Diagnose-Funk schürt Ängste vor Sendemasten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 17.03.2016, 23:53 (vor 1405 Tagen)

Eine Arbeit aus Saudi-Arabien mit dem sperrigen Titel "Association of Exposure to Radio-Frequency Electromagnetic Field Radiation (RF-EMFR) Generated by Mobile Phone Base Stations with Glycated Hemoglobin (HbA1c) and Risk of Type 2 Diabetes Mellitus" will einen Zusammenhang zwischen der Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern von Mobilfunk-Basisstationen und Glyko-Hämoglobin (HbA1c) sowie dem Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 gefunden haben. So ist es beim EMF-Portal nachzulesen, von dem Diagnose-Funk besonders gerne abschreibt.

Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass die Exposition bei starken hochfrequenten elektromagnetischen Feldern von Mobilfunk-Basisstationen mit erhöhten Werten von Glyko-Hämoglobin (HbA1c) sowie dem Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 zusammenhängt.

Aha. Nunja, solche Schlussfolgerungen sind nicht verboten. Ob sie stimmen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Doch was sind nun "starke hochfrequente elektromagnetische Felder"?

Bitte anschnallen und das Rauchen einstellen: Die Autoren der Studie betrachten die Exposition mit 9601 nW/m², das sind 9,6 µW/m², als stark :no:.

Tja. Was soll man dazu nur sagen ... Diesen Stuss kann auch nur Diagnose-Funk für bare Münze nehmen. Der sagenumwobene "Salzburger Vorsorgewert", das goldene Kalb ganzer Generationen von Mobilfunkgegnern, wäre demnach, weil 100-mal stärker als der in Riad für "stark" befundene Wert, ein Garant gewesen, sich eine chronische Stoffwechselkrankheit einzufangen.

Die spärlichen Informationen zu dieser Arbeit deuten darauf hin, dass es sich um eine "Schrottstudie" handelt. Z.B. geht in die Betrachtung nicht ein, welche Exposition Probanden und Kontrollgruppe außerhalb der Schule während 18 Stunden ausgesetzt waren.

Und es gibt auch schon einen Leserbrief zur Studie der Saudis. Dummerweise ist von dem gegenwärtig leider nur der Beginn zu lesen, obwohl als "Free full text" angeboten. Da der Leserbrief aus dem Iran kommt, lässt sich freilich unschwer mutmaßen, dass die "Begeisterung" der Iraner für die Studie der Saudis in etwa der Begeisterung entspricht, mit der ich Artikel des Ex-Elektrikers Hans-U. Jakob im kleinsten Raum meiner Wohnung sitzend lese und verwerte.

Hintergrund
Spurensuche: Wie kompetent ist Diagnose-Funk?
Mobilfunkstudien: Bewertung der Ergebnisse durch Laien

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Salzburger Vorsorgewert, Kritikresistent, Mobilfunkstudien


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