IARC: HF-EMF-Forschungsagenda 2022 – 2023 (Forschung)

H. Lamarr @, München, Freitag, 09.04.2021, 23:13 (vor 172 Tagen)

Der wissenschaftliche Rat der IARC trat vom 10. bis 12. Februar 2021 zu seiner 57. Sitzung zusammen, wegen Corona nicht in Lyon, sondern im www. Ziel: Die Forschungsagenda der Krebsagentur für 2022 und 2023 in trockene Tücher bringen. Von einer Neubewertung des Agens HF-EMF war in der 1-stündigen Eröffnungsrede von IARC-Direktorin Elisabete Weiderpass kein Wort zu vernehmen, immerhin gab der Rat einem interessanten neuen HF-EMF-Forschungsprojekt seinen Segen.

Modell des neuen IARC-Hauptquartiers in Lyon, Spatenstich war im Februar 2020.
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Bild: IARC

Die Forschungsagenda 2022 – 2023 ist die erste, die gemäß den Prioritäten der neuen "IARC Medium-Term Strategy 2021–2025 (MTS)" verfasst wurde. Die MTS, sie ersetzt die bisherige Sektions- und Gruppenstruktur durch eine Baumstruktur, soll im Mai 2021 vom Regierungsrat der IARC, in dem Vertreter der teilnehmenden Regierungen und der WHO-Generaldirektor sitzen, abgesegnet werden.

Forschungsprojekte der IARC sind jetzt in einer dreistufigen Baumstruktur geordnet, die alle dem einzigen Level-1-Ziel untergeordnet sind, die Belastung und das Leiden durch Krebs weltweit zu reduzieren. Level 2 ist schon etwas konkreter, hier finden sich sechs Ziele wie "Beschreiben des Auftretens von Krebs" und "Ursachen von Krebs verstehen". Die einzelnen Forschungsprojekte sind schlussendlich in Level 3 den sechs Zielen von Level 2 zugeordnet. Klingt alles wenig aufregend, scheint für die IARC jedoch eine wichtige Umstrukturierung zu sein.

Das einzige neue HF-EMF-Forschungsprojekt der IARC bis 2023 ist dem Level-2-Ziel "Ursachen von Krebs verstehen" zugeordnet, hat die Projektkennung PB.2223.ENV.03 und den Titel:

To study exposure to low doses of ionising radiation and to non-ionising radiation (electromagnetic fields)

Möglicherweise will die IARC damit klären, was anlässlich der 2B-Eingruppierung von HF-EMF 2011 noch für große Verwirrung sorgte. Nämlich, ob andauernde Exposition im Niedrigdosisbereich (z.B. durch Mobilfunkmasten) in die 2B-Eingruppierung gehört – oder als nicht eingruppierbar davon ausgenommen und in Gruppe 3 verschoben wird. 2011 hatte die IARC HF-EMF pauschal in Gruppe 2B (möglicherweise krebserregend) eingeordnet, ohne zwischen starker Exposition durch Mobiltelefone und schwacher durch Funkmasten zu differenzieren.

Für ungemein wichtig hält die IARC das neue Forschungsprojekt jedoch nicht. Denn es erhält auf der Bewertungsskala "Contribute to Fundamental Priority" nur 60 Prozent, ein mittlerer Wert, viele andere Projekte sind deutlich höher bewertet. Ebenfalls mittelmäßig sind die 30 Prozent auf der Bewertungsskala "Evolving cancer risk factors and populations in transition" und mit fünf Prozent bewegt sich das Projekt am unteren Ende der Bewertungsskala "Economic and societal impacts of cancer".

Das neue Forschungsprojekt schließt an ein bestehendes für den Zeitraum 2020 – 2021 an. Dieses ältere Projekt hat die Kennung PB.2021.ENV.02 und den Titel:

To study exposure to non-ionising radiation (electromagnetic fields)

Wie weit dieses Projekt bereits gediehen ist, geht aus der Quelle nicht hervor.

Für Forschungsprojekte mit dem Level-2-Ziel "Ursachen von Krebs verstehen" hat die IARC 2020 – 2021 ein Budget von rd. 11,55 Mio. Euro zur Verfügung, 2022 – 2023 sind es rd. 10,73 Mio. Euro, mit denen 18 Projekte finanziert werden sollen.

Nachtrag vom 13.04.2021: Mehr zu den beiden Forschungsprojekten hier.

Quelle: PROPOSED PROGRAMME AND BUDGET 2022–2023

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Tags:
Krebs, IARC, Handy, Klassifizierung, 2B, Funkmast, Forschungsprojekte

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