SZ: Strahlung als Metapher

RH, Samstag, 06.03.2004, 11:28 (vor 5755 Tagen)

In der gestrigen Süddeutschen Zeitung erschien auf der ersten Seite des Feuilletons ein Aufsatz von einem bisher völlig unbekannten Autor. Leider gibt es auch keine Erläuterung, um wen es sich dabei handelt.
Und leider ist dieser Beitrag in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung nicht zu finden, - Leserbriefe sollten dennoch nicht ausbleiben, wie ich meine. RH

Süddeutsche Zeitung vom 5.März 2004, Feuilleton, Seite 15 (print)
(c) Süddeutsche Zeitung

Strahlung als Metapher
Machen Handys krank?" - Im Kampf gegen Elektrosmog vermischen sich medizinische Diagnose und ideologische Kritik

Von Andreas Bernard

Die Geschichte moderner Verkehrs- und Kommunikationsmittel ist von einer verlässlichen Konstante durchzogen: In ihren Anfangsjahren gelte die Apparaturen stets als gesundheitsschädlich. In Handbüchern und Zeitschriftenaufsätzen aus der Frühzeit der Eisenbahn oder des Fahrstuhls, des Telefons, Radios oder Fernsehens tauchen jeweils ähnlich lautende Warnungen auf, die von einem übermäßigen Gebrauch der neuen Technik abraten; drastische Fallgeschichten werden ausgebreitet, um das Risiko der Nebenwirkungen darzustellen. Ebenso konstant wie dieser wiederkehrende Diskurs der Skepsis ist jedoch auch eine zweite, jeweils ein halbes Jahrhundert später einsetzende Redeordnung: die des leicht spöttischen Rückblicks auf die skurrilen Ängste der Gründergeneration. Milde lächelnd betrachtet man etwa Abbildungen von Eisenbahn-Passagieren des 19. Jahrhunderts, die fortwährend auf ihren Zehenspitzen stehen, um die vermeintlich schädlichen Effekte dauerhafter Vibration zu mildern, oder man ist befremdet von Warnungen aus der Frühzeit des Radios und Fernsehens, nicht allzu nahe vor dem Gerät zu sitzen. Zwei Diskursrituale umrahmen also seit 150 Jahren den Assimilationsprozess technischer Geräte: die Erregung des Anfangs und das Kopfschütteln des Rückblicks.

Freilandversuche am Menschen
Man sollte diese Konstellation nicht aus den Augen verlieren, wenn man sich mit der anhaltenden Debatte über "Elektrosmog" befasst, der Frage nach der Wirkung der elektromagnetischen Felder, die angeblich vor allem von Mobiltelefonen und den zugehörigen Sendemasten ausgehen. Seit einem knappen Jahrzehnt wird in den Zeitungen regelmäßig über Forschungsprojekte berichtet, die der Schädlichkeit der elektromagnetischen Felder auf die Spur kommen wollen, und kritische Bücher, mit Titeln wie "Das große Strahlen - Handy & Co.Die neuen Gefahren des Elektrosmogs", "Machen Handys und ihre Sender krank?" oder "Mobilfunk. Ein Freilandversuch am Menschen", werden in mehreren Auflagen gedruckt. Gerade in den letzten Wochen ist das Thema wieder Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit geworden, weil sich die Versicherungen der Mobilfunkunternehmen zunehmend weigern, für die Deckung möglicher Schadensersatzforderungen zu garantieren. Welches Wissen steht also über das Phänomen "Elektrosmog" zur Verfügung?
Grundsätzlich fällt in der Diskussion auf, dass ich der Kenntnisstand der Forschung über die Jahre hinweg nicht fundamental geändert hat; auch nach mehreren tausend Studien zum Verhältnis von Mobilfunk und Erkrankungen wie etwa Krebs ist kein gesicherter Zusammenhang nachzuweisen. Sogar die bisher größte Publikation aus dem Umkreis der Kritiker, Thomas Grasbergers und Franz Kotteders Buch "Mobilfunk" gesteht ein. "Im Grunde lässt sich die öffentliche, aber auch die wissenschaftliche Diskussion derzeit auf einen Satz reduzieren: Es herrscht keine Gewissheit." Wie also lässt sich das unverändert leidenschaftliche Insistieren auf der Schädlichkeit des Mobilfunks, dem Mangel an Evidenzen zum Trotz, genauer erklären?
Innerhalb der Logik technikgeschichtlicher Prozesse folgen die mahnenden Stimmen dem eingangs erwähnten Muster; eine neue Apparatur wird zwangsläufig dem Verdacht ausgesetzt, kontaminierend zu wirken, was in diesem Fall bereits die Begriffswahl verdeutlicht: "Elektrosmog" überträgt eine Wortschöpfung aus der Klimaforschung ins Feld der Physik. Würde man die in den beiden letzten Jahren erschienenen Mobilfunk-Ratgeber mit ähnlichen, nach der Einführung des Radios oder Fernsehens publizierten Büchern vergleichen, ergäben sich aufschlussreiche Kongruenzen, etwa was den Gebrauch und die argumentative Funktion des Wortes "Strahlen" betrifft. Ohne diese Identifizierung physikalisch zu legitimieren, bezeichnen die meisten Autoren elektromagnetische Felder bereits im Buchtitel als "Strahlen", wodurch sich das Unbehagen vor dem Mobilfunk unweigerlich in eine lange Tradition fundamentaler Bedrohungen einreiht.


- Fortsetzung

SZ: Strahlung als Metapher (Fortsetzung)

RH, Samstag, 06.03.2004, 12:34 (vor 5755 Tagen) @ RH

- Fortsetung

"Strahlen": Man müsste einmal eine Symbolgeschichte dieses Begriffs im 20. Jahrhundert schreiben, den umgangssprachlichen Begriff des Wortes - etwa in der Mediengeschichte - im Verhältnis zu seiner konkreten Bedeutung in der Physik untersuchen. Es ließe sich vermutlich zeigen, dass die heterogensten Effekte zu "Strahlen" werden, wenn es darum geht, das Gefahrenpotenzial einer undurchschaubaren Technik zu verdeutlichen. Bezeichnenderweise erklärt eine Fußnote des Buches "Das große Strahlen - Handy & Co" den ausdrücklichen Unterschied zwischen den Kategorien "Feld" und "Strahl", was die Autoren jedoch nicht daran hindert, den physikalisch unzureichenden Begriff zum Leitwort der ganzen Untersuchung zu machen. Die Semantik des Wortes "Feld" würde vermutlich unpassend agrar-romantische Assoziationen hervorrufen.
Letztendlich geht es bei der Diskussion über die Gesundheitsschädlichkeit des Mobilfunks um folgende Frage: Wie ernst soll man das Anliegen der Kritiker, ihre Hinweise auf erhöhte Erkrankungsraten in der Umgebung von Sendemasten nehmen? An der Faktizität der subjektiven Beschwerden besteht, wie die Handbücher in eindringlichen Reportagen schildern, kein Zweifel; andererseits ist es gut möglich, dass man sich an die Angst vor Mobilfunk, an Geschichten von panischen Wohnungsauflösungen nach der Installation von Antennen in der Nachbarschaft schon bald mit eben jenem Lächeln erinnert, das heute Mahnschriften aus der Frühzeit anderer Medien auslösen. Wie verhält sich also die individuelle Erfahrung der Menschen zu den Gesetzmäßigkeiten historischer Prozesse? Woran liegt es, dass frühere Eisenbahn- und Fahrstuhlpasssagiere oder Konsumenten neuer Kommunikationsmittel offenbar an Krankheiten leiden, für die es bereits kurze Zeit später keine Erklärungen mehr gibt?
Zweifellos ist zu berücksichtigen, dass technische Apparaturen in der Frühphase von Unzulänglichkeiten in der Konstruktion geprägt sind, die im Lauf der Zeit optimiert werden; zweifellos bildet sich bei der zweiten und dritten Generation von Benutzern das heraus, was Wolfgang Schivelbusch in seiner Geschichte der Eisenbahnresse die "zivilisatorische Rindenschicht" der Menschen nennt. Dennoch bleibt ein gewisser fiktionaler Rest der Beschwerden zurück, ein wiederkehrender Phantomschmerz in der Anfangszeit neuer technischer Errungenschaften. Dieser Aspekt der Fiktionalität ist bereits auch in der gegenwärtigen Elektrosmog-Debatte erkennbar.
Keineswegs geht es darum, dass die Patienten in der Umgebung von Sendemasten ihr Leid simulieren würden. Nein, die Symptome der Einzelnen sind allzu real; ihr fiktionaler Anteil beginnt jedoch mit dem Versuch, sie ins Verhältnis zu medienkritischen Positionen zu stellen, die tragische Ursprungslosigkeit einer Krebserkrankung einzugliedern in einen kausalen Zusammenhang. Wenn man die von Biologen, Pädagogen oder Journalisten herausgegebenen Kritiken des Mobilfunks liest, fällt vor allem eines ins Auge: die ständige Überlappung von medizinischen Diagnosen - der angestrebte Nachweis, dass Handys und Sendemasten Erkrankungen auslösen - mit weltanschaulichen Argumenten.
Warum tauchen in einer Untersuchung über die "neuen Gefahren des Elektrosmogs" Passagen auf, in denen es heißt: "Anders als unsere Vorfahren müssen wir - die Freizeitgesellschaft - Ablenkungen erfinden, um den ultimativen existentiellen Kick zu erleben. Bunggee-Jumping. Extrem-Sportarten und ähnliche Freizeitvergnügungen tragen dem Rechnung"? Warum finden sich in dem Buch "Machen Handys krank?" zahlreiche Karikaturen, die die Kommunikationslosigkeit von Schülern im Zeitalter des Mobiltelefons kritisieren? Warum wird - in einem anderen Buch - ein Kapitel dem Thema "Das Handy und der Überwachungsstaat" gewidmet?

Bedrohungstransfer
Deutlich wird, dass die vorgeblich pathologische Wirkung des Elektrosmogs immer schon als Teil einer umfassenderen Verseuchung durch das Prinzip "Mobiltelefon" erscheint. Unternommen wird also eine Art Bedrohungstransfer: Jener weltanschauliche Schaden durch übermäßige mobile Kommunikation wird als Beschreibung eines gesundheitlichen Schadens präsentiert.
Man kann diese Überlagerung der Kategorien auch an der Figur der "Elektrosensiblen" ablesen, die von den Büchern ins Spiel gebracht wird. Sie wird als Seismograph des hochtechnisierten Zeitalters beschrieben, die mit besonderer Wahrnehmungsfähigkeit ausgestattet ist und verborgene Gefahren eher zu ahnen vermag als das passive Sensorium der meisten Menschen. Damit kein Missverständnis entsteht: Vielleicht gibt es tatsächlich eine Personengruppe, die auf elektromagnetische Felder in ihrer Umgebung stärker reagiert und deren Beschwerden keinesfalls bagatellisiert werden darf. Doch das Prekäre der Argumentation besteht darin, dass eine größere nervliche Empfindsamkeit unweigerlich mit einer größeren politischen Mündigkeit assoziiert wird. Die "Elektrosensiblen", so das Buch "Mobilfunk", verfügen ganz unmittelbar über jenes "ausgeprägtere Strahlenbewusstsein", das die Mehrheit der Bevölkerung erst auf dem Umweg rückhaltloser Information erlangen muss.
In der Gestalt der Elektrosmog-Debatte wird also jene technikhistorische Regel sichtbar, wonach Kommunikationsmedien in der Anfangszeit als gesundheitsschädlich gelten. Denn das Insistieren auf dem pathologischen Effekt ist eher als argumentative Strategie einer Kulturkritik aufzufassen, die im Zuge der Etablierung einer neuen Technik unweigerlich abklingt. Könnte es sein, dass sich "Elektrosmog" eines Tages als dichte, hartnäckige Metapher erweist?
ANDREAS BERNARD

© Süddeutsche Zeitung
Nur zur privaten Verwendung

SZ: Strahlung als Metapher (Abbildung)

RH, Montag, 08.03.2004, 11:03 (vor 5753 Tagen) @ RH

Den Text begleitet eine Abbildung eines riesigen grünen Kaktus' (wie sie typisch in Wüstengebieten stehen, wo Western wie 'Hihg Noon' gedreht werden) im Umfeld von Gestrüpp und sandfarbenen Häusern.
Und der Text zur Abbildung:

Ob "Elektrosensible" den Trick durchschauen würden? Ein Sendemast in Tuscon, Arizona, getarnt als Plastikkaktus.

Foto: John Miller / AP


PS. Eine persönliche Anmerkung von mir: mich wundert's, dass es hier keine Wortmeldungen gibt. Konzentrieren sich die alle auf die Protest-Schreiben dirket an die Süddeutsche Zeitung?

Wie wohl der Feuilleton-Redakteur Franz Kotteder (Ko-Autor von "Mobilfunk. Ein Freilandversuch am Menschen") darauf reagiert, dass ein fremder, unbekannter Autor einen Artikel gegen ihn und sein Ansinnen in seinem Ressort - Feuilleton! - platzieren konnte???
RH

SZ-online ---> SZ-E-Paper

RH, Montag, 08.03.2004, 12:05 (vor 5753 Tagen) @ RH

Den Text begleitet eine Abbildung eines riesigen grünen Kaktus' (wie sie
typisch in Wüstengebieten stehen, wo Western wie 'Hihg Noon' gedreht
werden) im Umfeld von Gestrüpp und sandfarbenen Häusern.
Und der Text zur Abbildung:

Ob "Elektrosensible" den Trick durchschauen würden? Ein Sendemast in
Tuscon, Arizona, getarnt als Plastikkaktus.

Foto: John Miller / AP

Man kann den Kaktus aus selbst sehen:

Dazu muss man sich aber bei der SZ-online im neuen System von E-Paper anmelden (kostenlos bis Juni 2004).

Dann im 8-Tage-Archiv die Ausgabe vom 5.3.04 auswählen - gesamt durchblättern - bis zum Feuilleton - und dann blinkt einem der "Kaktus" samt Artikel zum Vergrößern an.

Mit zuvor Registrierung bei SZ-online: E-Paper

Link:

http://epaper.sueddeutsche.de/digiPaper/html/start.html

und das Bild vergrößert (oder angeklickt im Text):

http://epaper.sueddeutsche.de/digiPaper/serverlet/picturepageservlet?picture=463524

Mein kleiner grüner Kaktus

fred, Montag, 08.03.2004, 16:32 (vor 5752 Tagen) @ RH

Den Text begleitet eine Abbildung eines riesigen grünen Kaktus' (wie sie
typisch in Wüstengebieten stehen, wo Western wie 'Hihg Noon' gedreht
werden) im Umfeld von Gestrüpp und sandfarbenen Häusern.
Und der Text zur Abbildung:

Ob "Elektrosensible" den Trick durchschauen würden? Ein Sendemast in
Tuscon, Arizona, getarnt als Plastikkaktus.

Les ich da richtig? Die meinen, Elektrosensible (warum mit Gänsefüßchen?) würden nur so zum Jux wie Zirkus-Clowns das Kunststückchen vollführen, die Strahlung von dem Kaktus (der gehört in Gänsefüßchen!) zu spüren. Die haben ja keine Ahnung, wie es einem geht in der Nähe dieser gemeinen Vogelscheuchen!

Denen jag ich mal einen anderen Kaktus hinterher:

Mein kleiner grüner Kaktus
(Comedian Harmonists)

Mein kleiner grüner Kaktus
steht draußen am Balkon,
hollari, hollari, hollaro.
Was brauch ich rote Rosen,
was brauch ich roten Mohn,
hollari, hollari, hollaro.
Und wenn ein Bösewicht
was Ungezognes spricht,
dann hol ich meinen Kaktus
und der sticht, sticht, sticht.
Mein kleiner grüner Kaktus
steht draußen am Bakon,
hollari, hollari, hollaro.

Heute um viere
klopfts an die Türe.
Nanu, Besuch so früh am Tage?
Es war Herr Krause
vom Nachbarhause,
der sagt: "Verzeihn sie, wenn ich frage?
Sie hab'n doch einen Kaktus,
da draußen am Balkon,
der fiel soeben runter,
was halten sie davon?
Er fiel mir auf's Gesicht,
ob's glauben oder nicht,
nun weiß ich daß ihr kleiner grüner Kaktus sticht.
Bewahrn' sie ihren Kaktus
gefälligst anderswo,
hollarie, hollarie, hollaro. :-P

So, damit man weiß, wozu so ein richtiger Kaktus gut sein kann! Und nicht so ein Strahlen aussendender, der die Menschen um den Verstand bringt.

Euer

fred

Mensch, macht doch nicht so viel Gedöns!

