Meinungsumfrage (BfS): Interesse an Mobilfunkdebatte versiegt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.06.2014, 23:07 (vor 2336 Tagen)

Seit 2004 nimmt das Interesse der Bevölkerung an der Mobilfunkdebatte kontinuierlich ab. Dies lässt sich mit dem Werkzeug Google-Trends anhand des schwindenden Interesses am Begriff "Elektrosmog" bereits ab 2010 zeigen. 2013 erfuhr dieser Trend eine belastbare Bestätigung durch eine neue Meinungsumfrage [PDF, 104 Seiten, deutsch], die im Auftrag des BfS durchgeführt wurde und an die vorangegangenen fünf BfS-Meinungsumfragen im Zeitraum 2003 bis 2009 anknüpft. In der jüngsten Umfrage heißt es nun:

Die Beschäftigung mit dem Thema elektromagnetische Felder des Mobilfunks verzeichnet insgesamt einen Rückgang. Der Anteil Personen, die sich etwas/viel mit dem Thema beschäftigt haben, liegt bei 36% (2009: 44%). Noch nie damit beschäftigt haben sich 36% (2009: 25%). Der Anteil (sehr) gut informierter Personen (Selbsteinschätzung) liegt bei 24%, 26% halten sich für gar nicht informiert. (siehe PDF-Seite 5 = Seite 3)

Für Mobilfunkgegner beängstigend ist die Entwicklung bei den Älteren, aus denen die Anti-Mobilfunk-Szene bislang das Gros ihres Personals und ihrer Anhänger bezogen hat. Da inzwischen einst Jüngere und mit dem Handy Vertrautere in die Altersgruppe 55+ aufgerückt sind, bricht der Anti-Mobilfunk-Szene langsam aber unaufhaltsam ihr wichtigstes personelles Reservoire weg. Hält der Trend unvermindert an, muss die Szene in 10 bis 15 Jahren wegen Personalmangel Konkurs anmelden. Diese trübe Aussicht erklärt letztlich auch die großen Bemühungen des Anti-Mobilfunk-Vereins Diagnose-Funk, in Schulen Fuß zu fassen, um so den Untergang vorerst abzuwenden:

Bei Betrachtung der Altersgruppen fällt vor allem die Veränderung bei Personen ab 55 Jahren auf. Prinzipiell kann der Schluss zugelassen werden, dass 90% der Bevölkerung bis Mitte 60 regelmäßig mit dem Handy telefonieren. Auch Personen ab 65 Jahren gehören immer häufiger zu regelmäßigen Handy-Telefonierern – 68% [...] in 2013, in 2009 waren es nur 54%, 2003 sogar nur 39% (siehe PDF-Seite 26 = Papier-Seite 24).

Nichts zu Lachen haben auch überzeugte "Elektrosensible", deren Fürsprecher unermüdlich den Eindruck zu erwecken suchen, die Anzahl dieser Personen würde dramatisch zunehmen. Die Realität sieht völlig anders aus. Trotz sprunghaft zunehmender Netzverdichtung und der Einführung neuer Mobilfunknetze ist der Anteil der Bevölkerung, der sich von Funkwellen beeinträchtigt sieht, so klein wie seit Beginn der BfS-Meinungsumfragen im Jahr 2003 nicht beobachtet:

Durch elektromagnetische Felder gesundheitlich beeinträchtigt fühlen sich in der aktuellen Welle 7% der Befragten. Dies ist im Vergleich zur Vorwelle im Jahr 2009 (10%) ein signifikanter Rückgang des Anteils. (siehe PDF-Seite 49)

In den Jahren zuvor pendelte der Anteil der selbstdiagnostizierten Beeinträchtigten zwischen 8% und 10%, wobei der Höchstwert 10% in den Jahren 2005 und 2009 erreicht wurde. Der Rückgang 2013 gegenüber 2009 ist der stärkste, der in den sechs Meinungsumfragen seit 2003 verzeichnet wurde. Die Anstrengungen der Szene, "Elektrosensibilität" als Massenphänomen zu etikettieren, dem die Politik durch Ausweisung von "Schutzzonen" (Beispiel) Beachtung zu schenken habe, dürfen getrost als gescheitert betrachtet werden, schlimmer noch, sie sind für die Szene nachhaltig schädlich gewesen!

Die neue Meinungsumfrage wurde vom LINK Institut für Markt- und Sozialforschung im Jahr 2013 zwischen August und September an 2500 Personen vorgenommen (telefonische Befragung). Dazu kam zum ersten Mal eine "Dual-Frame-Stichprobe" zum Einsatz, bei der neben Festnetz- auch Mobilfunktelefonnummern einbezogen wurden, um auch sehr mobile Personen und Personen, die über keinen Festnetzanschluss mehr verfügen, zu erreichen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Kinder, EHS, Risiko, Angst, Risikowahrnehmung, Netzverdichtung, Umfrage, Trends


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