Unbekannte Risiken: E-Zigarette vs. Mobiltelefon (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 02.10.2019, 16:57 (vor 360 Tagen)

Der mobile Massenfunk begann in Deutschland und anderen Ländern um 1992 herum. Das ist heute 27 Jahre her und trotz intensiver Forschung gibt es bislang keine wissenschaftlich gesicherte Evidenz, Mobiltelefone könnten gesundheitsschädlich sein. Gesicherte Todesfälle infolge EMF-Einwirkung durch Mobiltelefone sind nicht bekannt, Verdachtsfälle in den USA hielten einer gerichtlichen Prüfung auf einen Kausalzusammenhang mit EMF (bislang) nicht stand.

Szenenwechsel

Gemäß Wikipedia begann der Massenmarkt für E-Zigaretten nach dem Verdampferprinzip um 2006 herum, also vor 13 Jahren. Am 27. September 2019 meldete dpa:

Die Zahl der Todesfälle durch E-Zigaretten in den USA ist auf zwölf gestiegen. Zudem gebe es inzwischen viele Verletzte, die vor allem Lungenschäden erlitten, so die US-Gesundheitsbehörde CDC. Die Ursache für die Lungenschäden ist weiter völlig unklar.

Experten vermuten, es könnten etwa Aromastoffe in den Flüssigkeiten verantwortlich sein, das Vermischen mit Ölen, die den Cannabis-Wirkstoff THC oder Vitamin E enthalten, oder aber Schwarzmarktprodukte. Gesichert ist das allerdings nicht.

Unklar bleibt in der dpa-Meldung, ob die Todesfälle auf das Einatmen des Dampfes zurückzuführen sind oder auf technische Defekte an den Verdampfern (z.B. explodierende Akkus).

Fazit

Sind mit einer neuen Technik verborgene Risiken verbunden, zeigen sich diese im Laufe der Zeit, wenn mehr und mehr Gebrauch von der riskanten Technik (z.B. Auto) gemacht wird. Kleine Restrisiken schälen sich erst heraus, wenn eine riskante Technik massenhaft über einen längeren Zeitraum genutzt wird. Mit derzeit etwa 3,3 Mrd. Nutzern kann die Mobilfunktechnik nach rund 30 Jahren gut und gerne als gesundheitlich unbedenklich betrachtet werden. Sollten auch in 20 Jahren noch immer keine konkreten Gesundheitsrisiken dingfest gemacht worden sein, wird das Munkeln & Raunen über mögliche Schadwirkungen langsam aber sicher aus den Gazetten verschwinden und die Anti-Mobilfunk-Szene sich auflösen. Ob freilich jemals die Nulllinie erreicht wird, das haben künftige Generationen zu beurteilen.

Bei der E-Zigarette sieht es schlechter aus, sie ist erst halb so lange auf dem Markt wie Mobiltelefone und wird gemäß Ärztezeitung in Deutschland von "nur" 2 Mio. genutzt, das sind wenige im Vergleich zu den 140 Mio. Mobilfunkverträgen für rd. 83 Mio. Bundesbürger. Die E-Zigarette wird deshalb noch geraume Zeit unter Verdacht stehen und ein verborgenes Restrisiko ist bei ihr (noch) deutlich größer als bei Mobiltelefonen. Dennoch gibt es mWn keine organisierten E-Zigarettengegner, die mit öffentlichen Kundgebungen Stimmung gegen Verdampfer machen. Dass es heute trotz Jahr für Jahr sinkender Risikorelevanz noch immer Mobilfunkgegner gibt, dürfte maßgebend daran liegen, dass etliche Geschäftsmodelle von Einzelunternehmern und kleinen Betrieben auf Panikmache gegenüber Funk aufbauen und es diesen Geschäftemachern gelingt, Teile der Bevölkerung für ihre Interessen zu instrumentalisieren. Im Markt der E-Zigaretten gibt es vergleichbare Geschäftemacher mit der Angst nicht.

Hintergrund
Beurteilung der Evidenz für biologische Effekte schwacher Hochfrequenzstrahlung (PDF, 53 Seiten)

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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