ÖDP die Grünen/EFA gegen 5G (Allgemein)

KlaKla, Dienstag, 26.11.2019, 07:12 (vor 297 Tagen)

Dr. Klaus Buchner wirbt auf seiner Webseite gegen 5G mit diesem Video. Am Ende bittet er, die Petition von Firstenberg zu unterstützten. Er behauptet, es gibt Gesundheitsschäden bis hin zu Krebs und Erbschäden. Dann kommt er zu den Missbildungen bei Ferkeln.

Aha, Mobilfunkstrahlung ist gefährlich aber aufs Handy musst niemand verzichten!

Nicht klar ist mir, ob die Grünen/EFA wirklich das was Dr. Buchner da von sich gibt unterstützen oder ob man hier nur mal wieder den Trick anwendet, der Fehler passiert im Kopf des Leser.

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Europaparlament, Buchner, ÖDP, Trick, Hopper, Fehler im Kopf, Anomalien, Ferkel, Firstenberg, Grünen/EFA

Wie die ÖDP den wissenschaftlichen Kenntnisstand verdreht

H. Lamarr @, München, Dienstag, 26.11.2019, 18:26 (vor 297 Tagen) @ KlaKla

Nicht klar ist mir, ob die Grünen/EFA wirklich das was Dr. Buchner da von sich gibt unterstützen oder ob man hier nur mal wieder den Trick anwendet, der Fehler passiert im Kopf des Leser.

Ja, das Logo der EU-Parlamentsfraktion DieGrünen/EFA am Beginn und am Ende des Buchner-Videos suggeriert, die Fraktion teile die verschrobenen Ansicht des ÖDP-Abgeordneten. Ich werde deshalb bei der Fraktion nachfragen, ob dies zutrifft und Buchners Verwendung des Logos von der Fraktion autorisiert wurde.

Inhaltlich ist das Video von Anfang bis Ende Desinformation pur. Originaltext Buchner:

Unzählige wissenschaftliche Studien zeigen, dass Gesundheitsschäden wie Kopfschmerzen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Ohrgeräusche – also Tinnitus, Herzbeschwerden und Fruchtbarkeitsstörungen bis hin zu Krebs und Erbschäden auftreten können. Und zwar schon weit unterhalb der deutschen Grenzwerte für Mobilfunkstrahlen. Das wurde z.B. in der Studie des National Toxicology Program 2018 gezeigt. Bei 5G sollen die Grenzwerte sogar noch erhöht werden.

Von diesen vier populistischen Sätzen ist kein einziger zutreffend.

1. Satz: Wissenschaftlichen Studien zu Mobilfunk sind keineswegs unzählig. Es gibt derzeit 307 Bevölkerungsstudien, 1311 experimentelle Studien und 101 Studien speziell zu 5G. Jeder, auch Klaus Buchner, kann dies dem EMF-Portal mühelos entnehmen. Zusammen sind dies 1719 Studien. Wie viele davon "Gesundheitsschäden" berichten geht aus den Übersichten des EMF-Portals nicht hervor. Mehr als 1719 können es jedoch nicht sein. Der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk zählt momentan 491, was im Umkehrschluss bedeutet, 1228 Studien haben keine "Gesundheitsschäden" gefunden. Und nun, Herr Buchner? Wenn 491 schon "unzählige" sind, was sind dann 1228? Der ÖDP-Mann verwurstet zudem Befindlichkeitsstörungen und ernste Krankheiten zu dem Begriff "Gesundheitsschäden", was mutmaßlich jedem anständigen Mediziner kalte Schauer über den Rücken jagt.

2. Satz: Wie alle, die in Sachen Elektrosmog lieber manipulieren statt informieren möchten, arbeitet Buchner mit dem nebulösen Begriff "Mobilfunkstrahlung". Wer es ehrlich meint, differenziert zwischen der Immission, die von Endgeräten wie Smartphones ausgeht und der Immission, die von Basisstationen wie Funkmasten ausgeht. Warum diese Differenzierung enorm wichtig ist, werden wir gleich sehen. Wer wider besseren Wissens nicht differenziert ist aus meiner Sicht ein Populist, der auf verwerfliche Weise irrationale Ängste gegenüber Mobilfunkfeldern in der Bevölkerung bewusst schüren möchte.

3. Satz: Buchner beruft sich auf die sogenannte NTP-Studie. Diese Tierstudie hat Ratten und Mäuse bis zu 75-mal stärker mit GSM- und UMTS-Funk befeldet, als dies für Mobilfunksendemasten maximal zulässig ist. Die NTP-Studie, die mit hoher Evidenz von Tumoren im Herz der Versuchstiere berichtet (bei allen anderen NTP-Befunden ist die Evidenz schwächer), hat deshalb für die Befeldung durch Sendemasten keinerlei Relevanz! Wenn überhaupt, hat die NTP-Studie allein Relevanz für die Befeldung durch Smartphones. Denn wegen des körpernahen Gebrauchs können Mobiltelefone mit derselben Stärke auf Menschen einwirken, wie die Signale, die von der NTP-Studie verwendet wurden. Das Buchner-Video aber tönt ab Minute 1:17: Niemand muss auf sein Handy verzichten. Die ÖDP stellt damit die Resultate der NTP-Studie komplett auf den Kopf! Es ist unglaublich: Die Partei schürt irrationale Ängste gegenüber Sendemasten und bagatellisiert das reale Risiko von Smartphones. Warum sie diese grobe Desinformation praktiziert liegt auf der Hand: Mit ihrer populistischen Hetze gegen Sendemasten hofft die Partei auf Wählerstimmen, sachlich gerechtfertigte Einwände gegen Smartphones vermeidet sie gezielt, dazu ist ihr die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Telefone viel zu groß. Ich erkenne darin eine infame und unverzeihliche Verdrehung des wissenschaftlichen Kenntnisstands durch die ÖDP. Ob die Befunde der NTP-Studie für Smartphones tatsächlich alarmierend sind ist keineswegs sicher, denn a) lassen sich Befunde aus Tierstudien nicht 1:1 auf Menschen übertragen und b) wurden die Versuchstiere lebenslang neun Stunden täglich intermittierend befeldet (10 min. Signal an, 10 min. Signal aus), kein Mensch ist einer solchen Labor-Exposition in seinem Alltag ausgesetzt. Solche relativierenden Details, von denen es noch viel mehr gibt, haben in Buchners Hetz-Video keinen Platz.

4. Satz: Buchners Behauptung, bei 5G sollen die Grenzwerte sogar noch erhöht werden, ist falsch. Wo er sich seine Falschmeldung mutmaßlich abgeschaut hat und warum diese Falschmeldung jeder Grundlage entbehrt, das ist <hier> detailreich und für jedermann nachvollziehbar erklärt.

Der Rest des Videos ist keinen Deut besser als die kurze Passage, in der Klaus Buchner persönlich zu Wort kommt. So sagt der Sprecher anlässlich der Erwähnung einer Ferkelstudie, "man" habe unter Funkeinwirkung erstmals schlimme Missbildungen bei den Ferkeln beobachtet. Was der Sprecher verschweigt: "man" ist niemand anders als wieder nur der Hobby-Mobilfunkforscher Klaus Buchner. Über seine dilettantische Studie schweigt die Wissenschaft höflich, nicht aber das IZgMF-Forum. Auf die übrige Desinformation des Videos möchte ich nicht weiter eingehen, es lohnt die Mühe nicht.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Verantwortungslos, Desinformation, Buchner, Populist, Dossier, Smartphone, NTP-Studie

Buchners Logo-Coup: Antwort aus Brüssel

H. Lamarr @, München, Freitag, 27.12.2019, 17:02 (vor 266 Tagen) @ H. Lamarr

Nicht klar ist mir, ob die Grünen/EFA wirklich das was Dr. Buchner da von sich gibt unterstützen oder ob man hier nur mal wieder den Trick anwendet, der Fehler passiert im Kopf des Leser.

Ja, das Logo der EU-Parlamentsfraktion DieGrünen/EFA am Beginn und am Ende des Buchner-Videos suggeriert, die Fraktion teile die verschrobenen Ansicht des ÖDP-Abgeordneten. Ich werde deshalb bei der Fraktion nachfragen, ob dies zutrifft und Buchners Verwendung des Logos von der Fraktion autorisiert wurde.

Also, die Sache ist so: Als Abgeordneter des Europäischen Parlaments und Mitglied der 75-köpfigen Fraktion DieGrünen/EFA hat Klaus Buchner ein Anrecht, Finanzmittel zum Zweck persönlicher Öffentlichkeitsarbeit zu beantragen. Nach einer internen Prüfung, die in erster Linie jedoch finanztechnischer Natur ist, können auch Info-Videos erstellt werden, solang diese nicht eindeutig gegen abgestimmte Positionen der Fraktion verstoßen. Nach den Regeln des Europäischen Parlaments werden derartige Produkte dann mit dem Logo der Fraktion veröffentlicht.

In Bezug auf die Gretchenfrage, ob von Mobilfunk gesundheitsgefährdende Auswirkungen ausgehen, hat die Fraktion DieGrünen/EFA keine in allen Teilen abschließend abgestimmte Position. Ziel der Fraktion sei es, so wurde mir mitgeteilt, sich, wie auch in anderen Fragen, für eine "vernünftige Folgenabschätzung auf Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse" einzusetzen. Das klingt ausgesprochen vielversprechend und ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Panikmacher Klaus Buchner anstrebt.

Und dennoch: Um konkrete weitere Fragen, ob die Fraktion das Grusel-Video von Buchner billigt oder ob sie erwägt, den ÖDP-Mann für sein unvernünftiges Video auf Grundlage ungesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse abzumahnen, machten meine Ansprechpartner in Brüssel leider einen weiten Bogen. Das Ausweichen ist nachvollziehbar, denn solange die Fraktion keine rundum abgestimmte Position in der Mobilfunkfrage hat, kann sie Buchner schließlich schlecht zur Mäßigung auffordern.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Buchner, Populismus, MdEP

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