Anses fördert Biomarker-Forschung zu "Elektrosensibilität" (Elektrosensibilität)

H. Lamarr, München, (vor 1 Tag, 20 Stunden, 0 Min.)

Die französische Gesundheitsbehörde Anses hat einen Forschungsschwerpunkt ausgeschrieben, der die objektive Charakterisierung von Menschen mit selbstberichteter Elektrohypersensibilität (EHS) zum Ziel hat. Genannt werden dabei ausdrücklich physiologische, biologische und genetische Marker – was dabei herauskommen wird, ist offen.

Dariusz Leszczynski weist in seinem Blog auf einen aus seiner Sicht bemerkenswerten Schritt der französischen Gesundheitsbehörde Anses hin. Im Forschungsförderprogramm 2026 findet sich unter dem Schwerpunkt "RFES 3.1" ein Themenfeld, das die Entwicklung von Instrumenten zur systematischen Erfassung von Personen vorsieht, die sich selbst als elektrohypersensibel einstufen. Als mögliche Forschungsansätze nennt die Ausschreibung ausdrücklich physiologische Marker, biologische Marker und spezifische genetische Marker.

Neben RFES 3.1 umfasst das Programm zum Schwerpunkt "Elektrosensibilität" fünf weitere Forschungsthemen. RFES 3.2 soll mögliche Mechanismen untersuchen, die Elektrohypersensibilität erklären könnten, etwa die Produktion von Neurotransmittern oder die Rolle von Cryptochromen. RFES 3.3 befasst sich mit Auswirkungen von Hochfrequenzfeldern auf das Gehirn und die Kognition, RFES 3.4 mit möglichen Wechselwirkungen zwischen Funkfeldern und anderen Umweltfaktoren. RFES 3.5 behandelt Fragen der Expositionsbewertung und -modellierung, während RFES 3.6 die Risikowahrnehmung und Risikokommunikation im Zusammenhang mit Hochfrequenzfeldern zum Gegenstand hat.

Objektive Charakterisierung

Leszczynski sieht darin eine Entwicklung, für die er sich seit vielen Jahren eingesetzt hat. Er berichtet, bereits 2005 entsprechende Untersuchungen mit EHS-Probanden geplant und später wiederholt vorgeschlagen zu haben, moderne Methoden wie Proteomik oder Transkriptomik zur Suche nach objektiven Biomarkern einzusetzen.

Die Anses-Ausschreibung bedeutet allerdings nicht, dass damit die Ursache der Beschwerden geklärt oder EHS als durch Funkexposition verursachte Erkrankung bestätigt wäre. Vielmehr sollen Werkzeuge untersucht werden, mit denen sich Personen mit selbstberichteter Elektrohypersensibilität wissenschaftlich objektiv untersuchen lassen. Ob dabei belastbare Marker gefunden werden und welche Bedeutung sie gegebenenfalls haben, ist Gegenstand der ausgeschriebenen Forschung.

Neuer Akzent in der Forschung

Ganz neu ist das Thema für Anses nicht. Bereits 2018 veröffentlichte die Behörde eine umfassende Bewertung zur Elektrohypersensibilität und empfahl, die Forschung auf diesem Gebiet fortzuführen und auszubauen. Die aktuelle Ausschreibung setzt jedoch einen konkreten Akzent, indem sie die Untersuchung möglicher physiologischer, biologischer und genetischer Marker ausdrücklich als förderwürdigen Forschungsansatz benennt. Unabhängig von Leszczynskis persönlicher Einordnung dürfte dieser Passus besondere Aufmerksamkeit finden, weil eine große nationale Gesundheitsbehörde diesen Forschungsweg nun ausdrücklich in ihrem Förderprogramm dokumentiert hat.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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