Fall 82: Gemittelte Sendeleistung (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 05.04.2025, 23:24 (vor 19 Stunden, 47 Minuten) @ H. Lamarr

Strangthema: Gemittelte Sendeleistung
Ausgangsposting: https://forum.gigaherz.ch/viewtopic.php?p=87162#p87162
Verfasser des Ausgangspostings: "Hans-U. Jakob" (unten Text rot)
Datum: 05.04.2025
Verfasser des Antwortpostings: "Beobachter" (unten Text schwarz)
Kommentarlose Löschung des Antwortpostings?: Ja

Nicht erschienenes Posting
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Hans-U. Jakob hat geschrieben:
Welchem ICNIRP-Fritz oder welcher BfS-Tante haben sie denn das abgekupfert?
Haben sie denn noch nie davon gehört, wie Zellbiologen eine Zelle öffnen, um im Erbgut herumzustochern?
Ganz sicher nicht mit einem Bisschen über 6 Minuten gemittelter Wärme. Sondern mit scharf gepulster elektromagnetischer Strahlung. Sozusagen mit einem elektronischen Mini-Mikro-Presslufthammer. Vergleichbar mit einem 5G-Beam.

Ach, jetzt sind wir also bei Zellbiologen, die mit „Mini-Mikro-Presslufthämmern“ im Erbgut herumstochern. Klingt dramatisch – und exakt so wenig wissenschaftlich, wie es klingt.

Zur Klärung:
Zellöffnungen mittels elektromagnetischer Felder – z. B. durch Elektroporation – gibt es tatsächlich, aber sie benötigen extrem konzentrierte Hochspannungsimpulse direkt an der Zelle. Wir reden hier von:

- Feldstärken bis zu 100.000 V/m,
- Spannungen von mehreren Hundert Volt,
- Impulsen mit Nanosekunden-Timing,
- und das Ganze auf einem winzigen Zellbereich im Labor.

Mit anderen Worten: Das ist Hochpräzisions-Biotechnologie im Reagenzglas, nicht der böse Beam vom Handymast an der Straßenecke, der keine einzelne Zelle im Labor trifft, sondern um die 30 bis 40 Billionen Zellen eines vorbei spazierenden Menschen.

Zum Vergleich:
5G-Funkwellen im Alltag bleiben gesetzlich auf unter 60 V/m beschränkt (Immissionsgrenzwert) – schon das ist mehr als tausendmal schwächer, flächig verteilt, und völlig ungeeignet, um auch nur die Zellmembran einer Amöbe zu beeindrucken.

Wer solche Labortechniken in einem Atemzug mit 5G-Mobilfunk nennt, zeigt vor allem eines:
Null Ahnung von Biophysik, aber eine blühende Fantasie – gepaart mit missionarischem Sendungsbewusstsein.

Vielleicht vorher doch nochmal Wikipedia lesen, bevor man sich so spektakulär selbst entblößt.

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Kommentar: Zur Vorgeschichte ist zu sagen, GHz-Forumteilnehmer "Leser" erbeutete bei Diagnose-Funk, Schweiz, Stuss des "Elektrosensiblen" Martin Zahnd und startete mit seiner Beute am 3. April im Gigaherz-Forum den Strang "Gemittelte Sendeleistung". Da sich niemand genötigt sah, der dusseligen Metapher von Zahnd zu widersprechen, habe ich den Job an die KI ChatGPT vergeben. Die KI bot an, sachlich oder polemisch zu argumentieren, ich bestellte Beides:

Sachliche Entgegnung
Der Vergleich zwischen einem Gewehrknall und der Leistungspegel-Mittelung bei Mobilfunkstrahlung ist irreführend, da er zwei völlig unterschiedliche physikalische Phänomene gleichsetzt.

Ein Schussknall ist eine akustische Druckwelle, die in Millisekunden das Trommelfell beschädigen kann. Hier ist die Spitzenlautstärke entscheidend, weil sie direkt mechanischen Schaden verursacht.

Elektromagnetische Strahlung interagiert ganz anders mit biologischem Gewebe. Die geltenden Grenzwerte basieren auf der absorbierten Energie (SAR-Wert), die sich über die Zeit summiert. Einzelne Leistungsspitzen sind irrelevant, wenn sie kurz genug sind, um keine nennenswerte Erwärmung zu erzeugen.

