanalysen und eine unveröffentlichte Sekundäranalyse auf der Basis vorher veröffentlichter epidemiologischer Studien. Diese Beweismittel wurden aufgrund des Daubert-Standards von den Richtern abgelehnt.

Ein prominentes Beispiel für die Anwendung dieses Prüfkatalogs im Hinblick auf die Verlässlichkeit von Sachverständigenaussagen ist die rechtliche Bewertung des sogenannten Intelligent Design, also der von den Neo-Kreationisten vertretenen Hypothese eines schöpferischen Vorgangs als Ursprung des Lebens auf der Erde.

Quelle: http://de.dbpedia.org/resource/Daubert-Standard

Hintergrund
Sachverständigenbewertung bei den Mobilfunk-Hirntumorklagen in den USA

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Pseudowissenschaft, USA, Pseudowissenschaftler, Hirntumor-Klage, Daubert-Standard


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