Angebliche Grenzwertüberschreitung in Deutschland (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.09.2014, 16:54 (vor 3568 Tagen) @ Trebron

Ohne diese Zahlen ist das eine halbe Information. Also keine.

Da liegen noch mehr Tellerminen im Sand vergraben.

Bei im Jahre 2007 durchgeführten Messungen technischer Hochfrequenz konnten nächtlich auftretende Signale nachgewiesen werden, die über dem in Deutschland zulässigen Grenzwert der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) von 10 Watt pro Quadratmeter lagen.

Genau dies darf eben nicht passieren, dass an irgendeinem Punkt in Deutschland, wo sich Menschen dauerhaft aufhalten können, mehr als 10 W/m² auftreten. Ob dieser Grenzwert auch auf dem Gelände von US-Militärbasen in Deutschland gilt weiß ich nicht, es ist aber anzunehmen. Der genannte Grenzwert macht deutlich, es kann sich nicht um einen GSM-Mobilfunksender gehandelt haben, sondern um einen Funkdienst mit Trägerfrequenzen > 2 GHz (z.B. S-Band-Radar). Auch UMTS scheidet aus, das wird tagsüber nicht abgeschaltet.

Therapeutisch wurde der Patient durch Umzug räumlich deexponiert, wonach sich die Symptomatik allmählich besserte. Unter der inzwischen weit verbreiteten alltäglichen Hochfrequenzbelastung an technischen Arbeitsplätzen rezidivierte die Problematik, so dass eine Erwerbsarbeit für den Patienten unmöglich wurde.

Mit dieser Textpassage erweist Dr. Eger den "Elektrosensiblen" einen Bärendienst. Denn seit Jahren mühen sich die EHS ab, der Weltöffentlichkeit das kleine 1x1 der EHS zu erklären: Feld weg (durch Deexposition), Beschwerden weg. Nun aber durchbricht Eger diese dogmatische Feststellung. Die Deexposition ist nicht das Allheilmittel, als das es bislang gepriesen wurde, denn der amerikanische Patient erholte sich nach Deexposition nicht nachhaltig, vielmehr traten die Beschwerden schubweise weiterhin auf, jetzt aber bei schwacher Alltagsbefeldung an technischen Arbeitsplätzen. Eger vernebelt das mit dem Begriff "rezidivierte die Problematik", was lediglich heißt: der Patient leidet wiederholt an den gleichen Symptomen.

Da mMn einige einheimische EHS unübersehbar auf Erlangung einer Frührente schielen, wäre es nicht verwunderlich, wenn auch ein US-EHS diese komfortable Geldquelle erschließen wollte.

Die Art und Weise wie die Zusammenfassung geschrieben ist erweckt bei mir den Eindruck, hier solle ein (fragwürdiger) Fall von EHS (pseudo)wissenschaftlich dokumentiert werden, damit die Szene endlich wenigstens einen einzigen belegten Fall vorzeigen kann. Dabei hat der Fall des Amerikaners nichts mit dem zu tun, was sich hierzulande unter dem Begriff EHS tummelt und vorgibt, teilweise schon Felder unter 1 µW/m² unangenehm zu spüren. Bekanntlich scheren sich gewisse Leute jedoch nicht um solche Unterschiede und lügen, wenn es denn der Sache dient, was das Zeug hält. So log Parade-EHS Uli Weiner z.B. mal frech vor sich hin "Für die immer größer werdende Gruppe der Elektrosensiblen, die in Deutschland nach offiziellen Angabe bereits 9,8% der Bevölkerung ausmacht, ist ein solches staatlich geschütztes Gebiet ein echter Segen." Gut beherrscht the Augsburg-Wunderkind auch die Variante, die Unwahrheit zu sagen, ohne zu lügen. Das hört sich bei ihm dann so an: "Zudem haben die Elektrosensiblen in den USA endlich ihr erstes staatlich geschützte Funkloch". Der clevere Uli redet da vom Funkloch "Green Bank", das in keiner Weise für EHS gedacht ist, sondern ausschließlich für ein Radioteleskop. EHS ließen sich erst später dort nieder, sie sind lediglich Nutznießer der Funkstille, die einzig und allein zugunsten ungestörten Empfangs des Radioteleskops verordnet wurde.

Die laut Karl Richter "geistig moralische Unterwelt" des IZgMF ist im Vergleich zu solchen Verfechtern des rechten Kurses nicht allzu verwerflich, ich würde sie z.B. in Kloster Andechs verorten.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Nebelkerze, Funkloch, Grenzwert, Inkompetenz, Eger, EHS-Geschichte, Mediziner, Grenzwertüberschreitung, Gerüchte, Frührente, Frequenzen, De-Exposition


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