SAR-Wert-Fantasien der Wiener Ärztekammer (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 13.01.2015, 23:31 (vor 2874 Tagen) @ H. Lamarr

In Anbetracht dieses Sachstandes, der in Österreich nicht viel anders sein sollte als in Deutschland, erscheint mir das, was die Wiener Ärztekammer und ihr Umweltreferent ausbrüten, ein am grünen Tisch ersonnenens taubes Ei zu sein. Es zeigt, die Kammer beschäftigt sich nicht überzeugend mit dem Thema.

Dr. med. Eric Huber ist gegenwärtig Co.-Umweltreferent der Österreichischen Ärztekammer (zuvor Umweltreferent der Wiener Ärztekammer). Er hat ein Buch geschrieben, "Nebenwirkung Handy", sozusagen das Buch zur Elektrosmog-Panik, die besonders gerne von schlecht informierten Vertretern des Ärztestandes verbreitet wird. Das Buch von Huber wurde am 6. November 2007 in der Ärztekammer für Wien mit ziemlichen TamTam vorgestellt. Klappern gehört eben auch bei schreibenden Medizinern zum Geschäft. Und wie immer, wenn Mobilfunkgegner in die Öffentlichkeit drängen, breiten sich schnell Irritationen aus.

Da ist z.B. die Co-Autorin von Herrn Dr. med. Huber, Frau Dr. Michaela Knirsch-Wagner. "Sie studierte Publizistik und Germanistik", heißt es auf der oben verlinkten Seite, "arbeitete einige Jahre in der Verlagsbranche und ist heute in der Abteilung Public Relations/medien eines großen österreichischen Kreditinstituts tätig." Und wo bitte ist irgendeine Qualifikation, an einem Buch "Nebenwirkung Handy" kompetent mit zu wirken? Wie weit darf Dilettantismus bei Mobilfunkgegnern eigentlich gehen, bevor da jemand einschreitet, sich in den Weg stellt und sagt: Stopp, so nicht?!

Bleibt als federführender Autor der Allgemeinarzt Huber übrig. Zwei Studien äußern sich über die Qualifikation von Allgemeinärzten in der Mobilfunkfrage kompetent mit zu reden:

Studie im Rahmen des DMF, 2009: Ein beträchtlicher Anteil der Ärzte hat im Vergleich zu der aktuellen wissenschaftlichen Risikobewertung eine zu hohe Risikowahrnehmung bzgl. EMF. Dies kann u. a. auf die selbst geäußerte schlechte Informiertheit der Ärzte zurück zu führen sein. Es gilt, den Ärzten die aktuelle wissenschaftliche Risikobewertung zu EMF näher zu bringen, damit die Ärzte darauf bei ihrer beratenden Tätigkeit zurückgreifen können. Dies vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Empfehlungen der Ärzte teilweise erhebliche Konsequenzen für den Patienten haben können.

Does "electromagnetic pollution" cause illness? An inquiry among Austrian general practitioners: Beispielsweise stellten Norbert Leitgeb und Kollegen im Jahr 2005 in einer Umfrage unter niedergelassenen Ärzten fest, dass ein beachtlicher Prozentsatz der befragten Ärzte in Bezug auf den Mobilfunk Risikoeinschätzungen haben, die im Gegensatz zu Auffassungen der entsprechenden Fachgremien stehen (Leitgeb et al. 2005). Sind die Ärzte auch hier Experten? Oder überschreiten sie mit ihrer Risikoeinschätzung ihre Kompetenz?"

Und Dr. Huber? Schauen wir mal, was er (2007) zu sagen hatte:

Die Ärztekammer fordert schon lange, dass auf strahlungsarme Handys gesetzt wird und das diese auch beworben und gekennzeichnet werden. Das Problem ist, wenn Sie heutzutage ich ein Geschäft gehen, dann fragt kein Kunde nach dem SAR Wert (= spezifische Absorptionsrate), d.h. die Energie, die vom Gehirn aufgenommen wird, wenn Sie mit dem Handy telefonieren. Das sind immerhin bis zu 90% der abgegebenen Energie eines Handys. Sie können sich vorstellen, wie viel Akkuladungen Sie in der Woche, im Monat, im Jahr an Ihr Gehirn abgeben, welche Ihr Gehirn aufnehmen muss.

Tja ...

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Oesterreich, Risikowahrnehmung, SAR-Wert, Wien, Aerztekammer, OeAeK


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