National Roaming: Wenn Netzbetreiber sich Sendemasten teilen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 28.12.2015, 00:06 (vor 1443 Tagen)

Ein Mann, ein Wort. Ein Mobilfunk-Sendemast, ein Netzbetreiber. Jahrelang ließ sich der Zorn aufgestachelter Bürgerinitiativen leicht an einem der Netzbetreiber festmachen: Denn wer einen Sendemasten errichtete, der betrieb ihn auch. Doch diese Zeiten sind vorbei. Besonders in Regionen mit geringem Gesprächsaufkommen kann sich niemand mehr sicher sein, über welchen Mobilfunk-Sendemasten seine Gespräche abgewickelt werden. Die Grundlage dafür ist das “National Roaming”.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Roaming, Netzbetreiber

National Roaming: Widerstand der Netzbetreiber

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 08.08.2018, 10:50 (vor 488 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus heise online:

Bei den bestehenden Netzbetreibern stößt National Roaming vor allem im Zusammenhang mit der anstehenden Versteigerung der Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G auf Widerstand. "Ein National Roaming würde dazu führen, dass deutlich weniger investiert würde in Deutschland", hatte Telekom-Chef Tim Höttges jüngst bei einem Gipfeltreffen zum Thema Mobilfunk in Berlin gesagt. Die Netzbetreiber fordern Infrastrukturwettbewerb – also den Ausbau eigener Netze aller Wettbewerber.

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National Roaming: Eine Netzgesellschaft für alle Mobilfunker

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 09.08.2018, 23:43 (vor 487 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus WirtschaftsWoche vom 8. August 2018:

Horst Lennertz ist so etwas wie der Grandseigneur der deutschen Mobilfunkbranche. Wie kaum ein anderer hat der heute 75-Jährige sein gesamtes Berufsleben für den Wettbewerb auf dem deutschen Mobilfunkmarkt gekämpft. Als Mitbegründer und Technikvorstand von E-Plus Mobilfunk steuerte er seit 1994 maßgeblich den Bau des dritten Mobilfunknetzes und schuf mit vielen Netz- und Tarifinnovationen einen schnell wachsenden Konkurrenten, der es mit den beiden früher gestarteten D1- und D2-Netzen der Telekom und Mannesmann (heute: Vodafone) aufnehmen konnte. Jeder Mobilfunkbetreiber baut sein eigenes Netz – von diesem Grundsatz hat sich der E-Plus-Manager immer leiten lassen.

Jetzt wirft ausgerechnet Lennertz seine alten Grundsätze über Bord [...]

Auch die Telekommunikation brauche [...] ein „schlüssiges Gesamtkonzept“, das Doppelinvestitionen vermeidet und die Aufbaugeschwindigkeit extrem erhöht. Besser wäre es deshalb, wenn die Netzbetreiber ihre Ausbaupläne abstimmen und die Bundesländer untereinander aufteilen. Jeder der drei großen Anbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica könnte ein Drittel der Fläche Deutschlands abdecken und den Konkurrenten diskriminierungsfreien Zugang zu seinem Netz gewähren. Die drei Netzbetreiber müssten sich nur verpflichten, in ihrer Region auch die für die Anbindung der Sendemasten erforderlichen Glasfasernetze gleich mit zu verlegen.

Noch konsequenter wäre es, wenn die Netzbetreiber ihre Infrastrukturen in eine separate Netzgesellschaft ausgliedern, die allen Interessenten einen offenen Netzzugang zu fairen Konditionen anbietet. Nach Ansicht von Lennertz war es ein „gravierendes Strukturdefizit“, dass bei der Privatisierung der Bundespost im Jahr 1989 nicht die Netze in eine unabhängige Gesellschaft ausgegründet wurden.

Die Deutsche Telekom lehnte solch eine Netzgesellschaft immer ab und tut das auch noch heute. Nur der frühere Technik-Vorstand der Deutschen Telekom, Gerd Tenzer, plädierte öffentlich für die Gründung einer bundesweiten Netzgesellschaft. Doch da hatte sich der langjährige „Herr der Netze“ bereits von allen Führungsposten bei der Telekom zurückgezogen. [...]

