Erste Stadt trennt sich von ihrem Mobilfunk-Standortkonzept (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 07.03.2015, 18:43 (vor 1743 Tagen)

"Standortkonzepte" werden von "unabhängigen Standortplanern" gegen Honorar entworfen. Sie zeigen Standorte für Mobilfunk-Sendeanlagen, die aus Sicht des Planers optimal geeignet sind. Optimal bedeutet: Ein Mobilfunkbetreiber kann von so gefundenen Standorten seinen Versorgungsauftrag gut erfüllen, Anwohner eines Sendemasten können auf geringstmöglich Immission hoffen. Kritiker bemängeln an dieser vermeintlichen Win-Win-Situation, dass Gemeinden das Geld zum Fenster hinauswerfen, weil Mobilfunkbetreiber zum Nulltarif besser planen könnten als jeder unabhängige Standortplaner, der ohnehin auf Daten angewiesen ist, die er ausschließlich vom Betreiber des geplanten Standorts bekommt.

Kitzingen hat 2007 für gut 42'000 Euro so ein Standortkonzept für die Fläche der Großen Kreisstadt anfertigen lassen (PDF, 87 Seiten).

Jetzt, acht Jahre später, gibt die Stadt dieses Standortkonzept faktisch auf. In einer Sitzung des Verwaltungs- und Bauausschusses am 5. März 2015 heißt es, das Konzept sei nicht zielführend:

In den beiden Informationsveranstaltungen im Juni bzw. Juli 2014 in der Alten Synagoge zu Mobilfunkthemen haben sich die jeweiligen Referenten auf konkrete Nachfrage von Teilnehmern gegen die Aufstellung bzw. Fortschreibung solcher Konzepte ausgesprochen. Für eine Stadt in der Größenordnung wie Kitzingen und vor allem vor dem Hintergrund einer stets fortschreitenden technischen Entwicklung des Mobilfunks ist eine (längerfristige) Festlegung auf konkrete Mobilfunkstandorte nicht zielführend. Außerdem sind die Interessen und Belange der am Markt vertretenen Netzbetreiber den Gemeinden nicht bekannt. Eine einvernehmliche Abstimmung von Konzepten mit den Betreibern gestaltet sich häufig als schwierig. Viel mehr wird stattdessen eine gebiets- oder fallbezogene Betrachtung bei Standortfragen empfohlen. Hierzu hat der Gesetzgeber auch Förderprogramme aufgelegt, um z.B. durch Messungen günstige Standorte im Hinblick auf Immissionsminimierung oder zur Berücksichtigung städtebaulicher Belange zu ermitteln.

Meines Wissens ist dies das erste mal, dass sich eine Stadt öffentlich von ihrem Mobilfunk-Standortkonzept verabschiedet. "Die bisherigen Beschlüsse des Stadtrats [...] sind damit hinfällig", stellt das Dokument mit Blick auf die Mobilfunkbeschlüsse lakonisch fest.

Ein konkretes Beispiel zeigt, warum der Stadt das Standortkonzept keine Hilfe mehr ist. Etwa 250 m östlich des Gewerbegebietes Goldberg soll ein neuer laut Antrag 45 Meter hoher Sendemast errichtet werden. Grund: Ende des Jahres 2014 ist ein Vertrag ausgelaufen. Seitdem besteht ein erhebliches Versorgungsdefizit im östlichen Bereich des Stadtteils Siedlung und vor allem im Ortsteil Hoheim, der bislang über keine direkte Mobilfunkversorgung durch den Betreiber Vodafone (D2-Netz) verfügt.

"Die im Standortkonzept von 2007 enthaltenen Standortvorschläge für das Gewerbegebiet Goldberg eignen sich nicht", schreibt die Verwaltung von Kitzingen, "da einerseits ein Zugriff auf geeignete Grundstücke nicht möglich war und andererseits bestehende Gebäude nicht die baulichen Voraussetzungen für die Aufnahme eines (kleineren) Mobilfunksendemastes erfüllen."

Womit sich die 82 Seiten des 42'000 Euro teuren Standortkonzepts der Binsenweisheit geschlagen geben müssen, der zufolge Papier geduldig ist.

Trotz der objektiven Sinnfreiheit von Mobilfunk-Standortkonzepten werden Gemeinden landauf und landab nicht müde, solche Konzepte, nicht selten auf Drängen von organisierten Mobilfunkgegnern, zu bestellen. Auf diesem Weg hoffen Räte, sich Ruhe in ihrer Gemeinde zu erkaufen. Ein Trugschluss. Wie geschickt "unabhängige Standortplaner" vorgehen, um Aufträge für ihre wertlosen Gutachten zu ergattern, ist hier beschrieben. Und den kritischen technischen Blick auf ein Standortkonzept gibt es hier.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Krötenwanderung, Standortkonzept, Schaden, Gemeinde, Netzbetreiber, Kitzingen

Hof - Mobilfunk-Standortkonzept vom Tisch

KlaKla, Samstag, 18.04.2015, 07:49 (vor 1701 Tagen) @ H. Lamarr

Die Räte liefern sich erneut eine Mobilfunk-Debatte.
Am Ende schmettert eine Mehrheit aus CSU und SPD den FAB-Antrag ab.

