Mobilfunk und W-Lan: schädliche bis tödliche Strahlung? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 16.03.2014, 18:44 (vor 3034 Tagen)

Knapp 5 Euro nur kostet die Online-Version eines ab 12 Jahren frei gegebenen und Mitte 2013 erschienenes Büchleins mit dem viel versprechenden Titel: Mobilfunk und W-Lan: schädliche bis tödliche Strahlung?

Das nur 73 Seiten starke Werk hat auch schon eine Rezension erfahren von jemand, der erstmalig ein Buch bei Amazon bespricht und - selbstverständlich - sein Entzücken über den Inhalt mit der vollen Punktzahl von 5 Sternen zum Ausdruck bringt. Das kennen wir schon aus einer anderen Ecke mobilfunkkritischer Gefälligkeiten.

Der Autor ist in der Anti-Mobilfunk-Szene ein völlig unbeschriebenes Blatt. Sein Verlag stellt ihn so vor "Diplom-Ingenieur (Jahrgang 1946) mit langjähriger Erfahrung und Autor bzw. Mitautor von wissenschaftlichen Büchern", Amazon so: "Der Verfasser ist Diplom-Ingenieur mit Zusatzausbildung als Heilpraktiker und Studium der Volkswirtschaft." Im www hat Roman Reinke ansonsten keine tiefen Spuren hinterlassen, bis auf eine: Das zufällig im selben Jahr ein paar Monate später im selben Verlag erschienene Büchlein Gesund wohnen bauen und sanieren von Hans-Jürgen Kiene (Jahrgang 1936, Diplom-Ingenieur mit langjähriger Tätigkeit als Architekt und Zusatzausbildung als Heilpraktiker) zitiert 3-mal das Werk von Reinke.

Reinkes Buch erschien in der Reihe "Heißes Eisen". Ein flüchtiger Blick in den Inhalt aber zeigt: Von heißem Eisen keine Spur, sondern ein mit Tunnelblick zusammengestelltes Sammelsurium der hinlänglich bekannten Mutmaßungen und Behauptungen über angebliche Schadwirkungen von EMF, wie sie sich mühelos und jederzeit zusammengoogeln lässt. Gleichwohl sieht sich der Verfasser in der Tradition von Widerstandskämpfern. Er schreibt: "Die Reihe 'Heiße Eisen', bringt Themen, von denen nur wenige etwas wissen wollen, weil es unbequem oder nicht modern ist. – Ähnlich, als wenn im 3. Reich jemand vor den Nazis gewarnt hätte."

Und Reinke dankt seinen Informanten. Diese wiederum sind in der Szene bekannt wie bunte Hunde, nämlich der baubiologisch höchst aktive Zahnarzt Dr. Claus Scheingraber, der Baubiologe Dr. Moldan und der Hard-Core-Mobilfunkgegner Alfred Tittmann. Lautete die Aufgabe, den nicht zu den anderen Passenden herauszufinden, meine Antwort wäre ohne Zögern: Tittmann. Denn bislang habe ich diesen unangenehmen Menschen nur für eine aggressive Privatperson gehalten, jedoch ohne kommerziellen Hintergrund. Möglicherweise ein Irrtum. Nicht was die in Foren unter dem Schutz von Pseudonymen gerittenen verbalen Ausfälle Tittmanns angeht, sondern seine Motivation. Der inzwischen weit über 70 Jahre alte Wutbürger war ab 2002 in der Szene einer der fleißigsten Wasserträger gewesen, einen seiner ersten Eimer entleerte er am 1. September 2002 auf der Gigaherz-Website. Sein "Lebenswerk" aber, der 2002 gegründete "Hessische Landesverband mobilfunksenderfreie Wohngebiete", musste sich 2012 selbst auflösen, der Pseudo-Verband hatte zuletzt keine Außenwirkung mehr und war überflüssig geworden.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Tunnelblick, Buch, W-LAN, Moldan, Tittmann, Rezension, HLV, Scheingraber, Gefälligkeit


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