Kommentar: Die Idee von einem Netz für alle Mobilfunker hat es Diagnose-Funker Jörn Gutbier schon länger angetan. Er glaubt, damit werde die Strahlenbelastung der Bevölkerung (auf ein Drittel) verringert und begründet das damit, das eine Supernetz würden alle die angeblich energetisch, funktechnisch und ökonomisch sinnlos weil deckungsgleich übereinander liegenden Netze (GSM, UMTS, LTE ...) der drei Netzbetreiber ersetzen. Die erforderliche Funkabdeckung sei mit wenigen Sendeanlagenstandorten möglich. Mit seinem Schlagwort "ein Netz statt zwölf oder 14" mag Gutbier sein Laienpublikum beeindrucken, ich halte es für Augenwischerei eines selbsternannten Experten. Denn zur Abwicklung des Gesprächs- und wachsenden Datenaufkommens wird die gesamte Sendetechnik weiterhin benötigt, egal ob diese nun in einem, zwölf oder 14 Netzen organisiert ist. Ein Beleg für meine Behauptung: 2015 schluckte O2 den Konkurrenten E-Plus. Gemäß Gutbier müssten plötzlich die E-Plus-Masten überflüssig gewesen sein. Tatsächlich soll E-Plus damals 18'000 Sendemasten verkauft haben. Doch die wurden nicht demontiert und die Technik verschrottet, sondern von der O2-Muttergesellschaft Telefonica teilweise zurückgemietet, der Rest (7700 Masten) ging an die Deutsche Telekom. Ein zweiter Beleg: Die Anzahl der Standorte für Mobilfunk-Sendeanlagen in Deutschland wuchs bis 2018 weiter, obwohl die Anzahl der Netzbetreiber 2015 von vier auf drei fiel: Im September 2013 gab es 71240 Standorte, diese Zahl stieg auf 72949 (April 2015), 73750 (April 2016) bis auf 74285 (Mai 2017). Nur zuletzt waren es mit 74280 (Januar 2018) eine Handvoll weniger, was mutmaßlich daran liegt, dass zu diesem Zeitpunkt die LTE-Netze fertig installiert waren. Spätestens in ein bis zwei Jahren wird 5G die Standortakquisiteure wieder ordentlich auf Trab bringen und Herrn Gutbier weiter widerlegen, egal ob es dann ein Netz für alle gibt oder wie gehabt ein gutes Dutzend oder mehr Netze.

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Rentner, Blendwerk, Telekom, Netzstrucktur

National Roaming: Lassen sich damit Sendemasten einsparen?

H. Lamarr @, München, Samstag, 29.09.2018, 21:59 (vor 436 Tagen) @ H. Lamarr

Frage des Abgeordneter Hubert Aiwanger (FREIE WÄHLER; Drucksache 17/23972)

Nachdem die Staatsregierung und der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, planen, zur Verbesserung der Mobilfunkabdeckung auch im Freistaat Bayern zahlreiche neue Mobilfunkmasten aufzustellen, frage ich die Staatsregierung, ob National Roaming, bei dem das Mobilfunkgerät immer das Mobilfunknetz nutzt, welches vor Ort jeweils gerade die beste Netzabdeckung hat, nicht die sinnvollere Lösung wäre, um schnell und mit weniger Aufwand und möglichst ohne zusätzliche Strahlungsbelastung „weiße Flecken“ zu schließen, warum die Staatsregierung National Roaming (nach dem Vorbild Österreichs) nicht anstrebt und wie viele zusätzliche Mobil-funkmasten man sich in Bayern ersparen könnte, wenn man auf National Roaming setzt?

Antwort des Staatsministeriums für Wirtschaft, Energie und Technologie

Die Mobilfunk-Offensive der Staatsregierung ist ein Förderprogramm insbesondere für Gemeinden. Gefördert werden mit der Förderrichtlinie Gemeinden mit „weißen Flecken“, also bisher mit Sprachmobilfunk unversorgte Gebiete (im Unterschied zu „grauen Flecken“, die nicht von allen Anbietern versorgt werden). Ein Roaming-Angebot geht hier mangels Anbieter oder vorhandenem Mast technisch ins Leere. Man kann daher auch mit Einführung eines verpflichtenden Roaming keine Masten einsparen. Mobilfunkmasten können und werden bereits heute in der Praxis oft von mehreren Unternehmen genutzt. Betreiber tun dies gerade in dünn besiedelten Gebieten, wenn die Standorte in die jeweilige Netzplanung integrierbar sind.

In Deutschland herrscht in einem privatisierten Telekommunikationsmarkt Wettbewerb zwischen den Anbietern. Eine gute Netzabdeckung zählt zu den Differenzierungskriterien. Trotzdem wird derzeit im Rahmen der Frequenzversteigerung des Bundes diskutiert, das Konzept des internationalen Roaming auf den innerstaatlichen Mobilfunk zu übertragen. Ein generelles oder verpflichtendes Roaming gilt kartellrechtlich als unzulässig. Die Zulässigkeit eines freiwilligen Roaming ist gemäß Beiratsbeschluss vom 25.06.2018 von der Bundesnetzagentur zu prüfen. Bayern setzte sich für die erweiterte Möglichkeit des Roaming ein. Unabhängig davon und um zeitig voranzukommen, setzt die Staatsregierung auf einen Ausbau gemeinsam mit den Netzbetreibern. Erreicht wurde deren Zusage, in Bayern über ihre Auflagen der letzten Frequenzversteigerung hinaus auszubauen. Zusätzlich sieht das Förderprogramm vor, BOS-Masten zu ertüchtigen, wenn nicht schon jetzt eine Mitnutzung möglich ist.

