Falsche Schlüsse (334): Marschkolonne (Allgemein)
Das Leben in Zelten und Kübelwagen war anstrengend, und oft waren wir hundemüde. Dann wirkten heitere Episoden, die wir erlebten, so winzig sie auch waren, aufmunternd.
So murksten wir uns einmal quälend langsam inmitten der Marschkolonne der 3. mot. Division auf einem schmalen Weg, der kein Überholen gestattete, vorwärts. Wir fuhren in einer undurchdringlichen Staubwolke. Über den Kühler konnten wir höchstens den Schatten des vor uns fahrenden Fahrzeugs oder das Schlusslicht, das es vorsorglich leuchten ließ, ausmachen.
An einer Wegekreuzung in einem Dorfe gab es einen Stopp. Die Staubwolke lichtete sich etwas und verwehte langsam. Wir sahen nach vorn, und unsere Gesichter wurden ziemlich lang. Für einige Sekunden saßen wir regungslos.
Vor uns erkannten wir zwei sowjetische Panzer-Spähwagen. Sie waren ahnungslos schon längere Zeit in unserer Kolonne mitgefahren. Jedoch schienen zu unserem Glück ihre Insassen nicht weniger verdattert als wir zu sein, als sie merkten, wo sie sich befanden. Bei einiger Geistesgegenwart hätten sie aus allen Rohren feuern müssen. So aber sahen wir sie mit aufheulenden Motoren nach links auf den die Straße kreuzenden Nebenweg entwetzen.
Erich von Manstein
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –