Power Reduction Factor: Wen hat die Fondazione im Sinn? (Forschung)
Nach Auffassung der italienischen Fondazione Ugo Bordoni bildet ein solcher sektorweiter Faktor die tatsächliche Leistungsabgabe jedoch nur unzureichend ab. Die Forscher schlagen deshalb zwei neue Verfahren vor, die wesentlich stärker auf den realen Betriebsdaten einer Basisstation beruhen.
Beim "semi-vectorial Power Reduction Factor" wird der Antennensektor in einzelne Winkelbereiche unterteilt. Für jede dieser Richtungen wird aus den tatsächlich beobachteten Leistungswerten ein eigener statistischer Reduktionsfaktor bestimmt. Dadurch hängt der anzusetzende Faktor nicht mehr nur vom Antennensektor insgesamt, sondern auch von der räumlichen Richtung ab.
Das "vectorial"-Verfahren geht noch einen Schritt weiter. Hier werden dreidimensionale Leistungsdaten der Basisstation ausgewertet, aus denen hervorgeht, wann, wohin und mit welcher Leistung tatsächlich gesendet wurde. Anstelle eines einzigen Reduktionsfaktors entsteht damit eine räumlich-zeitliche Beschreibung der Leistungsabgabe. Nach Auffassung der Autoren lässt sich die Exposition auf diese Weise realistischer bewerten als mit einem pauschalen sektorweiten Faktor.
Was genau ist denn mit "realistischer bewerten" gemeint, schließlich gibt es da zwei Betrachtungsweisen.
Aus Sicht der Mobilfunknetzbetreiber: Der grobe Korrekturfaktor über einen kompletten Sektor hinweg kann die Möglichkeiten einer Erhöhung der Sendeleistung nicht voll ausreizen und verschenkt so Reichweite oder Übertragungskapazität. Die realistischere Bewertung über kleine Winkelbereiche verschenkt nichts mehr, sie reizt hingegen die zulässigen Emissionswerte voll aus.
Aus Sicht der Mobilfunkgegner: Mobilfunkgegner trauen der groben sektorweiten Sendeleistungsbegrenzung nicht über den Weg, sie fürchten beim Beamforming unerkannte oder heimliche Überschreitungen der zulässigen Emissionswerte. Von der realistischeren Bewertung über kleine Winkelbereiche erhoffen sie sich die strikte Einhaltung der zulässigen Emissionswerte.
Aus meiner Sicht bedient die FUB eher die Sicht der Mobilfunknetzbetreiber. Deren Interessenlage ist rational nachvollziehbar (wenn schon Vorsorgewerte, dann diese voll ausschöpfen), die der Mobilfunkgegner hingegen nicht (Vorsorgewerte sind keine Gefährdungswerte).
Wie siehst du das?
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –