5G & Corona: Telegram füttert Gigaherz-Forum kalorienarm (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 09.12.2021, 00:52 (vor 210 Tagen)

Beweise für einen Zusammenhang zwischen Coronavirus und 5G wollen zwei US-Amerikaner (Beverly Rubik und Robert R. Brown) gefunden haben unter gütiger Mitwirkung von Magda Havas, Susan Clarke und Lyn Patrick. Die Studie erschien im September 2021 in der Open-Access-Zeitschrift "Journal of Clinical and Translational Research" unter dem Titel "Evidence for a connection between coronavirus disease-19 and exposure to radiofrequency radiation from wireless communications including 5G".

Die beiden Autoren empfehlen allen, insbesondere denjenigen, die an einer Sars-CoV-2-Infektion leiden, ihre Exposition gegenüber Funkstrahlung so weit wie möglich zu reduzieren, bis weitere Forschung die systemischen Gesundheitsauswirkungen im Zusammenhang mit chronischer Funkexposition besser abgeklärt hat. Wer mit irrationalen Ängsten gegenüber Funkwellen Geschäfte macht, wird diesem Aufruf mit Sicherheit begeistert beipflichten. Wer hingegen die Szene kennt und wissen möchte, wie die Autoren zu ihrer befremdlichen Schlussfolgerung gekommen sind, muss sich nicht tapfer durch die 16 Seiten kämpfen, es genügt, sich die Literaturliste anzusehen.

So weit, so schlecht. Aus meiner Sicht eine lupenreine Kargo-Kult-Studie, die in einschlägigen Kreisen kursiert und wissenschaftlich bislang null Resonanz hat.

Weil Pseudowissenschaft auf englisch in den D-A-CH-Ländern nicht die gewünschte Breitenwirkung entfaltet, hat sich ein Freiwilliger daran gemacht, die Studie von Rubik und Brown in ungepflegtes Deutsch zu übersetzen und den Teilnehmern des Gigaherz-Forums zu schenken. Egal ob sie wollen oder nicht. Da mir diese Selbstlosigkeit spanisch vorkam, durchsuchte ich spaßeshalber mit Fragmenten des deutschen Studientitels das www und bekam prompt einen Treffer. Der eingedeutschte Quarck entstammt einem Telegram-Kanal mit dem selbstgefälligen Titel "Mut zur Analyse, Mut zur Befreiung". Dankeschön. Da weiß man wenigstens gleich, woran man ist, kann mutig analysieren und sich ruckzuck befreien, indem man den Browser-Tab belustigt gleich wieder schließt :yes:.

Hintergrund
Peinlich: Gigaherz.ch auf Telegram

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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Pseudowissenschaft, Narretei, Kargo-Kult, Telegram, Rubik

Mit Kargo-Kult befriedige den Wunsch der Destabilisierung

KlaKla, Donnerstag, 09.12.2021, 08:10 (vor 209 Tagen) @ H. Lamarr

Beweise für einen Zusammenhang zwischen Coronavirus und 5G wollen zwei US-Amerikaner (Beverly Rubik und Robert R. Brown) gefunden haben unter gütiger Mitwirkung von Magda Havas, Susan Clarke und Lyn Patrick. Die Studie erschien im September 2021 in der Open-Access-Zeitschrift "Journal of Clinical and Translational Research" unter dem Titel "

Die Autorin der "Studie" Beverly Rubik, ist dafür bekannt verschiedene Pseudowissenschaften zu fördern.

Auszug übersetzt: ... Von Beginn des QAE-Artikels an wurde Beverly Rubik als wissenschaftliche Autorität erwähnt, verantwortlich für die angebliche Studie und theoretisch seit 1979 Professor für Biophysik. Nun, wie Nájera betont, „ist das selbstverständlich sie ist Professorin an der selbsternannten „Universität für Energiemedizin“, die auf ihrer eigenen Website als „Akademie der Medizin der Intuition“ bezeichnet wird. Darüber hinaus ist dieses Dokument keine begutachtete Studie oder in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht, sondern ein Vorabdruck von OSF Preprints, einer „offenen und kostenlosen Plattform“, auf der „jeder Forscher aus jedem Bereich seine Arbeit teilen kann“, so das Web selbst.

Die Akademie der Intuition, zu der diese vermeintliche "Universität" gehören würde, ist mit keinem Bildungszentrum verbunden. Darüber hinaus besteht die „Fakultät“ aus Spezialisten für außergewöhnliche Träume, Handauflegen, Bioenergie, Energiemedizin, Feng Shui, Wünschelruten gehen und ein ganzer Katalog von Pseudotherapien.

Rubik ist auch Präsident und Gründer des Institute for Frontier Science und dafür bekannt, Objekte, Energie und vermeintliche Gesundheit miteinander zu verbinden. Kurzum, eine Reihe von Pseudowissenschaften, die die Autorin selbst auf ihrer persönlichen Website sammelt, wo sie sich selbst als Pionierin der unkonventionellen Medizin definiert.

Kommentar: Streue Desinformation in soziale Netzwerke zur Destabilisierung der politischen Lage, denn die Dummheit ist grenzenlos. :cool:

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Meine Meinungsäußerung

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Pseudowissenschaft, Junk-Science, Facebook, Raubverlag, Wünschelrute, Feng Shui

5G & Corona: Telegram füttert Gigaherz-Forum kalorienarm

Gustav, Donnerstag, 09.12.2021, 18:18 (vor 209 Tagen) @ H. Lamarr

Aufschlussreich ist auch der Review process, dort findet man selektiv ausgesuchte Aussagen wie diese:

However, this consideration has some limitations, which make the conclusions of the author rather immature.

The author referred to the ICNIRP 2009 guidelines, which are outdated as far as ICNIRP has recently updated them.

However, the authors need to sharpen their language to clarify what has been demonstrated, and have the conclusions be fully reflective of what the data have shown.

Ab besten gefällt mir Reviewer #4:

This manuscript is totally lacking in scientific value.

Although the ideas put forward by the authors are not negligible, they are open issues to criticism. Because there is no scientific study that clearly reveals the relationship between RFRs, especially 5G and SARS-CoV-2.

Please cite evidence (referenced studies) supporting this hypothesis by specific models and/or real-time measurements.

Unpublished/not available data should not be considered as citation.

Your paper is hypothetical, so please remain in this hypothetical framework throughout the manuscript. Phrases such as "This is the first scientific paper documenting a link between RFR emitted by wireless communication devices and COVID-19" are unwarranted.

Rubik-Studie: unerwartet kritische Reviews

H. Lamarr @, München, Freitag, 10.12.2021, 15:42 (vor 208 Tagen) @ Gustav

Aufschlussreich ist auch der Review process [...]

Stimmt, da haben Sie mMn etwas Aufschlussreiches gefunden.

Beim ersten Sichten staunte ich noch über die hohe Anzahl von elf Reviewern, tatsächlich sind es aber wohl nur neun gewesen, weil #2 und #7 ausgelassen wurden. Neun sind aber aus meiner Sicht noch immer außerordentlich viele. Noch überraschender war für mich die Intensität der Reviews im Detail, man kann den Leuten nicht vorwerfen, nur Husch-husch-Reviews abgeliefert zu haben. Diesen Verdacht hatte ich bislang bei Open-Access-Journalen.

Das einzige, woran ich jetzt noch zu knabbern habe ist der Umstand, dass die Studie nicht abgelehnt, sondern nach Überarbeitungen doch noch abgenommen wurde. Vermutlich liegt das daran, dass mir als Laie die Denkwelten von Wissenschaftlern fremd sind. Erwartet hätte ich, dass schon der krude Ansatz der Studie, Mobilfunk-(5G)-Exposition hätte etwas mit Covid-19 zu tun, den Chefredakteur des Journals in eine rigorose Abwehrhaltung versetzt, auch wenn die Autoren im Fall einer Veröffentlichung Geld in seine Kasse bringen.

Wenn ich das hin und her zwischen den Reviewern/Chefredaktion und den Autoren richtig sehe, wurde die Möglichkeit eines Zusammenhangs jedoch nicht grundsätzlich infrage gestellt, sondern es wurden viele Details diskutiert. In etwa so, als würden Tester eines neuen Autos sich daran stoßen, dass der Aschenbecher zu klein sei, das Handschuhfach nur umständlich zu öffnen ist und der Wagen bei Tempo 194,4 km/h ein Klappergeräusch zeigt. Dass das Auto angeblich mit Salzwasser als Treibstoff auskommt, ist hingegen für die Tester nur ein Randthema. Möglicherweise ist so ein Vorgehen die Perfektion von Kargo-Kult-Wissenschaft bis in den Review-Prozess hinein.

Mein Eindruck beruht auf nur oberflächlichem Lesen, auf der stigmatisierten Autorin Rubik, auf der unausgewogenen Literaturliste und darauf, in welchen Kreisen die Arbeit Anklang fand. Diese Beurteilungsmethode ist sehr effektiv hat aber den Nachteil, dass die Irrtumswahrscheinlichkeit gut und gerne bei 50 Prozent liegen kann. Andererseits sollen Studien gezeigt haben, dass intuitive Wertungen überzufällig häufig zutreffend sein können.

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Pseudowissenschaft, Raubverlag, Kargo-Kult, Review

5G & Corona: Telegram füttert Gigaherz-Forum kalorienarm

Gustav, Donnerstag, 16.12.2021, 17:22 (vor 202 Tagen) @ H. Lamarr

Diagnose-Funk wertet Rubik/Brown-Studie ab

H. Lamarr @, München, Freitag, 17.12.2021, 00:37 (vor 202 Tagen) @ Gustav

Wenn sogar Diagnose:funk diese Studie schlecht redet, dann will das schon was heissen:

Die Studie von Rubik/Brown „Evidenz für einen Zusammenhang zwischen der Coronavirus-Krankheit-19 und der Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung ... einschließlich 5G“ hält nicht, was sie suggeriert

Ja, das ist mWn das erste Mal, dass dieser Verein eine Alarmstudie kritisiert. Doch ich bin skeptisch, habe mir deshalb überlegt, was die kleinen Strolche sich dabei gedacht haben mögen und bin zu keinem schmeichelhaften Ergebnis für sie gekommen. Mehr dazu später in einem neuen Strang.

In ihrer Kritik behaupten die Diagnose-Funker am Ende:

[7] Derzeit listet sie Referenzdatenbank www.emf-portal.de zu den Frequenzen des Mobilfunks ca. 1700 Studien.

Da ich aus Erfahrung den Behauptungen von Mobilfunkkritikern grundsätzlich misstraue habe ich diese Behauptung geprüft und bin nach zwei Minuten zu dem Ergebnis gekommen: Das stimmt nicht, es sind weitaus mehr Studien!

Beleg: Auf dieser Suchseite des EMF-Portals habe ich in der Rubrik Frequenzbereiche "Mobilfunk" ausgewählt und dann zugunsten von Diagnose-Funk unter Themen einige abgewählt, die mir nicht so wichtig erschienen. Der Screenshot zeigt die von mir verwendeten Einstellungen.

[image]

Mit diesen Einstellungen findet das Portal gegenwärtig 3624 Artikel zu Mobilfunk. Wähle ich alle Themen aus sind es über 5100 Artikel.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Ungefähr jeder zweite bis dritte Artikel über Mobilfunk im Portal ist keine Studie, sondern irgendetwas anderes, z.B. ein Letter oder ein Kommentar. Dann hätten die Stuttgarter Recht. Nach anfänglicher Sichtung der angezeigten 3624 Suchergebnisse halte ich dies jedoch für unwahrscheinlich.

2. Diagnose-Funk hat ein Interesse daran, die Anzahl der Mobilfunkstudien klein zu reden. Denn je weniger es sind, desto mehr können sie mit den "Mobilfunkstudien" in ihrer Alarmstudiendatenbank EMF-Data (derzeit 487) Eindruck schinden. Diese Deutung halte ich für wahrscheinlich, sie passt zu den Winkelzügen, mit denen der Verein immer wieder unangenehm auffällt.

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EMF-Portal, Strolche, Deinformation, Rubik, Brown, Winkelzügen

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