Franz Leszczynski: Wir müssen leider draußen bleiben (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 26.02.2016, 23:56 (vor 1741 Tagen)

Seitdem er bei der finnischen Strahlenschutzbehörde Stuk ausgeschieden ist und von organisierten deutschen Mobilfunkgegnern als vorgeschobener Beobachter mal hierhin, mal dorthin geschickt wird, leistet sich der finnische Wissenschaftler Dariusz Leszczynski die verschrobenen Ansichten seiner Reisekostenerstatter.

Nochfolgender Text ist die Zusammenfassung von Leszczynskis jüngstem Reisebericht in deutscher Übersetzung, feilgeboten von der Stifung Pandora:

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Professor Dariusz Leszczynski hat 2015 mit Unterstützung der Stiftung Pandora und der Kompetenzinitiative e.V. an der BioEM2015 in Asilomar, Kalifornien, USA, und an der Science and Wireless 2015 in Melbourne, Australien, teilgenommen. In seinem Bericht von der BioEM2015 kritisiert er vor allem das Fehlen von Forschung am Menschen, die für den Nachweis gesundheitlicher Risiken der Hochfrequenzstrahlung unerlässlich ist und die Unfähigkeit der Wissenschaft, bei der Diskussion kontroverser Themen einen gemeinsamen Weg zu finden. Die Botschaft aus Australien geht über diese Kritik weit hinaus. Dort wird der Versuch unternommen, die kritische Wissenschaft von der Diskussion auszugrenzen. Dies ist Botschaft:

  • Nahezu alle wissenschaftlichen Organisationen, die mit dem Strahlenschutz der Bevölkerung befasst sind, sei es mit der Erstellung der Sicherheitsstandards oder als Berater von Regierungen weltweit, werden von der Industrie mit Hilfe von Wissenschaftlern, die sich ihrer besonderen Gunst erfreuen, kontrolliert.
  • Das vordringliche Anliegen dieser im Auftrag der Industrie tätigen Wissenschaftler ist offensichtlich die Korrektur der Entscheidung der IARC, des Krebsforschungsinstituts der WHO, die die Hochfrequenzstrahlung 2011 als „möglicherweise krebsverursachend“ eingestuft hat.
  • Zur Vortäuschung der Validität der gegenwärtigen Sicherheitsstandards, die ausschließlich auf thermischen Wirkungen beruhen, versuchen sie mittels einer phantasievollen, aber substanzlosen Hypothese nachzuweisen, dass es sich bei der bereits erwiesenen athermischen Wirkung der Hochfrequenzstrahlung auf das EEG um eine thermische handelt, weil es entsprechend den Sicherheitsstandards athermische Wirkungen nicht geben kann.
  • Unter Missachtung der Ergebnisse der unabhängigen Forschung, die eindeutig für ein gesundheitliches Risiko der Hochfrequenzstrahlung sprechen, fordern sie immer unverfrorener die Einstellung der Hochfrequenzforschung, da ihrer Meinung nach alle bisherigen Forschungsbemühungen trotz hoher Kosten unergiebig geblieben sind.

Wer bei dieser Sachlage immer noch annimmt, dass seine Gesundheit beim staatlichen Strahlenschutz in guten Händen sei, dem ist wohl nicht mehr zu helfen.
Doch lesen Sie selbst den Bericht als PDF >>> [745 KB]

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Es ist also wieder einmal Weltverschwörung gegen wissenschaftliche Außenseiter angesagt. Damit soll das Vertrauen der Bevölkerung in die staatliche Aufsicht untergraben werden. Das IZgMF hat einen ähnlichen Versuch, der auf das Konto der sogenannten Kompetenzinitiative geht, 2011 untersucht und festgestellt: diese Verschwörungsfans leiden unter Wahrnehmungsverzerrungen und beträchtlicher Inkompetenz. Dennoch versuchen überzeugte und andere Mobilfunkgegner sich immer wieder neu daran, die Integrität von Ämtern und Behörden infrage zu stellen. Wer einige der Lebensläufe dieser Mobilfunkgegner kennt, kann über die Dreistigkeit der Angriffe nur staunen. Ob die Attacken überhaupt die erhoffte Wirkung haben ist mit Blick auf den allgemeinen Niedergang der Mobilfunkgegnerei höchst fraglich. Und weil die Angreifer meist zwischen 70 und 90 Jahre alt sind, dürfen sie mit schmerzhaft großer Toleranz seitens der Angegriffenen rechnen.

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, WHO, Inkompetenz, Leszczynski, Adlkofer, BioEM, Stiftung-Pandora, Niedergang, Auftragsarbeit, Kontroverse, Krebsforschungsinstitut

2002: Adlkofer vs. Bernhardt

H. Lamarr @, München, Samstag, 27.02.2016, 16:34 (vor 1740 Tagen) @ H. Lamarr

In seinem Bericht von der BioEM2015 kritisiert er vor allem das Fehlen von Forschung am Menschen ...

Rücksprung ins Jahr 2002. Damals veröffentlichte Prof. Jürgen Bernhardt den Beitrag "Gesundheitliche Aspekte niederfrequenter Felder der Stromversorgung" in Ausgabe 27 der Zeitschrift Deutsches Ärzteblatt. Im November schrieben Adlkofer et al. dazu einen Leserbrief, auf den der Autor erwiderte. Hier der Beginn von Bernhardts Antwort, die mir wichtige Passage habe ich rot markiert:

Die Befunde über gentoxische Wirkungen bei der Exposition von Zellen mit niederfrequenten Magnetfeldern, auf die Prof. Adlkofer et al. hinweisen, müssen weiter abgeklärt werden. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass Befunde auf In-vitro-Ebene sich häufig nicht mehr auf tierexperimenteller Ebene zeigen. Dies erschwert die Bewertung der Bedeutung von In-vitro Befunden für die Gesundheit des Menschen. Wichtig sind daher nicht nur die Aufklärung der Mechanismen, sondern auch geeignete weiterführende Versuche auf tierexperimenteller Ebene.

Kommentar: Die NF-Befunde von "Reflex" waren nicht weniger dramatisch als die HF-Befunde. In der öffentlichen Wahrnehmung haben sie dennoch zu keiner Zeit auch nur annähernd den Stellenwert erreicht, wie der Streit um mögliche Risiken des Mobilfunks. Ob bei HF/NF Untersuchungen auf tierexperimenteller Ebene hinreichend stattgefunden haben und die Ergebnisse – wie von Leszczynski gefordert – Studien am Menschen rechtfertigen, das kann ich nicht beurteilen.

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Reflex, BioEM, In-Vitro, Bernhardt

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