Gräfelfinger Modell: Mutter aller Standortkonzepte (Medien)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 22.01.2014, 00:33 (vor 2130 Tagen) @ Trebron

Der Herr Gutbier stellt in der SZ die kommunale Standortplanung (von Masten) als bereits bewährtes und äußerst erfolgreiches Modell dar. Mir ist aber nicht bekannt, dass eine Kommune das wirklich bereits umgesetzt hat. In Herrenberg und in Riedenburg wird mWn darüber nachgedacht, mehr aber nicht.

Das sogenannte "Gräfelfinger Modell", es entstand ab 2000 (wurde jedoch erst zehn Jahre später vom Gemeinderat verabschiedet) und ist mWn die erste kommunale Standortplanung, die auch tatsächlich praktiziert wird. Das Problem mit diesem Modell ist: irgendwie weiß jeder etwas davon, aber es gibt unter den zahllosen fragmentierten Berichten keine verbindliche Dokumentation. Bei RDW gibt es zumindest eine kurze Zusammenfassung.

Von der biologischen Überflüssigkeit einer solchen Standortplanung muss ich Ihnen ja nichts mehr erzählen. Bleibt also noch der Punkt der Befriedung in der Gemeinde. Und da lässt sich klipp & klar sagen: Nein, eine dauerhafte Befriedung hat auch dieses Modell Gräfelfing nicht gebracht. Wurden an den anno Tobak von der Firma "enorm" ausgewiesenen Positiv-Standorten dann tatsächlich Masten errichtet, gab es exakt die gleichen Bürgerproteste und Einsprachen wie ohne Standortplanung. Zuletzt krachte es 2010, weil dort ein Masten neben einem Sportgelände errichtet werden sollte. Dem IZgMF liegt eine 213 Seiten umfassende Akte vor, in der Einsprüche von Privatpersonen, Einsprüche von Trägern öffentlicher Belange, Beratungsprotokolle und diverse Gutachten enthalten sind. Ob der Mast dann wie geplant gebaut wurde oder die Einsprecher Erfolg hatten kann ich aus dem Stegreif jetzt nicht sagen.

Das Umweltinstitut München hat irgendwann den Part von "enorm" übernommen und wird jetzt bei jeder Mastenstreiterei in Gräfelfing als "Gutachter" gerufen.

Einen irgendwie gearteten Sinn für Gräfelfinger Bürger kann ich in dem Modell nicht erkennen. Es muss jedoch sehr viel Geld dort geflossen sein zu den Planern und einen Anwalt. Auch Vetternwirtschaft soll im Spiel gewesen sein, dieses Gerücht will ich hier und jetzt aber nicht vertiefen. Auf jeden Fall ist es mit der initialen Standortplanung nicht getan, eine Kommune muss mit Folgekosten rechnen, wenn im Zuge der Umsetzung der Planung neue Konflikte aufbrechen und die Planung mit "Gutachten" verteidigt werden muss. Im Fall von Gräfelfing kommt es sogar noch besser: Das Umweltinstitut hat den Auftrag, die Integrität des Modells regelmäßig mit Messungen zu kontrollieren! Im Grunde sind solche Standortplanungen also eine gewinnorientierte ABM für die Dienstleistungscloud, die sich im Windschatten der Mobilfunkdebatte gebildet hat, und die sich gegenüber potentiellen Auftraggebern als "Retter in der Not" empfiehlt.

Hintergrund
Gräfelfinger Modell im IZgMF-Forum

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Umweltinstitut München, Standortkonzept, Enorm, Gräfelfinger-Modell, Sommer, Weitblick, Interessensorientiert, Ulrich, Integrität


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