Österreich: Leitfaden Senderbau (LSB) (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 19.05.2015, 19:05 (vor 1662 Tagen)

Seit Oktober 2014 geben in Österreich die "Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt" den Leitfaden Senderbau (LSB) (PDF, 44 Seiten, österreichisch) in 2. Auflage heraus, die 1. Auflage erschien 2012.

Der Titel der Broschüre ist unglücklich gewählt, denn nicht nur in der Industrie wird unter Senderbau der Bau von Sendern verstanden. Doch darum geht es den Ärzten nicht, ihr Leitfaden gilt der Aufstellung von Mobilfunkmasten.

Irritierend an dem Werk ist: Der Leitfaden selbst umfasst nur 4 Seiten, vor diesen befinden sich 10 Seiten Grußworte und Inhaltsverzeichnis, den Rest bilden ein sogenannter "Informativer Teil" (?) zur aktuellen Studienlage und einige Anhänge mit Adressen. Ob dieses Konzept auf Dauer tragfähig ist bleibt abzuwarten, denn der "Informative Teil" bedarf der Pflege des Papiers mit neu hinzugekommenen Studien und deren Bewertung. Diese Arbeit jedoch wird weltweit von nationalen Expertenkommissionen ohnehin gemacht. Gut an dem "Informativen Teil" ist die Begrenzung auf Basisstationen. Und obwohl mit den Professoren Kundi, Mosgöller und Hutter mehrheitlich erklärte Mobilfunkgegner an dem Papier mitwirkten, werden wenig aussagekräftige Studien von Gesinnungsfreunden wie die von Eger et al. (2004) und Dode et al. (2011) immerhin als nicht voll verwertbar für die "Richtwertableitung" eingestuft (Expertenkommissionen gehen mit diesen Studien rabiater um). Was genau mit "Richtwert" gemeint ist konnte ich auf die Schnelle nicht feststellen, denn das PDF entzieht sich infolge einer unglücklichen Formatierung jeder Suche nach Begriffen. Vermutlich ist mit "Richtwert" das gemeint, was im Leitfaden-Teil "Planungszielwert" heißt und ein uralter Bekannter ist: Der Leitfaden gibt erfreulicherweise willkürlichen Vorsorgewerten, wie sie z.B. die ödp gerne erfindet, den Laufpass und empfiehlt den alten Salzburger Vorsorgewert von 1 mW/m², und auch diesen nur für "sensible Orte", wobei wahrscheinlich nicht die Orte sensibel sind, sondern die Menschen, die sich dort länger aufhalten müssen.

Prof. Mosgöller hat für Heft 1/2015 der Verbandszeitschrift UMG einen Artikel über die 2. Auflage des "Leitfadens Senderbau" geschrieben, eine Zusammenfassung davon gibt es in diesem PDF.

Fazit: Der "Leitfaden Senderbau" verpackt relativ wenig neue Information in Unmengen von Text, der sich, das ist ein großes Ärgernis, nicht gezielt nach Begriffen durchsuchen lässt. Inhaltlich sind mir beim Überfliegen des Textes keine gravierenden Fehler aufgefallen, die Distanz des Leitfadens zur üblichen Szene der Mobilfunkgegner ist erfrischend und fördert sicherlich die Akzeptanz des Heftes. Andererseits darf nicht übersehen werden, dass die Autoren nahezu ausnahmslos dem Lager der Mobilfunkgegner zugeordnet werden können. Eine unterschwellige Beeinflussung, die mir beim Schnelllesen nicht aufgefallen ist, könnte daher bei genauerer Analyse noch zum Vorschein kommen. Aus meiner Sicht eignet sich der Leitfaden weniger als Handlungshelfer, wenn irgendwo ein geplanter Sendemast die übliche Aufregung verursacht, sondern als Nachschlagewerk für Studien, die sich mehr oder weniger mit der Emission von Mobilfunk-Basisstationen befasst haben.

Hintergrund
Elektrosmog-Frühling in Österreich: Sand für die Sahara

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Oesterreich, Hutter, Eger, Kundi, Mosgöller, Verbandszeitschrift, Salzburger Vorsorgewert, UMG, Dode, AeGU


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