Kinderleukämie und Hochspannungsleitungen (Forschung)
Der Zusammenhang zwischen Demenzsterblichkeit und Hochspannungsleitungen ist, aufs Alter der Betroffenen bezogen, der obere Eckpunkt der Forschung. Der untere Eckpunkt ist der Zusammenhang zwischen Kinderleukämie und niederfrequenter Magnetfeldexposition. Um auch auf diesem Gebiet den Kenntnisstand voran zu bringen, plant das Bundesamt für Strahlenschutz eine "Internationale Machbarkeitsstudie für eine interdisziplinäre Studie zur Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen Umwelt-, genetischen Faktoren und Leukämie in B-Zell ALL Patienten". Das Amt hat das Projekt im Januar 2026 öffentlich ausgeschrieben und nimmt noch bis 17. März 2026 Angebote entgegen. Der Ausschreibungstext macht deutlich, worum es geht:
Die Entstehung von Leukämien im Kindesalter ist komplex und multifaktoriell. Es spielen genetische Veranlagungen, endogene Faktoren sowie äußere Umwelteinflüsse eine Rolle. Trotz umfangreicher wissenschaftlicher Untersuchungen sind die genauen Ursachen und das Zusammenspiel dieser Faktoren bislang nicht vollständig geklärt. Epidemiologische Studien, Beobachtungsstudien am Menschen, zeigten in der Vergangenheit jedoch einen statistischen Zusammenhang zwischen Leukämien im Kindesalter und der Exposition gegenüber extrem niederfrequenten Magnetfeldern (ELF-MF). Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat basierend auf diesen Ergebnissen Magnetfelder als „möglicherweise krebserregend“ (IARC-Klassifikation 2B) eingestuft. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber ELF-MF und dem Risiko von Leukämien bei Kindern kann jedoch nach aktuellem Stand der Forschung nicht eindeutig bestätigt werden. Es ist außerdem unklar, inwieweit genetische Faktoren, wie die spezifische Translokation ETV6-RUNX1 oder bestimmte vererbbare Mutationen in bekannten Suszeptibilitätsgenen, die Sensitivität gegenüber Umweltfaktoren wie ELF-MF beeinflussen. Aus Sicht des Strahlenschutzes besteht hier Forschungsbedarf.
Der Zusammenhang zwischen Expositionen gegenüber ELF-MF, anderen Umweltrisikofaktoren, genetischen Faktoren und Leukämie im Kindesalter soll in einer Studie mit Patienten untersucht werden, die an akuter lymphatischer Leukämie (ALL) erkrankt sind. Im Rahmen des abgeschlossenen Forschungsvorhabens 3620S92412 des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wurde für Deutschland untersucht, ob es möglich ist, Daten von Kindern mit ALL aus verschiedenen Kliniken zusammenzuführen und ihre Magnetfeld-Exposition mithilfe von Geodaten und Messungen zu bestimmen. Aufgrund der niedrigen Fallzahlen von Kindern mit B-Zell-ALL und einer spezifischen genetischen Subgruppe sowie der geringen Prävalenz an Haushalten mit erhöhter Magnetfeld-Exposition ist eine solche Studie jedoch auf nationaler Ebene in Deutschland kaum realisierbar.
Als Alternative soll im Rahmen dieses Forschungsvorhabens eine internationale Machbarkeitsstudie durchgeführt werden. Hierbei sollen auch Daten aus anderen europäischen Ländern einbezogen werden, um zu prüfen, ob eine internationale interdisziplinäre Studie (mit Expertise in pädiatrischer Onkologie, Molekularbiologie, Epidemiologie und Expositionserfassung) realisierbar ist und ob aussagekräftige Ergebnisse zu erwarten sind. Zu untersuchen ist die Möglichkeit, diese Studie in laufende europäische klinische ALL-Studien zu integrieren. Hierzu sind Kontakte zu Studienzentren sowie die Klärung datenschutzrechtlicher und ethischer Fragen erforderlich. In der Machbarkeitsstudie wird außerdem eine Planung für eine internationale Pilotstudie erstellt, die unter anderem eine Fallzahlschätzung und eine Methodik zur Erfassung bzw. Schätzung der ELF-MF-Exposition umfasst. Zusätzlich soll geprüft werden wie weitere mögliche Umweltrisikofaktoren wie eine Exposition gegenüber Radon und ionisierender Strahlung von Kernkraftwerken berücksichtigt werden können. Abschließend sollen Empfehlungen für die Durchführung der Pilotstudie sowie einer möglichen Hauptstudie erarbeitet werden.
Ziel ist es, mittels der gewonnenen Daten verschiedene Risikofaktoren, wie ELF-MF, mit genetischen Faktoren, wie dem molekulargenetischen Subtyp der ALL, zu korrelieren. Bei dem vorliegenden Vorhaben handelt es sich um eine Machbarkeitsstudie. Sie dient zur Überprüfung, ob eine interdisziplinäre Hauptstudie durchgeführt werden kann und ob aussagekräftige bzw. statistisch belastbare Ergebnisse zu erwarten sind.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –
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- Demenzsterblichkeit und Hochspannungsleitungen -
KI,
14.02.2026, 18:20
- Kinderleukämie und Hochspannungsleitungen - H. Lamarr, 14.02.2026, 19:11