Warnung vor Teilnahme an wissenschaftlichen Experimenten (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 25.05.2014, 23:18 (vor 2964 Tagen)

Gigaherz-Chef Jakob warnt "Elektrosensible" vor einer Teilnahme an wissenschaftlichen Experimenten.

Wie üblich begründet Jakob seine Ratschläge nicht mit belastbaren Fakten, sondern mit eine ganzen Reihe von Behauptungen, Verdrehungen und Missverständnissen, alle seine Quellen für Gegenargumente sind er selbst. Damit entfällt jedes Risiko, dass die "Warnung" außerhalb der kleinen Anti-Mobilfunk-Szene wahrgenommen wird.

Es ist schon kurios zu sehen, was die für überzeugte "Elektrosensible" (EHS) verheerende Studienlage für Folgen hat. Wenn mehr als 60 nach qualitativen Mindeststandards ausgesuchte EHS-Studien keine Belege erbracht haben es könnte EHS tatsächlich geben (Rubin et al.), wäre mMn die normale Schlussfolgerung, dass "Elektrosensibilität" unter Mobilfunkgegnern wenn schon nicht als physische Krankheit, dann wenigstens als psychische Krankheit (Phobie) gesehen wird.

Doch das kann und darf Jakob, nicht zulassen, es wäre für seinen Verein der Anfang vom Ende, der Verlust seiner Existenzgrundlage und schlecht für die Branchen, deren Interessen er als "nützlicher Idiot" zu Diensten ist, ohne sich dessen gewahr zu sein.

Also deutet der Gigaherz-Präsident die desillusionierende Studienlage einfach um, sie wäre das Ergebnis einer weltweiten Verschwörung gegen "Elektrosensible". Und damit nicht noch weitere Wirkungstreffer unter der Wasserlinie hinzu kommen, ruft er pauschal zum Boykott wissenschaftlicher EHS-Studien auf. So kann er weiter die existenziell wichtige Legende vom "Elektrosensiblen" hegen und pflegen ohne Sorge haben zu müssen, dass weitere Studienversager die Glaubwürdigkeit der "Elektrosensiblen" künftig noch mehr pulverisieren.

"Elektrosensiblen" dürfte der öffentliche Aufruf von Jakob grundsätzlich willkommen sein. Denn so deutlich waren frühere Boykott-Aufrufe nicht. Die Mitglieder der EHS-Szene müssen nicht länger in der Angst leben, zu strengen wissenschaftlichen Studien eingeladen zu werden, sie können sich jetzt mit Hinweis auf Jakob verweigern, ohne selbst als Drückeberger da zu stehen. Der Wegfall dieses Risikos könnte der Szene sogar neues Personal bescheren, das bisher aus Testangst eher zurückhaltend war.

So plausibel das alles auch klingen mag, eintreten wird es im wirklichen Leben nicht. Denn damit dies passiert, müsste der Gigaherz-Präsident ernst genommen werden und noch irgendeine Außenwirkung zeigen. Dies aber ist mMn nicht der Fall.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Verschwörungstheorie, sekundärer Krankheitsgewinn, Rentner, Existenzgrundlage, Boykott, Hobby

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