Manager-Phrasen als Slam-Poesie (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 24.11.2014, 21:58 (vor 2931 Tagen)

Auszug aus In Bullshit-Gewittern:

Für so viel Bullshit riecht Dr. Jan-Philipp Wendenschloss erstaunlich gut. Der smarte "Senior Principal" in Dreiteiler und Karokrawatte umkreist mit heftigen Schritten ein Flipchart. Für seine "rock solid Status-quo-Analyse" lädt er sein Publikum ein, "gemeinsam in die Helikopterperspektive" zu gehen. Bisher laufe doch einiges "suboptimal" in seiner "Konzern AG".

Mit rotem Marker malt der Ex-McKinsey-Berater ein "Ziel-Bild", ein etwas schiefes Koordinatensystem: Oben der "success", unten die Zahl der Meetings. Eigentlich sollte der "success" mit jedem Meeting steigen, doch statt "results" wird bisher nur Bullshit produziert. Wer dafür verantwortlich ist, kann man sich denken. Bullshit im Stakkato ist die Spezialität des Managers. Für die Lösung tritt Wendenschloss ganz nah an den Bühnenrand: "Wir brauchen besseren Bullshit."

In Wahrheit heißt der Bullshitter Thomas Ramge, ist Wirtschaftsjournalist und mit hohlen Managementphrasen somit wohlvertraut. "Bullshit ist eine dritte Kategorie zwischen Wahrheit und Lüge", zitiert Ramge den Philosophen Harry Frankfurt. "Wer lügt, muss sich festlegen. Mit Bullshit vermeidet der Sprecher eine klare Aussage und täuscht trotzdem Kompetenz vor."

Kommentar: Erinnert mich an einen gewissen Vielschreiber, der heute im Exil schreiben muss.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Inkompetenz, Ko-Ini, Lügen, Trick, Bullshit

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