Karl Hecht: "Ich bin kein Alarmist oder Panikmacher" (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 06.05.2020, 01:03 (vor 499 Tagen)

Prof. Karl Hecht (96) schrieb das Vorwort für den Gesundheitskalender 2020. Darin teilt der Mediziner den Lesern u.a. mit:

“Atomenergie ist nur ein laues Lüftchen im Vergleich zu EMF-Funkwellenstrahlungen! Das postulierte der ehemalige Bundespostminister Dr. Wolfgang Bötsch vor Journalisten am 03.02.1993 in Bonn: „Die aufgeregte Diskussion in der Bevölkerung über die Kernenergie dürfte in Relation zu dem, was uns die Mobilfunknetze noch bescheren werden, nur ein laues Lüftchen gewesen sein.“

Eine reichlich verquerte und fehlerhafte Mitteilung.

Das erste von zwei Zitaten beginnt irrtümlich mit einem einsamen schließenden Apostroph und endet ohne Apostroph wahrscheinlich nach dem Ausrufezeichen. Semantisch ist der Inhalt dieses Scheinzitats purer Unsinn, denn jeder Hauptschüler weiß, nicht Funkfelder, sondern das angeblich "laue Lüftchen" Atomenergie war 1945 imstande, die Städte Hiroshima und Nagasaki einschließlich vieler ihrer Bewohner zu pulverisieren.

Über Hechts kuriose Tautologie "EMF-Funkwellenstrahlungen" schweige ich höflich, nicht aber zu der Behauptung, Wolfgang Bötsch habe postuliert, was ihm Hecht mit seinem Scheinzitat in den Mund legen will: Bötsch hat diesen Blödsinn, der de facto die Zerstörungskraft von Funkfeldern maßlos über die von Kernwaffen hebt, nie gesagt! Da liest es sich an anderer Stelle des Vorworts wie blanker Hohn, wenn Hecht einem weismachen will: "Ich bin kein Alarmist oder Panikmacher [...]".

Was Bötsch wirklich gesagt hat, steckt erst in Hechts zweitem Zitat, das er ordentlich mit einem öffnenden und schließenden Apostroph kennzeichnet, sogar in der richtigen Reihenfolge. Das ist gut. Wieder schlecht ist hingegen das Datum, denn es ist falsch. Bötsch sprach am 5. Februar 1993 vor Journalisten in Bonn. Und damals war er auch nicht der ehemalige Bundespostminister, sondern der amtierende, gerade einmal zwei Wochen im Amt.

Die Desinformationsdichte, die der hochbetagte Hecht im Karpfenteich der organisierten Mobilfunkgegner in nur einem einzigen Absatz seines Vorworts zuwege bringt, ist aus meiner Sicht wahrlich Berliner Sportpalast-Klasse. Dabei hätte der hoch dekorierte Professor den Tadel durch eine akademische Null wie mich mühelos abwenden können. Er hätte nur (richtig) abschreiben müssen, was der 2017 verstorbene Ex-Bundespostminister 2011 dem IZgMF im Interview sagte. Wer nach Bötschs denkwürdiger Prognose googelt, kommt an diesem Interview nicht vorbei. Alle mir bekannten anderen Quellen nennen mit 1994 eine falsche Jahreszahl. Daraus schließe ich, Prof. Hecht muss das Interview kennen, was seine Verfehlungen noch einen Tick schlimmer macht.

Ich bleibe dabei: Das größte Problem der hiesigen Anti-Mobilfunk-Szene ist ihr Personal.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Hecht, Zitat, Alarmist, Bötsch, Pseudo-Experte, selektives Zitieren

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