Hoppe, hoppe, Reiter - wenn er fällt ... (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 01.03.2011, 12:14 (vor 3002 Tagen)

Akademische Titel spielen in der öffentlichen Mobilfunkdebatte eine erhebliche Rolle. Sie wirken dort wie Steinschleudern: Was aus dem Mund eines Akademikers kommt, kommt beim Volk mit wesentlich mehr Durchschlagskraft an, als wenn ein x-beliebiger Nicht-Akademiker den gleichen Text aufsagt. Dieser Durchschlagskraft akademischer Schallwellen werden auch Plagiatsaffären nichts anhaben können, sie wirken mit Sicherheit. Dummerweise auch dann, wenn aus dem vermeintlich berufenen Munde Befremdliches kommt, wie zuletzt bei Dr. Spaarmann. In einem im hese-Forum ausgetragenen Scharmützel mit "Raylauncher" zeigt Dr. Spaarmann ein sehr merkwürdiges Verständnis von modulierten Hochfrequenzsignalen. Er schreibt:

[...] Deswegen habe ich ja gesagt, es wäre auch möglich, dass die nichtlinearen Kennlinien der Körperschichten, die ja ganz unzweifelhaft da sind, das Wesentliche (der Demodulation) bewirken. Raylanher hat das überlesen.

[...]

Das "Pferd mit Reiter" (modulierte HF) läuft mit Lichtgeschwindigkeit bis zum Hindernis (Körperoberfläche), das Pferd fliegt hin und bleibt liegen, tot (absorbiert) der "Reiter" (das Nutz-Signal) fällt vom Pferd runter und kullert ein Stückchen weiter (Eindringtiefe).

Raylancher aber macht folgenden gedanklichen Fehler: Er denkt, der Reiter müsse immer nach dem Sturz unter dem Pferd zu liegen kommen und würde zerquetscht, also wären beide tot (absobiert). Ist aber nicht so, der Reiter kullert noch ein Stück weiter und die Wahrscheinlichkeit, dass er auch drauf geht, die ist klein, weil er so viel leichter ist (viel niedrigere Frequenz). Vielleicht ein blödes Bild des Vorgangs, aber doch verständlich.

"Raylauncher" bleibt über diese Ausführungen des promovierten Physikers die Spucke weg, resigniert schreibt er: Dem wäre dann von meiner Seite nichts mehr hinzuzufügen.

Dr. Spaarmann scheitert hier bei dem Versuch, Laien das virtuelle "Oberammergauphänomen" zu erklären. Bekanntlich litten angeblich gut 100 Bewohner des Passionsspielortes 2006 an diffusen gesundheitlichen Problemen, nachdem ein ortsansässiger Elektrotechniker dort die Horrornachricht verbreitete, nicht abzuschirmende ELF-Wellen würden neuerdings aus einem Mobilfunksender in der Ortsmitte hervor quellen. Die Massenpsychose legte sich zwar schnell, die angeblich besonders gefährlichen "niederfrequenten Anteile von Hochfrequenzwellen" haben seither jedoch in den Diskussionen der Mobilfunkdebatte einen Stammplatz. Zu Unrecht. Denn bislang konnte noch kein Wissenschaftler nachweisen, dass beim Auftreffen eines modulierten Hochfrequenzsignals auf den Körper eines Menschen eine Trennung von HF und NF stattfindet, auch wenn Dr. Spaarmann es eingangs so hinstellt, als wäre es so. Ohne so einen organischen Mechanismus zur Demodulation sind die Ausführungen von Dr. Spaarmann jedoch nur das, was er selber schon ahnte: ein blödes Bild.

Dr. Spaarmann ist auch sonst kreativ im Erfinden von unzutreffenden Behauptungen, die ihn in der Szene der Sendemastengegner zu einem gefragten Mann haben werden lassen. So hat er keinerlei Hemmungen, die Angstpropaganda mit folgender Behauptung zu nähren:

"Bei gleicher Dosis ist ein länger einwirkendes Signal gefährlicher als ein kurzes, starkes."

Für einen Physiker mMn ein grober Fehltritt, denn was für ionisierende Strahlen zutreffend sein mag, ist bei nicht-ionisierenden Strahlen fehl am Platz. Nicht-ionisierende Strahlen (Mobilfunk, Rundfunk) haben keine anreichernde Wirkung in Organismen, wird das Signal abgeschaltet, entfällt schlagartig auch die Wirkung der EMF (bei hoher Intensität je nach Frequenz Nervenreizung oder Wärmeentfaltung). Da ist nichts, was sich im Körper kumulierend nach und nach mit jeder Feldeinwirkung aufbaut, um irgendwann Böses mit einem zu machen, mit jeder Feldabschaltung wird der "Zähler" auf Null gestellt.

Deshalb habe ich versucht, Dr. Spaarmann ebenfalls mit Analogien auf die Unrichtigkeit seiner (Pro-)These hinzuweisen. Erfolglos, denn Dr. Spaarmann leidet an einer Krankheit, die mMn fast alle öffentlich wahrgenommenen Laienprediger der Mobilfunkszene fest im Griff hat: die Fliehkraft. Wenn es anfängt unangenehm zu werden, weil statt andächtigem Zuhören bohrende Fragen gestellt werden (der Physiker M. Hahn, Schrecken aller Angstprediger, ist ein Meister in diesem Fach), dann sind ansonsten sehr gesprächige Sprecher der Szene in aller Regel "irgendwie" zu beschäftigt, um die Diskussion fort zu setzen. Deshalb sind die bekannten Referenten der Szene so gut wie nicht unter ihren Namen in Foren vertreten, es ist viel zu riskant, dort langfristig dokumentiert vorgeführt zu werden. Warum Dr. Spaarmann sich dennoch in jüngster Zeit dem exklusiv bei hese aussetzt ist möglicherweise mit einer Bitte zu erklären, das dortige Forum zu befeuern. Dr. Spaarmann ist hese seit rund zehn Jahren eng verbunden und hat mit seinen 73 Jahren auch nicht mehr allzuviel unter Imageverlust zu leiden.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Spaarmann, Referenten, Blendwerk, Titelmania


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