Seifenblase "Immer mehr Elektrosensible": zerplatzte Illusion (Elektrosensibilität)
Wer nichts weiß, muss alles glauben. Als der Berufstrompeter Markus Stockhausen noch ein Wutbürger war, dessen Wut sich gegen das vermeintliche Risiko Mobilfunk wendete, sammelte der gebürtige Kölner fleißig Fallgeschichten von "Elektrosensiblen". Dann zerplatze die Illusion und Stockhausen landete auf dem harten Boden der Tatsachen.
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Überzeugte Elektrosensible und Leute, deren Geschäftsmodell auf irrationaler Furcht vor elektromagnetischen Feldern beruht, verbreiten unablässig das Gerücht, es gäbe immer mehr "Elektrosensible". Dabei deutet für erfahrene Beobachter seit Jahrzehnten nichts darauf hin, dass in der Behauptung ein Körnchen Wahrheit stecken könnte. Unerfahrenen Neuzugängen der Elektrosmog-Szene erscheint das haltlose Gerücht hingegen als durchaus glaubwürdige Tatsache. So auch mir. Als mich 2002 ein nagelneuer Mobilfunkmast auf dem Nachbardach unsanft in die Szene schubste, hatte ich eine Zeit lang die dystopische Vision von massenhaft wie Zombies umherwankenden Elektrosensiblen, die elend zugrunde gingen und wegen der großen Anzahl nicht mehr alle abtransportiert werden konnten. Mit zunehmender Erfahrung und der Bekanntschaft mit überzeugten Elektrosensiblen verflog bald die Vision und machte einer realistischeren Beurteilung Platz.
Markus Stockhausen erwischte es Mitte 2019. Sein Erweckungserlebnis war der beginnende Aufbau der 5G-Netze in Deutschland, den er für gefahrbringend hielt. Im März 2020 startete er seine Petition Stoppen Sie 5G JETZT aus Gesundheitsgründen. Noch voller Tatendrang stellte er in der Rubrik Neuigkeiten seiner Petition am 16. September 2020 einen Aufruf an alle von Funkstrahlung Betroffenen zur Mitwirkung bei einer Dokumentation ein:
Einen guten Tag Ihnen allen,
wir werden auf der Webseite unserer Kölner Bürgerinitiative 5G-freies Köln ( www.köln-5g.de ) ein Portal einrichten, also eine Webseite, auf der wir Erfahrungsberichte von durch Funkstrahlung Betroffene dokumentieren. Das kann sich auf Mobilfunketze beziehen (3G, 4G, 5G), auf Tetra Funk, WLAN der Nachbarn, wasimmer … mit der Zeit werden es hunderte oder sogar tausende Fallbeispiele sein.
Es geht uns darum, gegenüber den verantwortlichen Politikern und Mobilfunkfirmen zeigen zu können, was einzelne Menschen konkret erleben, welchen Belastungen sie physisch oder auch psychisch ausgesetzt sind. [...]
Doch so wie meine dystopische Vision zerplatzte, zerplatzte auch die Illusion von Stockhausen, er könnte hunderte oder sogar tausende Fallbeispiele von "Elektrosensiblen" in Deutschland dokumentieren. Dabei war der Start seiner Dokumentation durchaus vielversprechend. Schon am 24. Oktober 2020 hatte er 48 Fallgeschichten gesammelt, rund einen Monat später waren es am 26. November bereits 86. Doch dann schlug der Sättigungseffekt erbarmungslos zu, Stockhausen hatte das vorhandene Potenzial an Fallgeschichten aller Couleur ausgeschöpft. Bis 20. April 2021 wuchs seine Dokumentation nur noch um drei auf 90 Stories an und am 7. April 2024 erreichte die Dokumentation mit 93 Fallgeschichten ihren vorläufigen Endstand, der auch noch heute am 1. Januar 2026 gilt.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –