Baumsterben im Arnulfpark, München: Elektrosmog-Messwerte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 29.09.2013, 21:39 (vor 2264 Tagen)

Nachdem Frau W. die Bäume im Münchener Arnulfpark zu ihren persönlichen Schutzbefohlenen erklärt hat und behauptet, die Messwerte dort seien hoch, haben wir heute dem Park einen Besuch abgestattet, gemessen und Fotos gemacht.

Gemessen haben wir breitbandig (27 MHz ... 2,4 GHz) mit einem HFE 59B. Da die übliche "Christbaumantenne" für unsere Zwecke eine unerwünschte Richtwirkung hat, haben wir stattdessen eine horizontal isotrope Breitbandantenne verwendet. Im Klartext: Ein am Testpunkt (TP) ermittelter Messwert enthält alle einfallenden Funkfelder aus allen (horizontalen) Richtungen. Unsere Messwerte müssen daher prinzipiell höher sein als die der Kollegin W., die mit "Christbaumantenne" geradeaus misst, und so nur einen Bruchteil der tatsächlichen Funkimmission an einem TP erfasst.

Das Ergebnis des 40-minütigen Rundgangs durch den Arnulfpark sind Messungen an 13 Testpunkten. Unsere Tour lässt sich in Google Maps nachverfolgen, dort sind auch die Testpunkte und die zugehörigen Messwerte (Mittelwert/Spitzenwert) zu sehen. Mit Mittelwert ist nicht der Durchschnittswert aus mehreren Messungen an einem TP gemeint, sondern die Mittelwertanzeige des Messwerts (im Gegensatz zum Spitzenwert). Ebenfalls in die Karte eingetragen haben wir die beiden Mobilfunksender-Standorte, die sich nahe am Arnulfpark befinden.

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Die Messwerte sind allesamt unspektakulär und völlig normal für eine Innenstadtlage. Daran ändert auch nichts, dass ein paar Häuser weiter der Bayerische Rundfunk ein Antennenensemble auf dem Dach des Funkhauses betreibt, das mit Mobilfunk jedoch nichts zu tun hat. Der niedrigste Messwert, gemessen an TP13 war 150 µW/m² (avg.)/190 µW/m² (peak). Die höchsten Messwerte fanden wir an TP9: 800 µW/m² (avg.)/2960 µW/m² (peak). Dieser Peak-Messwert ist ein Ausreißer, der deutlich über allen anderen Werten liegt. Einen offensichtlichen Grund für diese Überhöhung konnten wir nicht feststellen, wegen der dichten Bebauung am Rand des Parks sind Reflexionen eine denkbare Ursache.

Relevant sind die Mittelwerte, nur sie lassen sich fehlerfrei mit den erlaubten Grenzwerten in Beziehung setzen. Überschlägig gerechnet erreicht die Grenzwertausschöpfung im Arnulfpark beim höchsten Messwert keine 2 Prozent. Unter diesen Umständen von "hohen Werten" zu sprechen, wie Kollegin W., bestätigt einmal mehr, dass alles relativ ist. Nur der Vollständigkeit halber haben wir auch die Spitzenwerte genannt, die von Mobilfunkgegnern und Baubiologen nahezu ausschließlich genannt werden. Der Grund ist einfach: Spitzenwerte sind immer höher als Mittelwerte, abhängig von der Signalcharakteristik mal mehr mal weniger. Mit den bekannten Grenzwerten der 26. BImSchV dürfen diese Werte nicht verglichen werden. Und: Die (undeklarierte) Nennung von Spitzenwerten ist unseriös.

Entscheidend ist: Wir konnten keinerlei Zusammenhang zwischen den Messwerten und dem Zustand der teils tatsächlich wenig ansehnlichen Bäume erkennen. Damit scheiden Funkfelder als Ursache der Pflanzungsprobleme im Arnulfpark aus unserer Sicht aus. Es gibt viel plausiblere Gründe für das Baumsterben dort, die auch in den Presseberichten zur Sprache kommen.

Die angeblichen Bäume im Arnulfpark sind in Wirklichkeit nur Bäumchen, geschätzt vielleicht fünf bis sechs Meter hoch. Der Grund: Es ist kein gewachsener Bestand, die Bäume wurden dort erst 2006 neu gepflanzt.

Spektakuläre Baumskelette sahen wir nicht, sondern kräftige und mickerige Laubbäumchen, manche mit noch knallgrünen Blättern, andere schon gelb. Eine Häufung auffällig mickriger Bäumchen stellten wir nicht fest, vielmehr stehen käftige und mickrige Exemplare in einem zufälligen Mix zuweilen direkt nebeneinander. Wir sahen dort, wo höhere Messwerte waren auch kräftige Bäumchen, und dort, wo niedrige Werte waren auch schwächliche Exemplare (und umgekehrt).

Dass die Bäumchen im Arnulfpark es nicht überall leicht haben, die folgenden Fotos (heute aufgenommen) zeigen dies nachdrücklich. Etwa ein Drittel des Parks ist keine Grünfläche, sondern Sandwüste. Dass in diesem schwierigen Wurzelumfeld einige, in der Presse ist von 16 die Rede, der geschätzt 150 bis 180 Bäumchen verkümmern, ist keineswegs verwunderlich. Listigerweise lässt Kollegin W. die harten Lebensbedingungen der Bäumchen, die sie kennen muss, einfach unter den Tisch fallen, um ihre krude These von den verstrahlten Bäumen besser an den Mann zu bringen. Doch die Fotos sprechen eine deutliche Sprache:

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Hintergrund
Gesamteindruck Arnulfpark

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
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