Smartphone vs Schnurlostelefon (Allgemein)

cyberchris, Dienstag, 31.01.2017, 12:34 (vor 2134 Tagen)

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage bzgl. der Nutzung von Smartphones und Schnurlostelefonen.

Grundsätzlich vermeide ich diese beiden Geräte zum telefonieren, sofern möglich.
Zuhause haben wir zwar ein Mobilteil, aber nutzen dies nur für Kurzgespräche. Ist auch ein Eco-Modell dass nicht stahlt wenn auch nicht telefoniert wird. Handy ist Zuhause i. d. R. auch ausgeschaltet bzw. auf Flugmodus.

Von meiner beruflichen Seite habe ich lange Zeit ein Schnurlostelefon gemieden, musste mich dem aber beugen, da ich viel im Unternehmen unterwegs bin.

Nun stelle ich mir die Frage, welches Medium strahlungsärmer bzw. besser für meine Gesundheit ist. Ich habe hier nämlich die Möglichkeit ein Smartphone zu verwenden was für mich den Vorteil hätte, dass ich unterwegs meine Termine einsehen kann und auch eine Privatnutzung zulässig ist.

Gibt es hierzu Untersuchungsergebnisse die belegen oder vermuten lassen welches der beiden Geräte das "schlechtere" für einen Menschen ist?

Ich hoffe ich konnte mein Anliegen verständlich darlegen. Es geht darum ob ich zukünftig besser mit einem Schnurlostelefon oder mit einem Smartphone in der Firma unterwegs bin.

Besten Dank
Gruß Christoph

Tags:
DECT, ECO-Modus, Teilkörper-SAR, Sendeleistung, Teilkörperexposition, Smartphone

Smartphone vs Schnurlostelefon

Kuddel, Dienstag, 31.01.2017, 22:58 (vor 2134 Tagen) @ cyberchris

Hallo Christoph

die Frage läßt sich nicht pauschal beantworten, da fast alle Funktechnologien die Sendeleistung entsprechend der Qualität der Funkverbindung anpassen.

Telefonieren kann man ja heutzutage "schnurlos" per

1) DECT
Die SAR liegt bei voller Sendeleistung um die 40..100mW/kg, je nach Gerät.
Zum Vergleich: Der offizielle Grenzwert "am Kopf" beträgt 2000mW/kg, liegt also über 20 fach höher .
Fast alle neueren Markengeräte (seit ca 2010) haben eine 2-stufige Sendeleistung und reduzieren die Sendeleistung, wenn der Empfang der Basis gut genug ist.
Das ist in der Regel im selben Raum bis zu einem Raum neben der Basisstation der Fall.
Dann wird die SAR auf ca 5...20mW/kg absinken (je nach Modell).

Tipp: Bei einigen Komfort-Mobilteilen läßt sich die geringe Leistungsstufe im Konfigurationsmenue auch fest einstellen bzw erzwingen, wenn man mit ca 2/3 der Maximalreichweite auskommt.

2.) WLAN
Bei WLAN (z.b. beim Telefonieren per WhatsApp) ist zwar keine explizite Sendeleistungsregelung vorgesehen, allerdings ändert WLAN die Länge der Sendepulse anhängig von der Qualität der Verbindung. Je geringer die angezeigte Übertragungsrate, desto höher die SAR. Die Sendeleistung des WLAN in von Mobiltelefonen liegt um die 20..50mW. Allerdings ist durch den extrem flachen Aufbau bei "Smart Phones" die Antenne "näher" am Körper als bei voluminöseren DECT Geräten, so dass trotz der geringen Spitzenleistung die SAR im Extremfall höhere Werte als bei DECT erreichen kann (z.B. wenn man parallel Downloads durchführt oder Videos "streamt").
Bei reinen Sprachverbindungen wird die volle Datenkapazität der WLAN-Verbindung aber nicht ausgenutzt was sich wiederum günstig auf die SAR auswirkt, da nur kurze Pulse gesendet werden.
Die gemittelte SAR kann somit zwischen zwischen <1 mW/kg bei optimaler Spachverbindung (im selben Raum mit dem Router) bis herauf zu ca 100mW/kG varieren.
Im Großen und Ganzen kein wesentlicher Unterschied zu DECT.

3) Mobiltelefonie
Mobiltelefone haben seit je her eine eine Sendeleistungsregelung mit recht großem Regelumfang, wodurch die SAR abhängig von der Verbindungsqualität zwischen <1mW/kg bis zu 1000mW/kG (kurz vor Verbindungsabriss) variieren kann.
Befindet man sich in der Nähe der Basisstation und telefoniert über UMTS oder LTE , hat man in der Regel von allen 3 Funktechniken die geringste Belastung. Ist der Empfang aber schlecht, z.B. wegen großer Entfernung zur Basis oder metallbedampfter Fenster, kann die Belastung auch 10 bis 100-fach höher als bei DECT und WLAN sein (100-fach, wenn DECT herunteregelt hat bzw und WLAN eine gute Verbindungsqualität hat (die maximale Datenrate angezeigt wird).

Der Vorteil von DECT und WLAN ist, daß man sicher "weiss", dass die SAR kaum über 100mW/kG steigen kann.

Die geringste SAR beim Telefonieren ermöglicht bei allen Technolgien der Freisprechmodus oder ein Headset. Allerdings sollte man dabei vermeiden, daß Gerät eng am Körper zu tragen (Hemdtasche), da dann der Empfang besonders schlecht ist und die Geräte dazu tendieren heraufzuregeln. Etwas günstiger wäre ein Gürtelclip, da das Gerät dann etwas vom Körper absteht, was bez SAR durchaus Faktor 5 und mehr ausmachen kann.

K

Smartphone vs Schnurlostelefon

H. Lamarr @, München, Dienstag, 31.01.2017, 23:34 (vor 2134 Tagen) @ cyberchris

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage bzgl. der Nutzung von Smartphones und Schnurlostelefonen.

Grundsätzlich vermeide ich diese beiden Geräte zum telefonieren, sofern möglich.
Zuhause haben wir zwar ein Mobilteil, aber nutzen dies nur für Kurzgespräche. Ist auch ein Eco-Modell dass nicht stahlt wenn auch nicht telefoniert wird. Handy ist Zuhause i. d. R. auch ausgeschaltet bzw. auf Flugmodus.

Von meiner beruflichen Seite habe ich lange Zeit ein Schnurlostelefon gemieden, musste mich dem aber beugen, da ich viel im Unternehmen unterwegs bin.

Nun stelle ich mir die Frage, welches Medium strahlungsärmer bzw. besser für meine Gesundheit ist. Ich habe hier nämlich die Möglichkeit ein Smartphone zu verwenden was für mich den Vorteil hätte, dass ich unterwegs meine Termine einsehen kann und auch eine Privatnutzung zulässig ist.

Nach aktuellem Stand des Wissens geht weder von einem Schnurlostelefon noch von einem Handy ein Gesundheisrisiko aus, Sie können wahlweise beides nach belieben nutzen. Dies ist die einfachste Lösung.

Wenn Sie hingegen Vorsorge walten lassen wollen wird es etwas schwieriger, denn dann kommt es darauf an, welches Gerät wie stark Funkfelder aussendet.

Bei DECT-Mobilteilen ist das noch ziemlich einfach, die senden mit 250 mW Peakleistung sogenannte Bursts. Da zwischen den Bursts lange sendefreie Pausen sind, resultiert daraus eine mittlere Sendeleistung von rund 10 mW. DECT schließt eine Leistungsregelung (wie bei Handys) zwar nicht aus, es ist aber so gut wie nichts darüber bekannt, welche Modelle eine solche Regelung abhängig von der Qualität der Funkverbindung zwischen Mobilteil und Basisstation nutzen. Siemens (Gigaset) soll eine 2-stufige Regelung bei seinen Modellen haben, sicher ist dies aber nicht. Gehen Sie daher vom schlimmsten Fall aus, dass keine Regelung wirkt und die Geräte nach einem Verbindungsaufbau mit voller Leistung (250 mW/10 mW) senden. Ohne Gespräch senden DECT-Mobilteile nicht.

Handys haben immer eine Sendeleistungsregelung, nicht wegen Gesundheitsaspekten, sondern um die Akkulaufzeit zu optimieren. Die Mobilfunk-Basisstation "sagt" dem Handy, welche Sendeleistung es einstellen soll. Das sind je nach Funkstandard maximal 2 W (2000 mW) Peakleistung (GSM900). Die werden bei schlechter Verbindung benötigt. Bei sehr guter Verbindung (Sichtkontakt zu naher Basisstation) fällt die Peakleistung bis auf 3 mW (GSM900). Bei jüngeren Funksystemen (UMTS, LTE) sind die Werte noch deutlich niedriger.

Wenn Sie also wie BMW München eine Mobilfunk-Basisstation auf dem Werksgelände haben und viel im Freien unterwegs sind, ist ein Handy mit einiger Sicherheit immissionsärmer als ein DECT. Zudem bieten alle Smartphones die Möglichkeit, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung zu betreiben. Heißt: Sie reduzieren die Funkeinwirkung auf den Kopf, wenn sie das Smartphone z.B. in einer Jacketttasche mit sich führen. Andererseits bauen Smartphones je nach App-Ausstattung gerne automatisch Verbindungen auf, um z.B. E-Mails abzufragen, Apps zu aktualisieren oder Navidaten nachzuladen, DECTs machen dies nicht.

Ein einfache Pauschalantwort (z.B. nimm das Smartphone) ist wegen diverser Unbekannten in der Gleichung also leider nicht möglich. Aus meiner Sicht aber auch nicht nötig, denn so oder so haben Sie nichts zu befürchten, wenn Sie nicht zu den Exoten gehören, die täglich drei Stunden oder länger am Telefon hängen. Und selbst dann ist es noch keineswegs sicher, dass diese Intensivbefeldung schädlich ist.

Gibt es hierzu Untersuchungsergebnisse die belegen oder vermuten lassen welches der beiden Geräte das "schlechtere" für einen Menschen ist?

Solche Untersuchungsergebnisse sind mir nicht bekannt. Wegen der Variablen bei der Handy-/Smartphonenutzung (Entfernung zum Sendemasten, Schirmung durch Stahlbeton, App-Aktivitäten) halte ich es auch für schwierig, hier brauchbare Aussagen zu bekommen. Denn wenn ein bestimmtes Szenario angenommen wird heißt dies im Klartext: Die Wahrscheinlichkeit, dass es für Sie passt, geht gegen Null.

Ich hoffe ich konnte mein Anliegen verständlich darlegen. Es geht darum ob ich zukünftig besser mit einem Schnurlostelefon oder mit einem Smartphone in der Firma unterwegs bin.

Vielleicht das noch, wenn Sie partout einen Vorsorgetipp brauchen: Sind Sie vorwiegend drinnen unterwegs würde ich zu DECT raten, vorwiegend draußen zum Smartphone.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Bluetooth, Smartphone, Eco

Smartphone vs Schnurlostelefon

cyberchris, Mittwoch, 01.02.2017, 12:44 (vor 2133 Tagen) @ cyberchris

Hallo,

vielen Dank für eure sehr, sehr ausführlichen Antworten.
Mir ist bewusst, dass das nicht pauschalisiert werden kann. Aber ich habe zumindest mal ein paar Informationen hierzu erhalten.

Hinzu kommt m. E. primär ob während des Telefonierens mit einem Handy die Datenverbindung steht. Die Funksignale wurden mal in einem Vortrag hörbar gemacht.
Einmal ohne Datenverbindung - ruhige und gleichmäßigere Töne und dann mit Datenverbindung lautere und vor allem unruhigere Töne.

Ein Handy wäre schon sehr komfortabel in vielerlei Hinsicht. Daher bin ich es schwer am überlegen.
Komfort vs. Gesundheit bzw. meine Gesundheitsbedenken.

Schönen Tag
Christoph

Smartphone vs Schnurlostelefon

Kuddel, Mittwoch, 01.02.2017, 22:08 (vor 2133 Tagen) @ cyberchris

Die Funksignale wurden mal in einem Vortrag hörbar gemacht.
Einmal ohne Datenverbindung - ruhige und gleichmäßigere Töne und dann mit Datenverbindung lautere und vor allem unruhigere Töne.

Sie sollten nicht von den "Geräuschen" auf irgendeine Gefährlichkeit schließen.

Diese Messgeräte sind nichts anderes, als (Breitband) Radioempfänger, einzig zu dem Zweck entwickelt, anderen "Besorgnis" einzuflössen (Angst zu machen)

Die Emotionen, welche diese Modulationsgeräusche hervorrufen, spielen sich rein im Kopf ab.

Wenn sie ein "Radio" garnicht einschalten, werden Sie weder krank davon, wenn irgendein Rundfunksender gerade in einer Reportage die Geräuschkulisse eines Güterbahnhofs "sendet", noch gesünder, wenn der Sender harmonische Feng-Shui-Klänge sendet.

Sie bekommen es ja garnicht mit!
Ihr Körper ist ohne derlei technischer Hilfsmittel garnicht in der Lage, wie ein Radio aus einer Hochfrequenzaussendung durch Gleichrichtung die Amplitudenhüllkurve zu "demodulieren" und hörbar zu machen.

Erst wenn sie das Radio einschalten, und sich damit den "Geräuschen" aussetzen, werden Emotionen geweckt und erzeugen Wirkungen wie Beklemmung, Stress oder Wohlbefinden.

Sie können auch ein empfindliches Mikrofon in den Wind halten und den Verstärker voll aufdrehen. Das Rauschen und Knacken klingt schrecklich nervenaufreibend, aber bedeutet das automatisch, dass "Wind" gefährlich ist ?

Sie sollten sich ebenfalls verdeutlichen:
Diese "Mess"-Geräte verstärken die Funksignale mehrtausendfach um sie überhaupt per Lautsprecher hörbar zu machen. Was Sie dann als aufdringlich "laut" und "unangenehm" wahrnehmen, ist in Wirklichkeit viel schwächer.

Genausogut kann man mit einer Mikroskopkamera eine Ameise soweit vergrößern, das sie auf einem Bildschirm wie ein schreckliches Urweltmonster aussieht, welches Alpträume auslösen könnte. Gefährlicher wird die Ameise dadurch freilich nicht.

Fast alle diese "Mess" Geräte tendieren dazu, das akustische Singal zu übersteuern, damit es grausiger klingt und auch sehr schwache Signale schon laut zu hören sind.

Der "Marktführer" dieser Geräte fügt gar eine Art feldstärkeabhängiges Geigerzähler-Geknatter hinzu (künstlich per Synthesizer), so dass die Lautsprecherwiedergabe nur noch entfernt etwas mit den echten Hüllkurvengeräuschen der Funk-Modulation zu tun hat, aber wunderbar ein "Flair" von gefährlicher Radioaktivität verbreitet.

Und einzig darum geht es den Entwicklern und Kunden dieser Geräte schließlich: "Besorgnis" hervorzurufen.

K

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