Offener Brief von Hans Schütz (Allgemein)

Gast, Dienstag, 05.08.2008, 13:02 (vor 5298 Tagen)

An die
Kreissparkasse Schongau
Münzstr. 36
86956 Schongau

Sehr geehrter Herr Kober,
Sehr geehrter Herr Lutzenberger

In der vergangenen Woche habe ich in den Schongauer Nachrichten eine Werbung Ihres Hauses gesehen, mit der Sie Kindern ein spezielles Konto namens "Giro mobile - nur für Schüler" anbieten. Mit diesem Programm sollen junge Leute angeworben werden, ihr Giro-Konto bei der Sparkasse anzulegen. Dazu wird ihnen versprochen:
- ein kostenloses Konto - mit kostenlosem Prepaid-Handy
- eine vergünstigte Elternrufnummer
- eine kostenlose Sparkassen-Card zum Aufladen des Handys

Gegen eine Anwerbung junger Leute, ihr Konto bei der Sparkasse anzulegen, habe ich nichts einzuwenden. Diese ist markt- und brachenüblich.

Deutlich stärker beschäftigt es mich, dass die Banken sehr genau wissen, dass das Handy auch heute noch der häufigste Weg junger Menschen in die erste Schuldenfalle ihres Lebens ist. Ich halte es für schwer erträglich, dass Banken trotz dieses Wissens die Jugendlichen mit kostenlosen Handys versorgen und dadurch diesen Weg in die Schuldenfalle zum Nulltarif ermöglichen.

Noch unerträglicher ist für uns jedoch die Tatsache, dass Sie dieses Angebot an junge Menschen starten, obwohl mittlerweile die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Handys bzw. der Mobilfunkstrahlung wissenschaftlich gesehen mehr als nahe liegt. Die Mobilfunkindustrie sowie die meisten Politiker leugnen diese beharrlich und berufen sich auf die Einhaltung der "Grenzwerte". Ich beschäftige mich seit mehr als einem Jahrzehnt intensiv mit den Auswirkungen der gepulsten Hochfrequenz und wage es daher zu behaupten, dass ich über einen guten Überblick über die vorliegenden wissenschaftlichen Studien verfüge. Wie sie vielleicht wissen wurde ich deshalb auch im Juni 2006 als Experte zu einem Landtagshearing zu dieser Thematik eingeladen.
Zahllose dieser neuen Studien belegen, dass diese deutschen Grenzwerte nach extrem zweifelhaften Kriterien ermittelt wurden, unverantwortlich hoch sind und keinesfalls dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung dienen.

Noch beunruhigender ist für mich, dass es nach international anerkannten, seriösen Studien vornehmlich Kinder und Jugendliche sind, die unter der Strahlung von Handys am meisten zu leiden haben. (Geringere Knochendichte und Knochendicke vor allem auch am Schädel, höhere Gewebeleitfähigkeit, größere Eindringtiefe von Strahlen, nicht ausgereiftes Immunsystem, Aufbau der Nervenzellen …). Selbst das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm, das in letzter Zeit, wesentlich mitfinanziert von der Mobilfunkindustrie glaubte nach der Durchführung einiger zweifelhafter Forschungen Entwarnung geben zu können, musste zugeben, dass zumindest für Kinder und Jugendliche nach wie vor keine Entwarnung gegeben kann. Ich kann Ihnen in diesem Rahmen sicherlich keine umfassenden Studienergebnisse vorlegen, erlaube mir aber wenigsten zwei Quellen anzufügen:

1. Eine Hinweis auf eine aktuelle Studie der EU-Umweltorganisation von Ende 2007, die nach der Auswertung von nicht weniger als 2000 Studien (!) zum wissenschaftlichen Ergebnis kommt, dass das häufige Telefonieren mit dem Handy nach ca. 10 Jahren zu einer signifikant erhöhten Krebsrate führt

Bitte bedenken Sie: Ihre jungen Kunden sind dann gerade einmal 25-28 Jahre alt - zu jung, um das Risiko einer schweren Erkrankung zu tragen!

2. Eine Studie der ‚Österreichischen Ärztezeitung' Nr. 22, 25. Nov. 2007, in der der Umweltreferent der Wiener Ärztekammer, Dr. Erik Huber, folgende Kernthese aufstellt (Anlage 4):


"Die Wissenschaftler streiten nicht mehr, ob Handys schädlich sind, sondern wie schädlich sie sind."

Wir sollten uns deshalb ernsthafte Sorgen machen, gerade um unsere Kinder und Jugendlichen!

Bitte unterstützen Sie mein Anliegen und leiten Sie dieses Schreiben weiter an die zuständigen Stellen aller Sparkassen, die dieses Handy-Programm gestartet haben! Ich bin auch gerne bereit zu einem intensiven Gedankenaustausch in dieser Sache.

Bitte beenden Sie das Programm "Giro mobile" mit kostenlosem Handy unverzüglich, um zu belegen, dass Ihnen an der Gesundheit Ihrer jungen Kunden mehr gelegen ist als an deren Geldbeutel !


Mit freundlichen Grüßen

Hans Schütz
Füssener Str. 52
86971 Peiting
Tel.: 08861/59468
Email: schuetz.fam@t-online.de
vom 04.08.2008


Eine Kopie dieses Schreibens geht an:
-Umweltinitiative Pfaffenwinkel e. V.
- Netzwerk Risiko Mobilfunk Peiting
-regionales Netzwerk Risiko Mobilfunk
- Verwaltungsrat der Kreissparkasse Schongau

Tags:
Landtag, Aerztezeitung, Brief, Schütz


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