Reflex-Replikation trotz bester Voraussetzungen gescheitert (Allgemein)

Gast, Montag, 08.09.2014, 21:52 (vor 3013 Tagen)

Ein Beitrag von Prof. Alexander Lerchl, Jacobs University, Bremen

Zwei Studien des “Reflex”-Projekts gehören seit 2003 zu den Kronjuwelen von Mobilfunkgegnern: Hochkarätig vermelden sie nicht weniger als DNA-Strangbrüche unter schwacher EMF-Einwirkung. Träfe dieser Befund zu, müssten Handynutzer mit Kopftumoren rechnen, ähnlich Rauchern, denen Lungenkrebs droht. Doch die Zweifel mehren sich: Seit 2008 steht das “Reflex”-Projekt unter Fälschungsverdacht und 2013 scheiterten in Darmstadt und Berlin gleich zwei Versuche, die alarmierenden Ergebnisse zu reproduzieren. Franz Adlkofer, ehemals Kopf der deutschen Tabakforschung und später Koordinator des ”Reflex”-Projekts reagierte auf die gescheiterte Replikation in Berlin mit einer Verschwörungstheorie. mehr ...

Tags:
Game over, Reflex, Verum, Replikation, Tauber, Kronjuwelen, DNA-Strangbrüche, Speit, Handynutzer, HF-Exposition, Arbeitsgruppe Berlin, Arbeitsgruppe Darmstadt, Zweifel säen

Schlechte Zeiten für Herrn Adlkofer

Alexander Lerchl @, Dienstag, 09.09.2014, 07:04 (vor 3012 Tagen) @ Gast

Ein Beitrag von Prof. Alexander Lerchl, Jacobs University, Bremen

Zwei Studien des “Reflex”-Projekts gehören seit 2003 zu den Kronjuwelen von Mobilfunkgegnern: Hochkarätig vermelden sie nicht weniger als DNA-Strangbrüche unter schwacher EMF-Einwirkung. Träfe dieser Befund zu, müssten Handynutzer mit Kopftumoren rechnen, ähnlich Rauchern, denen Lungenkrebs droht. Doch die Zweifel mehren sich: Seit 2008 steht das “Reflex”-Projekt unter Fälschungsverdacht und 2013 scheiterten in Darmstadt und Berlin gleich zwei Versuche, die alarmierenden Ergebnisse zu reproduzieren. Franz Adlkofer, ehemals Kopf der deutschen Tabakforschung und später Koordinator des ”Reflex”-Projekts reagierte auf die gescheiterte Replikation in Berlin mit einer Verschwörungstheorie. mehr ...

Schlechte Zeiten für Herrn Adlkofer. Gleich zwei gescheiterte Replikationen in einer Publikation, dazu dann noch zwei weitere (aus meiner Sicht erfreuliche) aktuelle Meldungen über die REFLEX-Daten (hier und hier). Diese Geschichte ist wohl doch noch nicht zu Ende.

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"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

Traumpaar

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 10.09.2014, 12:31 (vor 3011 Tagen) @ Alexander Lerchl

[...] und hier).

Da hat Frau Prof. Weber-Wulff mit ihrem Doppelnamen ja noch einmal Glück gehabt. Ein "l" weniger, und es wäre namentlich ein infernalisches Traumpaar der Anti-Mobilfunk-Szene entstanden :lookaround:.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Schönfärberei: Was sich die Stiftung "Verum" erlaubt

H. Lamarr @, München, Freitag, 01.09.2017, 23:19 (vor 1924 Tagen) @ Gast

Das Scheitern des "Reflex"-Replikationsversuchs in Berlin, ausgerechnet in einem an der Originialstudie beteiligten Labor, ist offensichtlich nicht bei der Stiftung "Verum" angekommen. Denn dort heißt es noch heute:

Die Stärke von REFLEX basierte in erster Linie auf der Einführung einer gemeinsamen technischen Plattform für die niederfrequente (NF) und die hochfrequente (HF) EMF-Exposition, die die Wiederholung von positiven Ergebnissen in allen beteiligten Labors erlaubte.

Bei genauerer Betrachtung ist der Text bei Verum freilich ein kleines Kunstwerk der Desinformation oder Schönfärberei. Denn wenn die technische Plattform die Wiederholung an allen beteiligten Laboren erlaubte, heißt dies noch lange nicht, dass die Erlaubnis auch genutzt wurde (Analogie: Verkehrsschild, das Tempo 120 erlaubt). Der unbedarfte Leser aber wird denken, alle beteiligten Labore hätten die Versuche wiederholt. Doch wer oder was sind überhaupt "alle beteiligten Labors"? Als "Reflex" frisch war, wurde uns etwas von zwölf Laboren erzählt, die ihre Ergebnisse im Rahmen des "Reflex"-Projekts gegenseitig prüften, was uns als Garant für höchste Qualitätsstandards nahe gebracht wurde. Erst nach und nach schälte sich heraus: Die spektakulären HF-Ergebnisse des Projekts stammten aus nur zwei Laboren (Wien, Berlin). "Alle beteiligten Labors" sind deshalb bei HF bestenfalls zwei, und ob die NF-Ergebnisse überhaupt jemals intern auch nur ein einziges mal wiederholt wurden, davon ist mir nichts bekannt.

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