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National Roaming: Debatte im Bayerischen Landtag

H. Lamarr @, München, Freitag, 19.10.2018, 17:35 (vor 416 Tagen) @ H. Lamarr

Am 27.09.2018 trugen im Bayerischen Landtag ...

Thorsten Glauber (FREIE WÄHLER)
Erwin Huber (CSU)
Annette Karl (SPD)
Markus Ganserer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Klaus Holetschek (CSU)
Klaus Stöttner (CSU)
Staatsminister Franz Josef Pschierer

... knapp 1 Stunde lang ihre Standpunkte über die Idee der Freien Wähler vor, "nationales Roaming" in Bayern für die Netzbetreiber verpflichtend einzuführen und so das Problem der abgelegenen "grauen Flecken" (dort ist im Gegensatz zu "weißen Flecken" immerhin schon ein einzelner Netzbetreiber vertreten) auf den Versorgungskarten wirtschaftlich in den Griff zu bekommen.

Video der Debatte
PDF mit den Textbeiträgen der Debatte

Ich habe ein bisschen reingeschaut in das Video und kann es jedem empfehlen, der mitreden möchte, denn man bekommt Pro- und Kontra-Argumente auf dem Servierteller geboten. So lohnt sich etwa bei der kommenden 5G-Lizenzversteigerung ein Blick in die Bestimmungen der BNetzA, ob dort "nationales Roaming" verpflichtend vorgegeben ist, wie die Freien Wähler glauben – oder eben nicht.

Für "Elektrosensible" ist "nationales Roaming" ein zweischneidiges Schwert. Einerseits spart es auf dem flachen Land den einen oder anderen Sendemasten ein, andererseits treibt es die Auslastung der vorhandenen Sendemasten nach oben. Ein pauschales "gut" oder "schlecht" ist so nicht möglich, denn jeder Einzelfall kann anders sein.

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Roaming

National Roaming im Koalitionsvertrag CSU & FW

H. Lamarr @, München, Montag, 05.11.2018, 21:52 (vor 399 Tagen) @ H. Lamarr

Aus dem Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freie Wähler für die Legislaturperiode 2018 bis 2023 in Bayern:

Wir wollen National Roaming erlauben. Um den Ausbau in bisher unterversorgten Gebieten wirtschaftlicher zu machen, unterstützen wir das auf Bundesebene vereinbarte Ziel, den Mobilfunkanbietern für ein nationales Roaming durch entsprechende Änderungen im Telekommunikations- und Kartellrecht Absprachen zu erlauben.

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Versorgungsauflagen bei 5G: Regionales Roaming geplant

Gast, Samstag, 10.11.2018, 17:42 (vor 394 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus heise.de vom 08.11.2018:

Bundesregierung und Netzagentur stecken wichtige Eckpunkte für die ehrgeizigen 5G-Pläne ab. Dafür soll auch der Weg für regionales Roaming freigemacht werden.

Beim Ausbau der fünften Mobilfunkgeneration 5G in Deutschland soll es auch ein sogenanntes regionales Roaming geben. Darauf haben sich Bundesregierung und Bundesnetzagentur nach dpa-Informationen in gemeinsamen Gesprächen am Montag verständigt. Mit der Versorgungsauflage soll eine bessere Versorgung im ländlichen Raum mit dem mobilen Breitband-Internet erreicht werden.

Demnach kann ein regionales Roaming angeordnet werden, wenn an Bundes- und Landstraßen sowie Wasserwegen wegen hoher Kosten nur ein Telekommunikationsunternehmen ein Netz ausbaut. In diesem Falle solle dieses Unternehmen anderen Anbieter die Infrastruktur gegen ein reguliertes Entgelt überlassen. Ein sogenanntes nationales Roaming für die gesamte Fläche Deutschlands ist aber nicht vorgesehen.
[...]

5G: Roamingpflicht beendet ländlichen Netzausbau

H. Lamarr @, München, Freitag, 29.03.2019, 19:14 (vor 255 Tagen) @ Gast

Auszug aus FinanzNachrichten vom 28.03.2019:

Deutschlands Mobilfunkausbau könnte sich nach Ansicht von Telekom-Chef Tim Höttges durch eine Gesetzesänderung wesentlich verlangsamen. Der Manager warnte die Bundespolitik bei der Hauptversammlung seines Konzerns am Donnerstag in Bonn davor, Roamingpflichten gesetzlich klar zu verankern. "Wenn der Gesetzgeber ein "National Roaming" oder ein lokales Roaming einführt, prognostiziere ich Ihnen das Ende des ländlichen Ausbaus der Mobilfunkversorgung", sagte Höttges vor gut 2000 Aktionären. Nach seiner Darstellung würden Investitionen in neue Masten entwertet, wenn die Telekom ihre Antennen für die Konkurrenz öffnen müsste. [...]

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