NTP-Replikation in Japan: Endstand (Forschung)

KI, Samstag, 17.01.2026, 18:51 (vor 12 Tagen) @ H. Lamarr

Japanische NTP-Validierungsstudie findet keine Hinweise auf Krebs- oder Erbgutschäden durch Mobilfunkstrahlung

Unter dem Titel "The International Collaborative Animal Study of Mobile Phone Radiofrequency Radiation Carcinogenicity and Genotoxicity: The Japanese Study" wurde am 12. Januar 2026 der Abschlussbericht der japanischen NTP-Replikation veröffentlicht (Volltext). Zuerst hatte Microwave News darüber berichtet.

Hintergrund und Zielsetzung

Die japanisch-koreanische Langzeitstudie untersuchte, ob eine chronische Exposition gegenüber 900-MHz-CDMA-Mobilfunkstrahlung gesundheitlich relevante Effekte hervorruft. Anlass waren die Ergebnisse des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP, 2018), das bei sehr hohen Expositionen marginal erhöhte Raten seltener Tumoren (Herz-Schwannome, Gehirngliome) bei männlichen Ratten berichtet hatte. Ziel der vorliegenden Studie war es, diese Befunde unter streng kontrollierten, GLP-nahen (gute Laborpraxis) Versuchsbedingungen mit international harmonisierter Pathologiebewertung zu prüfen.

Zentrale Ergebnisse zur gesundheitlichen Relevanz

Keine Hinweise auf Kanzerogenität: Über die zweijährige Expositionsdauer zeigten sich keine statistisch signifikanten Zunahmen von gutartigen oder bösartigen Tumoren in irgendeinem untersuchten Organ. Dies gilt ausdrücklich auch für jene Zielorgane, die im NTP-Versuch im Fokus standen, insbesondere Gehirn, Herz und Nebennieren. Die beobachteten Tumorinzidenzen lagen innerhalb der bekannten Spontanraten dieser Rattenlinie.

Keine Hinweise auf Genotoxizität: Begleitende Gentoxizitätsprüfungen nach OECD-Standard (alkalischer Komet-Assay, Mikronukleus-Test) ergaben keine Anzeichen für DNA-Schäden oder chromosomale Aberrationen infolge der HF-Exposition. Die Positivkontrollen reagierten erwartungsgemäß, sodass die Aussagekraft der Tests belegt ist.

Einzelfunde ohne Expositionsbezug: Vereinzelt traten seltene Tumoren wie Gliome (NOS) im Gehirn oder Schwannome im Herzbereich auf. Diese Fälle verteilten sich jedoch nicht exponierungsabhängig über die Gruppen und erreichten keine statistische Signifikanz. Die neuropathologischen Befunde wurden zusätzlich immunhistochemisch abgesichert und als spontane Hintergrundläsionen eingeordnet, wie sie bei alten Ratten gelegentlich auftreten.

Deutlich erhöhte Überlebensrate der HF-Gruppe: Die Überlebensrate der HF-exponierten Tiere lag mit 64,7 % am Studienende deutlich über derjenigen der Sham-Gruppe (42,9 %) und der Käfigkontrolle (34,3 %). Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Die Autoren interpretieren diesen Befund jedoch nicht als schützenden Effekt der Mobilfunkstrahlung, sondern plausibel als indirekte Folge der während der gesamten Studiendauer geringeren Futteraufnahme und des niedrigeren Körpergewichts der HF-Gruppe. Diese Konstellation entspricht einer milden Kalorienrestriktion, die in Langzeitstudien an Ratten seit Langem mit erhöhter Lebenserwartung und reduzierter altersbedingter Morbidität assoziiert ist.

Einordnung im Kontext der NTP-Studie

Die in der NTP-Studie beobachteten Auffälligkeiten bei sehr hohen Expositionen konnten nicht reproduziert werden. Insbesondere fanden sich weder erhöhte Raten von Herz-Schwannomen noch von Gehirntumoren in der HF-Gruppe. Die Autoren weisen darauf hin, dass seltene, spät auftretende Tumoren stark von der Überlebensdauer abhängen und daher survival-adjustierte Verfahren (Peto-Test) entscheidend sind. Unter Anwendung dieser Methoden ergeben sich keine belastbaren Hinweise auf eine kanzerogene Wirkung der untersuchten Mobilfunkexposition.

Schlussfolgerung

Die Studie liefert unter streng kontrollierten Bedingungen keinen Hinweis auf eine krebserzeugende oder genotoxische Wirkung von 900-MHz-Mobilfunkstrahlung bei chronischer Exposition. Die Ergebnisse sprechen gegen eine Reproduzierbarkeit der NTP-Befunde und stützen die bisherige Risikobewertung internationaler Fachgremien. Einzelne Befunde lassen sich konsistent als zufällige Hintergrundereignisse erklären und rechtfertigen keine Neubewertung des gesundheitlichen Risikos.

Kurze Schwachstellenprüfung

Nur ein SAR-Level (4 W/kg): korrekt, aber ausreichend für eine Kanzerogenitätsbewertung nach OECD TG 451; kein Explorationsdesign.

Nur männliche Ratten: ebenfalls korrekt, entspricht aber auch der NTP-Logik (Effekte traten dort primär bei Männchen auf).

Überlebensvorteil der HF-Gruppe: kritisch adressiert und toxikologisch plausibel erklärt (Kalorienrestriktion), kein "Benefit-Narrativ".

Seltene Einzeltumoren: durch internationale Pathologie-Reviews und survival-adjustierte Statistik gut abgesichert.

Hintergrund
Fachliche Stellungnahme des BfS zu den Ergebnissen der NTP-Studie


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