Petition "Umweltmedizin als Kassenleistung" durchgefallen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 17.07.2013, 10:32 (vor 2319 Tagen) @ Gast

Aus der Begründung der Petition, die angeblich heute Letzten Tag hat:

Es war zufälligerweise tatsächlich der letzte Tag dieser Petition ...

In sechs Monaten fanden sich 2703 Mitzeichner, davon 300 aus dem Ausland. Das Problem ist, so es überhaupt eines ist, augenscheinlich nicht dringend. Denn trotz Werbung für die Petition auf einschlägigen Webseiten ist das Ergebnis alles andere als beeindruckend. Der Initiator der Petition hatte das Desinteresse bereits in den ersten Tagen der ursprünglich kürzeren Zeichnungsfrist bemerkt und die Laufzeit vorsorglich auf sechs Monate verlängert.

Ich bin unschlüssig was ich von "Umweltkranken" halten soll. Wer tatsächlich unter Umwelteinflüssen leidet, sollte natürlich auch Kassenleistungen erhalten. Dies dürfte kaum jemand bestreiten wollen.

Wenn aber Leute ihr psychisches Problem aus Sorge vor einer selbst in Szene gesetzten Psychiatrisierung krampfhaft als physische Erkrankung sehen und diese (logischerweise auf Dauer erfolglos) auf Kosten der Gemeinschaft behandelt sehen wollen, dann bin ich gegen die Kostenerstattung.

Und wenn man sich ansieht, wer sich für diese Petition stark machte, dann kommen einem schon Zweifel an den seriösen Motiven. So wurde z.B. im hese-Forum für diese Petition geworben, die natürlich im Interesse von Baubiologen ist. Und der Verein "Lebenswerter Hochrhein" mit den hinlänglich bekannten Umweltmedizinern aus der EMF-Szene an Bord hat natürlich ebenso dafür geworben wie Frau Dr. Ingrid Gerhard, die wiederum mit Dr. Mutter verbandelt ist. Womit ich sagen will: Umweltmediziner der EMF-Szene haben diese Petition mehr als nur wohlwollend betrachtet.

Der Scharlatanerie ist in der Umweltmedizin Tür und Tor geöffnet, wir erleben das regelmäßig in der EMF-Szene. Diese Einschätzung teilt auch die Bundesärztekammer. Sie befürchtet zu recht, dass mit der Ausübung der Umweltmedizin in Arztpraxen vielfach durch dubiose Diagnoseverfahren neue Umweltprobleme und -belastungen erst geschaffen werden.

Gut möglich also, dass diese Petition wieder nur einer dieser zahllosen Versuche war, das Prinzip der freien Marktwirtschaft trickreich in die Praxis umzusetzen, indem dem erhofften Mehrerlös aus der Geschäftstätigkeit das Ankurbeln der Nachfrage vorausgeht. Wäre das Kurieren von "Umwelterkrankungen" Kassenleistung, die Fallzahlen würden vermutlich auf ein Vielfaches der heutigen Werte ansteigen und bestimmte Leute reich machen.

Kommentar: Echte Umweltkranke sollten in die Umweltambulanzen der Kliniken gehen, dort ist das Risiko der Geldschneiderei mit alternativmedizinischem Hokuspokus klein. Andere Umweltkranke sollen weiter als Privatpatienten in die eigene Tasche greifen müssen, denn dies ist das Regulativ gegen allzu üppig gefüllte Wartezimmer in den Arztpraxen. Ich für meinen Teil meide Ärzte, die auf dem Messingschild etwas von Homöopathie stehen haben. Denn dies ist in meinen Augen ein Warnsignal.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Psychiatrisierung, Scharlatanerie, Umweltmediziner, Homöopathie, Mutter, Hinterbänklern, Naturheilkunde, Umwelterkrankung, Umweltkranke, Lebenswerter-Hochrhein, Umweltambulanzen


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