3-er-Seilschaft: Diagnose-Funk, Baufritz & Querdenker (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 16.01.2014, 00:37 (vor 2151 Tagen)

Die Pressebox ist ein kostenpflichtiges Portal, um neue Presse-Informationen der Presse bekannt zu machen. Genutzt wird die Pressbox auf der einen Seite von Firmen und Redaktionsbüros zum Einstellen neuer Presse-Informationen, auf der anderen Seite von Journalisten, die die Presse-Informationen bei Gefallen dort abgreifen, redigieren und in Zeitungen oder Zeitschriften als Presse-Meldung veröffentlichen. So in etwa verläuft der gerade Weg zur Nutzung der Pressebox.

Doch es gibt auch verschlungene Wege.

Der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk hat mit seinen Presse-Informationen bislang kein Glück bei den Medien, die auf die Annäherungsversuche des Vereins partout nicht reagieren wollen. Was also tun, wenn der Drang nach öffentlicher Wahrnehmung groß ist, die Pressearbeit des Vereins jedoch einen Misserfolg nach dem andern verkraften muss? Man versucht es nach dem Vorbild der alten Griechen mit einem Trojanischen Pferd, um die Pressebox für lau mit zu nutzen.

Dazu benötigt wird lediglich ein Partner, der ein Konto bei der Pressebox hat und bereit ist, Trittbrettfahrer mitzunehmen.

Baufritz macht Holzhäuser fertig

Dieser Partner ist für Diagnose-Funk die Firma Baufritz. Der Fertighaushersteller mit engen Kontakten zu dem Baubiologen-Generator IBN müht sich seit Jahren, die "Schutzebene gegen Elektrosmog" in seinen Holzhäusern als großen Wurf ins Bewusstsein von Interessenten zu hämmern. Und damit Interessenten den Wert so einer Schutzebenen auch gleich richtig zu schätzen wissen, beteiligt sich Baufritz aktiv an "Aufklärungskampagnen" wie etwa dieser.

Querdenker, nicht Querlenker

Dritter im Bunde ist der Münchener Querdenker-Club in Gestalt von Sandra Lukatsch (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit). Frau Lukatsch schreibt Presse-Informationen, 2013 unter anderem fünf für Baufritz, und stellt diese ins Pressefach der "Querdenker" bei der Pressebox ein. Das alles ist ein bisschen wirr und deshalb für Journalisten eher abstoßend als anziehend. Nicht quer, sondern ebenfalls wirr empfinde ich die Website der Querdenker. Dort gelingt es nicht, einem kurz und bündig klar zu machen, was oder wer die "Querdenker" überhaupt sind. Und als ob das nicht alles schon verquert genug wäre ist Baufritz auch noch irgendwie mit der "Querdenkern" verbandelt, wie sich anhand dieser "Presse-Information" erahnen lässt.

Alter Trick: aus alt mach neu

Wenn sich Frau Lukatsch nun eine Presse-Information über Baufritz' sagenhafte "Elektrosmog-Schutzebene" aus den Rippen schneiden muss hat sie das Problem, dass dieses "Produkt" alt ist und daher für Journalisten keinen Neuheitenwert bietet. Sie löst das Problem, indem sie sich eine halbwegs frische Alarmmeldung von Diagnose-Funk besorgt, und diese zum Kern ihrer Presse-Information verformt. Mühsam spannt sich dann der Bogen vom dramatischen Elektrosmog-Alarm zu Baufritz und wieder zurück zum Alarm der Stuttgarter. Dabei wird auf dilettantische Weise so ziemlich jede Regel für professionelle Presse-Informationen gebrochen. Wer da als Journalist zugreift, der muss mMn auf der Suche nach schlechten Beispielen sein.

Bislang gibt es zwei solche als Presse-Information verkleidete Journalistenschrecks:

Der Erfolg der Meldung vom Juli 2013 war bescheiden, Google findet gegenwärtig 13 Webseiten, die den Text übernommen haben, eine nennenswerte ist nicht dabei, und Google News meldet erwartungsgemäß keinen einzigen Treffer in den Medien.

Dass Frau Lukatsch sich in den beiden "Presse-Informationen" dramatischer Alarmmeldungen von Diagnose-Funk bedienen darf, honoriert sie auf übliche Weise mit dem vollmundigen Zitat eines Diagnose-Funkers und natürlich mit einem Link auf die Website des Vereins. So macht man das bei Advertorials, Geschäfte sind nur dann wirklich gut, wenn beide Geschäftspartner profitieren. In diesem Fall aber ist der Profit karg, die Anrüchigkeit dagegen stark. Aus meiner Sicht produzieren die beiden verunglückten Presse-Informationen nur Verlierer: Baufritz, Diagnose-Funk & Querdenker.

Ein Stück weit verantwortungslos

Verboten ist diese Art von "Presse-Information" nicht, der Informationsmarkt weiß selbst, wie er mit solchen Entgleisungen umzugehen hat. Ein altes Produkt als neu vorgesetzt zu bekommen, das schätzt kein Journalist. Und sich der welt- und wissenschaftsfremden Alarmmeldungen eines Interessenvereins als Mittel zum Zweck zu bedienen, ist mMn ein Stück weit verantwortungslos und schlechter Stil. Das aus kommerziellem Interesse künstlich hochgespielte Phantomrisiko "Elektrosmog" kann auf lange Sicht zu einer Desensibilisierung der Bevölkerung gegenüber Warnmeldungen beitragen. Kommt dann einmal ein echter Alarm, hört im Glauben an den 1001. Fehlalarm keiner mehr hin.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Filz, Werbung, Medien, Allianz, Advertorial, Trittbrett, Baufritz, Selbstbefruchtung, Holzhaus, Stuttgarter Zeitung


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