12.2014

Am Ende steht die Null im Haushalt 2015: Für ein Gutachten zu den Mobilfunk-Standorten in Hof wird die Stadt kein Geld ausgeben. Das steht nach einer einmal mehr kontroversen Debatte während der Etat-Beratungen fest.

Die Vorgeschichte: Die FAB-Fraktion hatte - wie berichtet - beantragt, ein Standortkonzept erarbeiten zu lassen. Zuletzt war Dr. Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt (LfU) zu Gast im Bauausschuss; unter anderem hatte er erklärt, dass ein Konzept nicht die tatsächlichen Strahlen-Emissionen abbilden könne. Er verwies auch auf die Dynamik der Mobilfunk-Branche: "Was heute ein günstiger Standort ist, muss es morgen nicht mehr unbedingt sein."

Joachim Dumann
, FAB, plädierte in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses nochmals für das Standortkonzept. Als Beispiel für eine Fehlentwicklung führte er die August-Mohl-Straße ins Feld: Der dortige Standort von Mobilfunk-Antennen auf einem Pylon befindet sich gegenüber der Baustelle für ein Altenheim und eine Kita. "Das ist unverantwortlich gegenüber dem Bürger." Mit einem Konzept wären solche Anlagen zu verhindern, meint Dumann. Die eigentliche Strahlungsgefahr geht nach seinen Worten von den Masten aus, nicht von den Handys: "Die Antennen strahlen Tag und Nacht." Der FAB-Rat kündigte sogar an, seine Zustimmung zum Haushaltsplan von der Entscheidung über das Standortkonzept abhängig zu machen.

Für seine Ausführungen musste sich Dumann deutliche Kritik vom Oberbürgermeister gefallen lassen. "Unverantwortlich ist Ihre Panikmache", sagte Dr. Harald Fichtner. Es sei "ein Zeichen von Reife", zu erkennen, dass LfU-Experte Kurz sachlich und ohne politischen Hintergrund die Sachlage erläutert habe.
"Ich weiß ja, wer hinter Ihnen steht", sagte Fichtner an die Adresse der Freien Aktiven Bürger - wohl in Anspielung auf FAB-Mitglied Marianne Günther, die für die BI Mobilfunk Hof spricht.

Ein Standortkonzept fällt laut OB zum einen unter freiwillige Leistungen, zum anderen wäre es nach einem Jahr überholt, weil sich die Technik rasant entwickelt. Fichtners Fazit: "In Sachen Mobilfunk ist die große Mehrheit der Bürger bei uns gut aufgehoben." Mehr ...

Kommentar: zum RA fällt mir nur ein, Schuster bleib bei deinen Leisten. Du machst dich lächerlich und wirst mMn instrumentalisiert. :no:

Der Gedankenanstoß von Uwe Dinger (Geschäftsführer Diagnose-Funk) politischen Einfluss zu gewinnen um so persönliche Interessen zu erwirken, wird in Hof vom Baubiologen Joachim Weise, beispielhaft umgesetzt. Er gründete einen Verein (NRMO). Nach Außen vertritt ihn eine bieder wirkende Frau, Marianne Günther. Sie macht die Werbung für sogenannte unabhängige Experten. Fördern und fordern.

Keine Steuerverschwendung in Hof durch Mobilfunk-Standortkonzept
_:ok:

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Filz, BI, Game over, Geschäftsidee, Werbung, Einflussnahme, Standortkonzept, Franken, Weise, Fordern, NRMO

Hof - Mobilfunk-Konzept rutscht in den Haushalt

Gast, Donnerstag, 18.10.2018, 09:09 (vor 422 Tagen) @ KlaKla

Auszug Frankenpost

Im Nachtrags-Etat taucht das Gutachten auf, das die Stadt jahrelang immer wieder abgelehnt hatte. Die Befürworter legen aber Wert auf bestimmte Vorgaben für die Studie.

Eine Diskussion, die eine ganze Generation von Stadträten beschäftigt hat, geht nun endlich auf die Zielgerade: Ohne großes Aufhebens und ohne öffentliche Beratung hat Stadtkämmerer Peter Fischer eine Haushaltsstelle für ein Mobilfunk-Konzept geschaffen. 50 000 Euro sind im Nachtragsetat für die Erstellung dieses Gutachtens vorgesehen. Damit setzt die Stadt ein klares Signal, dass der Auftrag für diese Studie noch in diesem Jahr das Rathaus verlassen soll.

In der Stadtratssitzung begrüßten diejenigen, die jahrelang um ein Konzept gekämpft hatten, dass jetzt Mittel dafür bereitstehen. FAB-Fraktionschefin Gudrun Bruns mahnte an, dass es nun aber auch wirklich schnell gehen solle, damit das Gutachten so bald wie möglich vorliege. Die Expertise müsse aber "neutral" ausfallen, betonte Dr. Klaus Schrader (Grüne). Nach seiner Meinung gilt es, nicht nur die Funklöcher zu erkunden, sondern auch die Gesundheit der Nutzer im Blick zu behalten. Auch Thomas Etzel (Linke) legte Wert darauf, dass im Auftrag für das Gutachten Aspekte der Versorgung und der Prävention eine Rolle spielten. "Man muss ja nicht in jeder Tiefgarage telefonieren können." J. F.

Tags:
Baubiologie, Lobbyarbeit, Gemeinde, Weise, Günther, Hof

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