Elektrosmog stört Orientierung von Mückenfledermäusen (Forschung)
Welche Effekte die vom Menschen verursachte elektromagnetische Strahlung auf wildlebende Tiere hat, ist kaum bekannt. In einer in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie (Volltext) berichtet ein internationales Team um den Biologen Dr. Oliver Lindecke von der Universität Oldenburg, dass schwache Breitbandstrahlung im Bereich von Langwellen bis Ultrakurzwellen die Orientierung der wenige Gramm schweren Mückenfledermäuse durcheinanderbringt. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass elektromagnetisches Rauschen möglicherweise größere Auswirkungen auf das Verhalten von Tieren hat als bislang angenommen“, erklärt Lindecke.
Dass schwacher Elektrosmog, wie er von Haushaltsgeräten oder Radioantennen verursacht wird, den Magnetkompass von Zugvögeln stören kann, ist seit 2014 bekannt. Wie elektromagnetisches Rauschen das Navigationsverhalten anderer Tiere, insbesondere von Säugetieren, beeinflusst, war bislang jedoch wenig erforscht.
Zu den Tieren, die das Erdmagnetfeld auf ihren Wanderungen nutzen, zählen auch Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus). Das hatte Lindecke 2023 zusammen mit Kollegen von der Bangor University (Großbritannien) und der Universität Lettlands herausgefunden. Nun untersuchte ein Team aus Deutschland, Großbritannien und Lettland, wie die Tiere auf schwache, breitbandige elektromagnetische Störfelder im Frequenzbereich von 10 Kilohertz bis etwa 250 Megahertz reagieren. weiter ...
Kommentar: Kein Grund zur Aufregung für Mobilfunkgegner. Die Mückenfledermäuse wurden nicht mit Mobilfunk befeldet, sondern mit einem für Städte typischen künstlich erzeugten breitbandigen elektromagnetischen Rauschen, dessen Magnetfeldkomponente mit einer Schleifenantenne abgestrahlt wurde. Dieses Breitbandrauschen war schwach, die Studie nennt mMn mit Fig. 1 (A und B) aber keine eindeutig interpretierbaren Pegelwerte, denen die Tiere in 70 cm bis 100 cm Abstand vor der Antenne ausgesetzt waren. Ein Gesundheitsrisiko für Menschen lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Da aber schon eine kurzzeitige Befeldung von zwei bis fünf Minuten Dauer zu einer länger anhaltenden Desorientierung der Mückenfledermäuse führte, schließen die Studienautoren, dass Elektrosmog sich möglicherweise auf komplexere Art auf das Verhalten von Tieren auswirkt als bislang gedacht.
Hintergrund
Elektrosmog stört Magnetsinn von Rotkehlchen
Elektrosmog stört Orientierung von Mückenfledermäusen
Bericht über das Forschungsergebnis in Geo.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –
Elektrosmog stört Orientierung von Mückenfledermäusen
Welche Effekte die vom Menschen verursachte elektromagnetische Strahlung auf wildlebende Tiere hat, ist kaum bekannt. In einer in der Zeitschrift Science veröffentlichten Studie (Volltext) berichtet ein internationales Team um den Biologen Dr. Oliver Lindecke von der Universität Oldenburg, dass schwache Breitbandstrahlung im Bereich von Langwellen bis Ultrakurzwellen die Orientierung der wenige Gramm schweren Mückenfledermäuse durcheinanderbringt.
Der anfangs frei verfügbare Volltext der Studie ist inzwischen leider nicht mehr für jedermann frei verfügbar.
Kommentar: Kein Grund zur Aufregung für Mobilfunkgegner. Die Mückenfledermäuse wurden nicht mit Mobilfunk befeldet, sondern mit einem für Städte typischen künstlich erzeugten breitbandigen elektromagnetischen Rauschen, dessen Magnetfeldkomponente mit einer Schleifenantenne abgestrahlt wurde. Dieses Breitbandrauschen war schwach, die Studie nennt mMn mit Fig. 1 (A und B) aber keine eindeutig interpretierbaren Pegelwerte, denen die Tiere in 70 cm bis 100 cm Abstand vor der Antenne ausgesetzt waren. Ein Gesundheitsrisiko für Menschen lässt sich aus der Studie nicht ableiten.
Die Forschungsfrage war offensichtlich nicht, ob die Tiere auf ein bestimmtes HF-Signal (z.B. UKW-Radio) regierten, sondern ob sie überhaupt auf HF ansprechen. Das breitbandige Rauschsignal ersparte den Forschern also endlose Experimente mit diskreten HF-Signalen bestimmter Frequenz. Und jetzt wissen sie: Ja, die Tiere reagieren auf schwache HF pauschal mit Orientierungsproblemen. Was die Forscher nicht wissen: Auf welches HF-Signal konkret wird reagiert, ist es UKW auf 100 MHz oder Digitalradio DAB+ auf 200 MHz oder ganz etwas anderes?
Aus meiner unmaßgeblichen Sicht hätten die Forscher im Interesse einer realistischeren Befeldung auf die unkonventionelle Magnetfeldantenne verzichten und eine "normale" HF-Antenne verwenden können. Die hätte dann ein normales HF-Feld mit elektrischer und magnetischer Komponente abgestrahlt und den Vorteil gehabt, dass wir mit V/m oder A/m mit gewohnten Feldgrößen hätten hantieren können, die unkompliziert in Beziehung zu den Referenzgrenzwerten gewesen wären. So aber müssen wir uns mit der kryptischen Einheit dBm für eine Magnetfeldstärke herumärgern
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Die Idee mit dem breitbandigen Rauschsignal ließe sich theoretisch auch auf "Elektrosensible" anwenden, um in einer Art Vorselektion herauszufinden, ob Probanden überhaupt auf eine Befeldung reagiert, egal auf welche genau. Der Funkstörmessdienst der BNetzA wäre von dieser Idee allerdings nicht begeistert und Wissenschaftler würden nur müde lächeln. Denn bekanntlich hat bislang noch kein "Elektrosensibler" weltweit im Blindversuch einen Provokationstest mit statistischer Signifikanz bestanden. Symptome zeigten sich durchaus. Besonders wenn die Probanden überzeugt waren, befeldet zu werden, egal ob dies stimmte oder nicht. Man kann es drehen und wenden wie man will: Unter diesen Umständen wäre ein Provokationstest mit breitbandigem Rauschsignal der falsche Ansatz, weil uns Menschen die Fähigkeit zur Erkennung schwacher HF-Befeldung eben nicht gegeben wurde.
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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –