Vergewaltigung einer 13-Jährigen: Russisches Manöver (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 26.01.2016, 20:31 (vor 1415 Tagen)

Wer hier mit liest weiß: Die Mobilfunkdebatte wirkt auf Außenstehende als der ehrenwerte Kampf einer kleinen Schar ums Gemeinwohl besorgter Bürger, die sich mit der mächtigen und gewinnsüchtigen Mobilfunkindustrie anlegen. Doch wer das gutgläubig für bare Münze nimmt, der glaubt auch, dass Zitronenfalter ...

Tatsächlich ist die Mobilfunkdebatte ein Sumpf. Nichts ist wie es scheint, jeder verdächtigt jeden, einige Teilnehmer pflegen Profilneurosen, andere entfliehen mit Hilfe der Debatte der Einsamkeit, die stärkste Triebfeder aber sind aus meiner Sicht die verdeckten kommerziellen Interessen, mit denen Geschäftemacher die Angst vor Elektrosmog zur Ertragsmehrung missbrauchen und weniger gerissene Mobilfunkgegner als "nützliche Idioten" für ihre Ziele geschickt einspannen.

Von alleine tut sich der Blick hinter die Kulissen der Mobilfunkdebatte freilich nicht auf, denn Geschäftemacher, Profilneurotiker und Krankheitsgewinnler präsentieren sich unisono als selbstlose Helfer, wachsame Mahner oder edle Minderheitenschützer. Erst mit mühevoller Kleinarbeit schält sich langsam das wahre Bild heraus, aufschlussreich ist beim Stöbern im Sediment fast immer die Frage: Wem nutzt es?

Warum ich diesen Sermon auftische?

Weil sich auf einer ungleich größeren Bühne momentan eine mMn vergleichbare Inszenierung abspielt: Die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen durch Flüchtlinge in Berlin. Was unter anderen Umständen ein eher lokaler Vorfall wäre, ist plötzlich ein außenpolitisches Thema: Die Behörden in Berlin erklären, es habe weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung des Mädchens gegeben, der russische Außenminister verdächtigt die Deutschen der Vertuschung eines Verbrechens aus politischem Kalkül heraus. Was denn nun! Wurde das Mädchen vergewaltigt? Macht Mobilfunk krank?

Cui bono?

Eine spekulative Antwort wäre: Wladimir Wladimirowitsch Putin gerät wegen des Ölpreisverfalls innenpolitisch unter Druck. Da kann es nicht schaden, abzulenken, und den Volkszorn erstmal von Moskau weg in Richtung Westen zu lenken. Oder: Bundeskanzlerin Merkel hat die Berliner Polizei angewiesen, im Interesse der Stabilität der Bundesrepublik Deutschland den Fall wahrheitswidrig herunter zu spielen. Da ich, anders als in der Mobilfunkdebatte, über diesen Fall keinerlei Hintergrundinformationen habe, muss ich glauben was die Medien berichten.

Wenn überhaupt, werden wir die Wahrheit wahrscheinlich erst in ein paar Monaten oder Jahren erfahren, wie es bei der berühmten "Brutkastenlüge" der Fall war. Geübte Desinformanten werden dann aufstehen und versuchen, diese Wahrheit mit dem Etikett Lüge zu versehen. Oder es läuft andersrum und die recherchierte reine Wahrheit ist nur eine vermeintliche, die zurecht von Informanten angegriffen wird. Wer soll da als Zaungast noch durchsteigen?

Ich meine: zeitnah kann das kein Außenstehender. Doch die Zeit arbeitet für die Wahrheit. Man muss es nur derwarten können. Zum Beispiel "Reflex": Elf Jahre nachdem die berühmt-berüchtigte Wiener Studie (Diem et al., 2005) publiziert wurde und bald acht Jahre, nachdem das Ringen um die Fälschungsvorwürfe gegen "Reflex" begann, ist von dieser umstrittenen Studie der Lack ab. Man muss es nur derwarten können. Oder wie Abraham Lincoln es gesagt haben soll: Du kannst einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk eine zeitlang. Aber du kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen.

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Tags:
Desinformation, Panikmache, Parallele, Lincoln

Vergewaltigung einer 13-Jährigen: Russisches Manöver

KlaKla, Mittwoch, 27.01.2016, 07:10 (vor 1415 Tagen) @ H. Lamarr

Chronik einer vermeintlichen Vergewaltigung

Es begann mit einer Vermisstenmeldung und endet mit dem Gerücht, "30stündige Entführung und Vergewaltigung". Das Verschwinden eines Mädchens wird von Rechten Russlanddeutschen und Moskau ausgenutzt. ...

... Fakt ist - nach den Ermittlungen unserem LKA gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung.

...Die latente Furcht vor Flüchtlingen wird von deutschen Rechtsradikalen befeuert und fällt auf fruchtbaren Boden. In der russlanddeutschen Gemeinschaft hier zu lande geht die Saat auf, jedenfalls in Berlin. Es wird ein Mix aus Wahrheit, Übertreibungen und Erfindungen angerührt, in dem die Kölner mit ausgedachten Horrornachrichten in einen Topf geworfen werden.

Die NPD die seit mehr als einem Jahr eine Protestbewegung gegen eine Aylbewerberunterkunft in Marzahn organisiert, versucht, den "Fall Elisabeth" für sich zu nutzen. Der Berliner Pegida-Ableger springt auf. Dem von Bärgida unterstützten Aufruf zu einer Solidaritätskundgebung mit Elvira unter dem Motto "Sexuelle Übergriffen von Flüchtlingen gegen Frauen und Kinder" vor dem Kanzleramt folgten am Samstag einige Hundert Menschen darunter viele Russlanddeutsche. ...

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Meine Meinungsäußerung

Märchenstunde: toter Flüchtling vs. "Elektrosensible"

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 28.01.2016, 15:34 (vor 1413 Tagen) @ H. Lamarr

Am 27.01.2016 meldet u.a. "Die Welt": In Berlin ist womöglich ein 24-jähriger Syrer gestorben, der tagelang vor dem Lageso in der Kälte anstand. Das berichtet das Bündnis "Moabit hilft". Die Polizei prüft derzeit den Fall.

Am 28.01.2016 rückt "Zeit Online" zurecht: Geschichte vom toten Flüchtling frei erfunden. Alles nur ausgedacht. Ein freiwilliger Helfer, der vom Tod eines Flüchtlings in Berlin berichtet hatte, hat zugegeben: Seine Geschichte ist nicht wahr.

Kommentar: In der Mobilfunkdebatte geht es nicht anders zu. Nur ist sie nicht wichtig genug, dass sich die Polizei um die dort kursierenden Lügengeschichten kümmert. Deshalb liegt die Halbwertszeit von Märchen in der Anti-Mobilfunk-Szene bei schätzungsweise 15 Jahren, im wirklichen Leben kann sie, wie das aktuelle Beispiel zeigt, auch schon mal nur 1 Tag dauern.

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Tags:
Lügen, Märchen, Gerüchte

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