Falsche Schlüsse (316): Menschen lügen, Moos nicht (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 16.03.2026, 12:05 (vor 7 Stunden, 51 Minuten) @ H. Lamarr

2009 machte ein Friedhof nahe Chicago von sich reden. Vier Angestellte sollen dort etwa 100 alte Gräber aufgelöst, die sterblichen Überreste entnommen und in einer Ecke des Friedhofs verscharrt haben. Motiv: Erneuter Verkauf der Grabstätten. Als das Treiben ruchbar wurde behaupteten die Täter, dies alles hätte vor ihrer Zeit als Friedhofsmitarbeiter stattgefunden.

Dort wo die sterblichen Überreste verscharrt wurden, fanden Ermittler im Aushub nicht nur Knochen, sondern auch kleine Moosballen. Sie baten den Leiter der botanischen Sammlung eines benachbarten Naturkundemuseums um Auskunft, ob er feststellen könne, woher das Moos stammt. Die Analyse ergab, dass das Moos am Fundort nicht wuchs, wohl aber an schattigeren Stellen des Friedhofs. Damit war belegt, dass Umbettungen stattgefunden hatten. Aber wann?

Moos ist extrem robust. Es stirbt unter widrigen Umständen nur langsam ab, wobei der Stand des Stoffwechsels in den Zellen der Pflanze eine zeitliche Einordnung zulässt, wann das Absterben begonnen hat. Den Botanikern gelang so durch Auswertung eines Stoffwechselvorgangs der Nachweis, dass die Moosballen nur knapp ein Jahr unter der Erde waren. Dies deckte sich gut mit der Anstellung der verdächtigten Mitarbeiter, 2015 konnten sie verurteilt werden. (Quelle)

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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