Auch das noch: fliegende Mobilfunkantennen (Technik)

H. Lamarr, München, (vor 4 Stunden, 47 Minuten)

Überzeugte "Elektrosensible" sind möglicherweise schon bald nirgendwo mehr sicher vor Mobilfunk-Exposition. Mussten empfindliche Personen bislang nur den Horizont mit Scannerblick nach Antennen absuchen, müssen sie künftig möglicherweise auch nach oben schauen. Denn die Deutsche Telekom testet derzeit unbemannte Kleinstflugzeuge mit eingebauten Mobilfunkantennen.

Die Deutsche Telekom hat kürzlich demonstriert, wie sich Mobilfunk aus der Luft unterbrechungsfrei bereitstellen lässt. Nach dem ersten Einsatz einer fliegenden Mobilfunkantenne im kommerziellen Live-Netz im vergangenen Jahr folgte nun der nächste Entwicklungsschritt: Gemeinsam mit T-Mobile Tschechien und Primoco UAV testete die Telekom den nahtlosen Wechselbetrieb zweier fliegender Antennen bei einer Großveranstaltung. Der erfolgreiche Feldversuch bringt die Mobilfunkversorgung aus der Luft der praktischen Anwendung einen Schritt näher.

Fliegender Wechsel sichert die Mobilfunkversorgung

[image]◄ Dieses Kleinstflugzeug spannt mit eingebauten Antennen bis zu 20 km² große Mobilfunkzellen am Boden auf
Bild: Deutsche Telekom


Während des Feldversuchs in Tschechien verbanden sich Smartphones automatisch mit der jeweils aktiven Mobilfunkzelle. Telefonate und Datenverbindungen liefen unterbrechungsfrei weiter. Der entscheidende Vorteil beim Einsatz von zwei Fluggeräten des Typs Primoco One 150 liegt in der durchgehenden Versorgung rund um die Uhr. Während ein Flugzeug am Boden betankt wird, bleibt das zweite in der Luft und gewährleistet die Verbindung. Das macht die Lösung besonders wertvoll in Krisensituationen, in denen zuverlässige Kommunikation jederzeit verfügbar sein muss. Zum Test gehörte außerdem eine Satellitenanbindung an Bord der Flugzeuge. Sie ermöglichte die direkte Anbindung der fliegenden Mobilfunkantenne an das Mobilfunkkernnetz, ohne dass dafür eine zusätzliche Bodenstation erforderlich war.

Wechselbetrieb und Satellitenanbindung versprechen neue Einsatzszenarien für Mobilfunk aus der Luft. So könnte die Technologie stationäre Netze künftig dort ergänzen, wo Infrastruktur fehlt, ausfällt oder kurzfristig zusätzliche Kapazität benötigt wird. Mögliche Szenarien sind Waldbrände, Überschwemmungen oder große Veranstaltungen in abgelegenen Regionen.

Feldversuch bei Geländelauf

Beim Geländelauf Běhej lesy in Tschechien musste sich das System unter realen Bedingungen bewähren. Die abgelegene Laufstrecke im Landschaftsschutzgebiet der Brdy-Berge eignete sich mit ihrer begrenzten Mobilfunkversorgung ideal für den Praxistest. Ein "Mobilfunkmast to go" versorgte den Start- und Zielbereich. Entlang der Laufstrecke stellten die fliegende Antennen im nahtlosen Wechselbetrieb die Netzversorgung sicher. Rund 1900 Läuferinnen und Läufer waren so während der gesamten Veranstaltung zuverlässig mit Mobilfunk versorgt.

Aus einer Flughöhe von zwei bis drei Kilometern versorgten die beiden Flugzeuge im Praxistest ein Gebiet von bis zu 20 Quadratkilometern mit LTE- und 5G-Mobilfunk. Sie nutzten dieselben Standardfrequenzen wie terrestrische Netze und erreichten über einen 10-MHz-Kanal Datenraten von bis zu 100 Mbit/s. Bei Bedarf lassen sich Netzkapazitäten gezielt priorisieren, etwa für Einsatzkräfte. Die verwendeten Flugsysteme von Primoco verfügen zudem bereits über umfangreiche europäische Zulassungen. (Quelle)

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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