George L. Carlo - "Science for Sale" und die Tabakindustrie (Allgemein)

Alexander Lerchl @, Montag, 08.02.2016, 15:40 (vor 1288 Tagen)

Absprung war hier.

Herrn George L. Carlo wird ja in dem Filmchen "Thank You for Calling" offenbar breiter Raum gegeben. Hintergrund ist wohl auch, dass es in den USA zu Prozessen kommt (Gehirntumore und Mobilfunk), in denen der angebliche Experte zu Wort kommen dürfte. Grund genug für mich, ein wenig zu schauen, was der gute Mann denn so alles gemacht hat in der Vergangenheit.

SO EINIGES!

Zunächst: Er kommt gar nicht gut weg, schaut man sich die Seite "SourceWatch" an. Da wird geschrieben, dass Carlo mit einer anderen Person Philip Morris (Tabakindustrie) angesprochen und ihnen eine Studie angeboten hat. Die Studie (Telefoninterviews) hatte das Ziel zu zeigen, dass Mediziner hinsichtlich der Gefahren des Passivrauchens nicht neutral seien.

Ah ja, da war doch was! Bitte weiterlesen!

Der Rest des sehr interessanten Artikel erklärt, dass Carlo ziemlich viel Geld von der Mobilfunkindustrie bekommen hat (insg. ca. 27 Mio US$) und Studien durchführte, die z.B. bei Louis Slesin bzw. seinem Blättchen "Microwave News" vernichtende Kritiken bekam ( "... Carlo and the industry he represented never wanted to do any actual research...").

Nachdem das Geld alle war, so SourceWatch weiter, wurden Carlo und die Mobilfunkindustrie erbitterte Feinde, und er wandelte sich von Saulus zum Paulus, indem er auf einmal zur Mobilfunk-Gegnerei wechselte. Wann das war, weiß ich nicht, lässt sich aber bestimmt recherchieren.

Ein anderes Datum hingegegen ist genau bestimmt, und zwar ein Schreiben über ihn und seine - sagen wir laxen - Ansichten hinsichtlich der Annahme von Forschungsgeldern durch die Tabakindustie.

Es handelt sich um ein Schreiben, das in den Tiefen der Legacy Documents zu finden ist und aus dem Jahr 1992 stammt. Dort schreibt ein gewisser Matt(hew) Swetonic (u.a. unterwegs gewesen für die Asbestindustrie und in Sachen Agent Orange) an Betsy Annese, die ebenfalls für die Industrie tätig war, diesmal die Tabakindustrie.

Der Inhalt des Schreibens dreht sich u.a. um Wege, wie Risiko-Abschätzungen geändert werden können. Sehr interessant zu lesen.

Vor allem aber (vorletzter Absatz 3. Seite) ist es laut Swetonic kein Problem, mit RJR (Tabakindustrie) in Diskussionen zu treten, obwohl er noch im Science Advisory Board des IRP saß (Institute of Regulatory Policies).

Dieses Schreiben ist, wie ich eben las, auch schon Gegenstand eines ausführlichen Artikels gewesen. Bitte hier entlang.

Alles in allem könnten sich Leser fragen, ob die Macher des Films "Thank you for Calling" sich hinsichtlich der Rolle(n) des George Carlo

a) zu wenig Gedanken gemacht haben,
b) gar keine Gedanken gemacht haben oder
c) sich Gedanken gemacht haben, diese ab beiseite schoben.

Es wird interessant sein zu beobachten, ob sich die Juristen jenseits des Atlantiks ähnliche Gedanken machen und wie sie damit umgehen werden.

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

Tags:
Tabak, Hirntumor, Philip Morris, Carlo, Scheidsteger, Filmemacher, Lobbyist, Skrupellos, Forschungsgeld


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