H. Lamarr @, München, Dienstag, 09.03.2004, 12:10 (vor 5752 Tagen) @ RH

Wunderbar, das hat mir jetzt gerade noch gefehlt. Nach dem Lesen des Artikels - und ich habe mich redlich bemüht - frage ich mich verdutzt, was der Autor mir denn nun Neues unter die Schädeldecke schieben wollte. Da ist kein Einwand, keine Überlegung, die ich nicht zuvor schon mal gehört oder gelesen habe. Und für die kunstvoll gedrechselten Formulierungen mögen sich Belesene, Schaumschläger und Warmduscher erwärmen, mich lassen sie nur kalt. Nee RH, die Nachwirkungen des Artikels sind meiner Meinung nach so schwach, dass es sogar falsch wäre, die fieberhaften Überlegungen des Autors auch noch mit Leserbriefen zu veredeln.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Susan Sontag: Krankheit als Metapher

RH, Dienstag, 09.03.2004, 13:55 (vor 5752 Tagen) @ RH

Ein Hinweis auf die "Gelehrigkeit" des Herrn Verfassers, z.B. die Anspielung des Titels auf das berühmte Buch von Susan Sontag 'Krankheit als Metapher'
Auszug aus: net-lexikon

Krankheit als Metapher
(Definition, Bedeutung, Erklärung im Lexikon)

Krankheit wird in verschiedenen Gesellschaften als Metapher für etwas anderes gesehen.
Menschen mit bestimmten Krankheiten haben also mit bestimmten Vorurteilen und ihnen zugeschriebenen Mythen zu leben.

Susan Sontag meint in dem Buch Krankheit als Metapher, dass die Deutungen von Krankheiten einer Mode unterliegen. Sie werden auf eine bestimmte Weise mit Mythen belegt, die dazu dienen, die Kriegführung in den modernen Industriegesellschaften ins Körperinnere zu verlagern, das der äußere Feind fehlt. Sontag sieht in der Metaphorik der Krebstherapie ämlich die Leitbilder der der Kriegführung gegebeb, wo nahezu jeglicher Körperschaden gerechtfertigt ist, wenn das Leben des Patienten gerettet wird.

Im Deutschen steht das Wort Krebs sowohl für ein Tier als auch für eine Tumorerkrankung. Die Namensgebung geht nach Sonntag auf den Grieche Galen zurück, der - neben Hippokrates - der bedeutendste Arzt der Antike war: Die Ähnlichkeiten waren rein äusserlich und waren keine Metapher.

"Die früheste literarische Definition von Krebs ist Gewächs, Klumpen oder Auswuchs, und der Name der Krankheit - von griechisch KARK'NOS und lateinisch CANCER, die beide Krebs bedeuten - wurde Galen zufolge durch die Ähnlichkeit der geschwollenen Venen eines äußeren Tumors mit Krebsbeinen inspiriert; nicht wie viele meinen dadurch, daß eine metastatische Krankheit wie ein Krebs krabbelt oder kriecht." (Susan Sontag, 1989, S. 12f)
Magen- und Zwöffingerdarmgeschüre waren auch immer wieder Gegenstand medizinische Theorienbildung. Besonderes die Psychosomatik und Psychoanalyse führt peptidisches Geschwüre immer wieder auf seelische Erkrankungen (auf den Magen schlagen) zurück. Die Empfehlung lautete 100 Jahre hinduch nur die Lebensgewohntheiten zu ändern, was ja nicht schlecht ist, aber selten half.

Als eine biologischer Ursache konnte 1982 Helicobacter pylori dingfest gemacht, werden, der mit einem Antibiotika-Mix kurierbar ist. Die Therapie eine Magengeschwürs muss immer die Behandlung des H. Pylori mit Antibiotika und Magentherapeutika beinhalten, auch wenn Stressfaktoren bei der Bildung eines Magengeschwürs eine Rolle spielen könnten (Sichrovsky 1995).

Bücher
Susan Sontag: Krankheit als Metapher 1989 (engl. 1977) Frankfurt/Main, Fischer ISBN 3596238234,
Peter Sichrovsky, Peter Scheer: Resistent. Die Wiederkehr der Seuchen. Berlin-Vlg., Berlin ISBN 3827001803,
Siehe auch: Healthism

Weblinks
Schizophrenie, eine Krankheit mit vielen Gesichtern (pdf)
Auszug aus S. Sontag: Krankheit als Metapher
Umfangreiche Abhandlung zu "Krankheit und Literatur"

Tags:
Krebstherapie

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