Social Bots: Rendevouz mit einem fiesen Algorithmus (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 25.10.2016, 14:36 (vor 1555 Tagen)

Social Bots sind Programme (Algorithmen), die gerne in sozialen Netzwerken Daten über Menschen sammeln und Menschen imitieren. Lobbyisten können mit solchen Bots die öffentliche Meinung nach belieben modellieren, indem sie z.B. bei facebook Bots gezielt bestimmte Einträge massenhaft "liken" oder bei Twitter Tweets massenhaft "retweeten" lassen. Dies sieht dann nach einer überwältigenden Zustimmung aus, die tatsächlich nicht gegeben ist. Ein Experiment zeigte: Bots konnten bei facebook in kurzer Zeit tausende Freunde gewinnen. So unglaublich es klingt, scheint es Menschen im www doch schwer zu fallen sicher zu erkennen, wenn sie sich nicht mit einem Menschen unterhalten, sondern mit einer Maschine. Wie so ein Bot im Prinzip funktioniert kann auf dieser Website jeder erfahren, indem er telefonisch auf ahnungslose Freunde eine Maschine mit der Frage loslässt: Was machst Du in meinem WLAN?

Der deutschsprachige Facebook-Auftritt des Scheidsteger-Films "Thank you for Calling" hat seit 20. November 2015 bis heute 1249 "Gefällt mir"-Wertungen eingesammelt. Wirklich? Wer sich die Namen der "Liker" ansieht, wird auf Namen stoßen, die Bots vermuten lassen. Hier einige Beispiele:

11. Oktober: Carmen Caballero, Robert Brosch und 8 anderen gefällt das.

02. Oktober: Jean-François Dubois, Othmar Berner, Anton Maurer und 4 anderen gefällt das.

29. September: Jean-François Dubois, Qadir Aghyar, Zilpah Hara Reichert und 26 anderen gefällt das.

30. Mai: Gabriele Schwanke, ‎וולטר שטדלר‎, Mani Hochfein und 7 anderen gefällt das.

01. März: Danielle Ernestine Quillery, Nicole Reilich, Emma Sommeregger und 8 anderen gefällt das.

01. Dezember (2015): Renate Knöpfle, Denis Schneider, Lótyi Bee und 52 anderen gefällt das.

Einen Beweis, dass z.B. Qadir Aghyar und Zilpah Hara Reichert keine Menschen, sondern Bots sind, gibt es nicht. Und wenn sie Bots sind ist es zwar naheliegend aber dennoch nur ein Verdacht, wer die Bots (vermutlich gegen geringes Honorar) engagiert hat, damit sie Gefallen bekunden.

Eine große Spielwiese für Bots sind auch Einträge in Foren, Gästebüchern, Blogs, Kommentarfeldern ... Nachfolgend einige Beispiele von Einträgen, die seit 20. Oktober 2016 ins Gästebuch des IZgMF schwappten:

I think your post is very interesting and mostly i keep looking for like this type of websites where i learn or get new concept. I am happy to visit on your site. Thanks to share it.

Wollte euch nur mal schöne Grüße da lassen.

Super Seite. Danke für den echten Mehrwert.

Nice site! Thanks for your professional contents!

Schöne und informative Seite. Grüße an das izgmf Team!

Die vermeintlich warmen Worte sollen Webmastern das Herz aufgehen lassen und so am Löschen hindern. Bei einer bekannten Schweizerischen Anti-Mobilfunk-Website würde der Chef des Hauses sich unter Garantie tatsächlich megastark bestätigt sehen. Doch dass es sich hier nur um Bots handelt zeigen zweifelsfrei die Original-Einträge: Jedem Eintrag ist eine www-Adresse hinterlegt. Wer neugierig auf so eine Tellermine tritt, landet bei irgendeinem kommerziellen Angebot. Der Bot-Betreiber bekommt dafür, dass er einen potentiellen Kunden vorbeischickt, einen winzigen Betrag an Provision gutgeschrieben. Die Kleckerbeträge summieren sich, hinterlassen die Bots abertausende solche Einträge in unzureichend geschützten Webauftritten.

Hintergrund
Social Bots im Netz: Die Meinungsmaschinen sind unter uns
Wie uns Social Bots beeinflussen und warum sie so gefährlich sind
Greenwashing und Astroturfing

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Zweifel, Manipulation, Lobbyismus, Netzwerk, Kommerz, Calling, Astroturfing, Auftragsarbeit

Radiotipp 29.11.16: Meinungsmaschinen im Netz

H. Lamarr @, München, Samstag, 26.11.2016, 13:11 (vor 1523 Tagen) @ H. Lamarr

IQ - Wissenschaft und Forschung
Meinungsmaschinen im Netz
Dienstag, 29.11.2016
18:05 bis 18:30 Uhr
Bayern 2

Meinungsmaschinen im Netz
Wenn Social Bots uns manipulieren
Von Martin Schramm

Als Podcast verfügbar

Ob Stimmungsmache gegen Flüchtlinge oder ideologische Wahlkampfparolen im Netz - immer öfter werden soziale Medien mit fragwürdigen Botschaften geflutet. Das Problem: Unter die Nutzer schmuggeln sich auch viele „Fake-Accounts“, sogenannte „Social Bots“. Sie geben vor, Menschen aus Fleisch und Blut zu sein. Doch dahinter stecken „Software-Roboter“, die automatisiert Inhalte verbreiten.

Manche dieser Bots sind eher harmlos. Beispielsweise wenn sie Wetterberichte und Lokalnachrichten verbreiten. Andere sind mehr als fragwürdig. Und zwar dann, wenn sie gezielt Spam oder rassistische Hasskommentare verschicken. Einzelne Nutzer, aber auch ganze Gruppen sollen so beeinflusst und manipuliert werden, Trends und Stimmungen im Netz gezielt gesteuert werden, beispielsweise um Wahlen und Abstimmungen zu beeinflussen.

Wie genau werden diese „Meinungsmaschinen“ programmiert? Wer verdient damit Geld? Warum sind sie oft nicht von Menschen zu unterscheiden? Und vor allem: Sind wir diesen Bots einfach so ausgeliefert, oder können wir uns schützen?

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Social Bot mit Sprachschwierigkeiten

H. Lamarr @, München, Dienstag, 20.12.2016, 18:16 (vor 1499 Tagen) @ H. Lamarr

Social Bots sind Programme (Algorithmen), die gerne in sozialen Netzwerken Daten über Menschen sammeln und Menschen imitieren.

Hier ein konkretes Beispiel. Heute um 13:13 Uhr hinterließ ein Social Bot im Gästebuch des IZgMF den Eintrag:

Ich verstehe das Problem mit dem Mobilfunk in Deutschland nicht, aber Tatsache ist, dass Radio heutzutage veraltet ist. Sie m�ssen Video-Inhalte, um zu gewinnen und sich mit mehr Menschen.

Der Anfang des Textes ist noch ganz in Ordnung, dann aber kam der Algorithmus wegen der Tücken der deutschen Sprache kräftig ins Schleudern. Was die virtuelle Identität "Trusera" im Gästebuch wirklich wollte, war (außerhalb des Eintrags) das Hinterlassen eines Links zu einer gleichnamigen kommerziellen Website, bei der portugiesisch Sprechende z.B. "Testosterona" kaufen können. Mit solchen "Backlinks" werden nicht nur ein paar Schlappschwänze eingefangen, viel wichtiger ist den Auftraggebern der Imagegewinn bei Suchmaschinen: Je mehr Backlinks eine Site vorzuweisen hat, desto besser werden sie in den Trefferlisten von Suchmaschinen platziert weil die Maschinen annehmen, die Zielseite sei wegen der vielen Links wichtig. Der literarische Gehalt eines Bot-Eintrags ist daher in diesem Fall zweitrangig, dieser soll nur ausreichen, um Webmaster am Löschen so eines Eintrags zu hindern.

Der Bot oben ist schlecht programmiert und deshalb leicht zu erkennen.
Noch.

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