Havanna-Syndrom: Ist Mikrowellenhören eine Erklärung? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 13.01.2026, 19:54 (vor 1 Tag, 7 Stunden, 46 Min.) @ H. Lamarr

Das Mikrowellenhören in Form von "Klickgeräuschen" oder einem "Summen" ist seit den 1960er Jahren von Personen bekannt, deren Kopf starker gepulster Mikrowellenenergie ausgesetzt ist, wie sie beispielsweise von Radarsendern ausgestrahlt wird. Früher ein Phänomen der Hörschwelle, hat dieser Effekt aufgrund des Aufkommens leistungsstarker Mikrowellenquellen in den letzten Jahrzehnten neues Interesse geweckt. In den vergangenen zehn Jahren haben einige Experten und Expertengremien diesen Effekt als mögliche Ursache für "anormale Gesundheitsvorfälle" genannt, die als "Havanna-Syndrom" bekannt wurden und häufig, aber nicht ausschließlich bei Mitarbeitern der US-Regierung auftreten, die in fremden Ländern stationiert sind.

Ist Mikrowellenhören eine schlüssige Erklärung für die Vorkommnisse? Dieser Frage gingen im November 2025 die Autoren Kenneth R. Foster, Yinliang Diao und C-K. Chou mit ihrem Beitrag "Acoustic Pressures in the Head From Pulsed Microwaves: Can They Explain “Anomalous” Health Incidents?" im IEEE Microwave Magazine nach (Volltext). Eine einfach Ja- oder Nein-Antwort geben die Autoren auf den zwölf Seiten ihrer anspruchsvollen Abhandlung zwar nicht, in ihrer Zusammenfassung machen sie jedoch deutlich, dass mit starken Mikrowellensignalen (z.B. im industriellen oder militärischen Umfeld) nicht zu spaßen ist:

Die Technologie zur Erzeugung hochleistungsfähiger Mikrowellenimpulse schreitet rasch voran, und es scheint unvermeidlich, dass manche Menschen sehr intensiven Mikrowellenimpulsen ausgesetzt sein werden, sei es auch nur unbeabsichtigt bei Arbeitsunfällen, weshalb die Sicherheit solcher Expositionen untersucht werden muss. Es kommt nicht infrage, Menschen absichtlich solchen Impulsen auszusetzen. Geeignete Tierversuche könnten die Mechanismen für Hirn-/Gewebeschäden durch hochenergetische Mikrowellenimpulse identifizieren und klären. Computergestützte Studien, wie die von Dagro et al., könnten den Schalldruck bewerten, der durch Mikrowellenexposition in einem bestimmten Frequenzbereich und in einer bestimmten Richtung gegenüber dem Kopf entsteht. Mikrowellenhörstudien mit wesentlich schwächeren Impulsen, wie beispielsweise die von Guy et al. in den 1970er Jahren, könnten derzeit fehlende Details über die Auswirkungen auf das Gehör ergänzen und mehr Probanden einbeziehen als die kleinen Studien aus den 1970er Jahren. Und nicht zuletzt muss die US-Regierung die Ergebnisse ihrer Sicherheitsuntersuchungen [zum Havanna-Syndrom; Anm. Postingautor] mit Experten außerhalb der Regierung teilen, um eine unabhängige Bewertung zu ermöglichen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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