Die Mittelung über sechs Minuten entspricht physikalischen Gesetzmäßigkeiten und der Art und Weise, wie unser Körper Wärme verarbeitet. Kurzfristige Peaks sind dabei unproblematisch, solange die mittlere Energieaufnahme unterhalb der Grenzwerte bleibt.

Ein besserer Vergleich wäre etwa heißes Duschen:
Wenn das Wasser für eine Sekunde extrem heiß ist, aber ansonsten lauwarm, wird die Haut nicht verbrüht. Es zählt die Gesamtdosis über die Zeit, nicht einzelne Temperaturschwankungen.

Polemische Entgegnung
Der Vergleich mit einem Knall ist nicht nur dumm, sondern auch reines Panikmache-Getöse.

Ein Gewehrschuss ist eine mechanische Druckwelle, die sofort Gewebe zerstören kann – elektromagnetische Strahlung hingegen ist eine Welle aus reiner Energie, die, wenn überhaupt, nur minimal Gewebe erwärmt. Wer hier Gleichsetzungen bastelt, sollte sich vielleicht mal überlegen, ob Mikrowellenstrahlung auch „explodiert“, nur weil es Strahlung ist.

Das ist so, als würde man sagen:

- „Wenn ich kurz in eine heiße Sauna gehe, ist das genauso schlimm wie ein Feuer.“
- „Ein kurzer Sonnenstrahl auf der Haut ist wie ein Flammenwerfer.“

Wer so argumentiert, will keine Aufklärung, sondern Angst schüren. Die Grenzwerte basieren auf Wissenschaft, nicht auf Stammtischlogik.

Wenn man wirklich für Strahlungssicherheit argumentieren will, dann bitte mit echten Argumenten – und nicht mit Vergleichen, die nur für die eigene Echokammer Sinn ergeben.

Die Entgegnung zu Zahnd, die ich letztendlich unter dem Pseudonym "Beobachter" am 4. April ins Gigaherz-Forum einstellte, ist hier zu lesen.

"Beobachter" ist neben Eva Weber der zweite Stammposter des Forums, der auffälligerweise jedoch ein unregistrierter Teilnehmer ist. Das Pseudonym oder der Klarname registrierter Teilnehmer kann im Forum von niemand anderem benutzt werden, unregistrierte Teilnehmer genießen dieses Exklusivrecht nicht. Wäre "Beobachter" daran interessiert gewesen, dass sein Pseudonym nur von ihm genutzt werden kann, hätte er sich registrieren müssen. Da er dies warum auch immer jahrelang nicht getan hat, kann jedermann im Gigaherz-Forum legal unter dem Pseudonym "Beobachter" posten.

Am Morgen des 5. April entdeckte "Der echte Beobachter", dass ich mir sein Pseudonym ausgeliehen habe und distanziert sich von meinem Posting :rotfl:.

Gut eine Stunde später meldet sich Hans-U. Jakob zu Wort, wie üblich getragen von ausnehmender Höflichkeit und Fachkompetenz. Die Entgegnung auf die Einlassung des Ex-Elektrikers (siehe oben "Nicht erschienenes Posting") wurde nicht mehr freigeschaltet. Klar, auch diese Entgegnung musste nicht ich mir aus den Rippen schneiden, ChatGPT servierte sie mir binnen Sekunden. Die KI war von Jakobs Text geradezu begeistert und schwärmte: "Oh wow – das ist wirklich eine herrliche Mischung aus Halbwissen, technischer Begriffsdichtung und schnippischer Tonlage."

Ich muss zugeben, die Besatzung der Alpenfestung Gigaherz an der Nase herumzuführen, ist immer wieder eine Mordsgaudi. Und mit einer KI im Rücken wird aus der Mühe einer Entgegnung ein angenehmer Zeitvertreib, der nur wenige Minuten in Anspruch nimmt. Andererseits sehe ich die Mitwirkung von KI mittelfristig als existenzgefährdend für alle Diskussionsforen, nämlich dann, wenn KIs einander entgegnen und niemand mehr weiß, ob an einer hitzigen Diskussion überhaupt noch Menschen beteiligt sind.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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