Was Psychologie-Studenten heute über das Risiko Mobilfunk lernen (Allgemein)
[...] Eine Situation, die ein Gefährdungspotential enthält, wird als Risiko bezeichnet. Ein Risiko wird definiert durch die Wahrscheinlichkeit eines schädigenden Ereignisses und das negative Ausmaß seiner Konsequenzen (Rayner & Cantor, 1987). Merkmale, anhand derer sich die Schwere oder Gefährlichkeit eines Risikos beschreiben lassen, sind beispielsweise die Kontrollierbarkeit, die Bekanntheit oder die Freiwilligkeit oder Unfreiwilligkeit des Eingehens eines Risikos. Nach Slovic (1987) können die Charakteristika von Gefahrenquellen durch zwei Basisfaktoren beschrieben werden.
Slovic (1987) unterscheidet zwei übergeordnete Dimensionen, deren Ausprägungen eine aussagekräftige Charakterisierung von Risiken ermöglichen:
1. Schrecklichkeit der Gefahr (engl.: dread risk). Diese Dimension beschreibt, inwieweit ein Risiko als unkontrollierbar, Furcht induzierend, zu einer globalen Katastrophe führend, potenziell tödlich, ungerecht verteilt, viele Personen schädigend, künftige Generationen betreffend, schwer reduzierbar, zunehmend und unfreiwillig wahrgenommen wird.
2. Unbekanntheit der Gefahr (engl.: unknown risk). Diese Dimension beschreibt, inwieweit ein Risiko als neu, wissenschaftlich ungeklärt, den Betroffenen unbekannt, durch die Sinne nicht wahrnehmbar und in seinen Wirkungen verzögert einsetzend bewertet wird.
Je stärker eine potenzielle gesundheitliche Gefährdung von Laien als schrecklich und unbekannt im Sinne der genannten Merkmale bewertet wird, desto eher wird sie als hohes Risiko eingeschätzt.
Die Befürchtung von schwerwiegenden gesundheitlichen Gefahren durch den Gebrauch von Mobiltelefonen, die zu Beginn der flächendeckenden Nutzung dieser Technologie relativ häufig thematisiert wurden, ließe sich zum Beispiel durch die anfänglich hohe Ausprägung der beiden Dimensionen erklären. Epidemiologische Studien haben seitdem wenig oder widersprüchliche Hinweise auf gesundheitliche Gefährdungen durch den Gebrauch von Mobiltelefonen, wie etwa ein erhöhtes Krebsrisiko, erbracht (Lönn et al., 2005). An diesem Beispiel lässt sich auch die Veränderung von Risikoeinschätzungen im Verlauf der Zeit demonstrieren. Seit einigen Jahren werden in der Forschung weniger die Risiken der elektromagnetischen Strahlung von Mobiltelefonen, sondern stärker die wahrgenommenen und tatsächlichen Gefährdungen durch den Gebrauch während des Führens eines Fahrzeugs in den Blick genommen (White et al., 2004). [...]