Späte Lehren aus frühen Warnungen - neuer Report 1/2013 (Allgemein)

Doris @, Freitag, 25.01.2013, 10:28 (vor 3598 Tagen)
bearbeitet von Doris, Freitag, 25.01.2013, 11:21

Ganz aktuell ist der neue Bericht (750 Seiten)

Late lessons from early warnings: science, precaution, innovation

und steht zum download auf der Website der European Environment Agency.

Neben interessanten Themen, wie z.B. auch das Rauchen/Passivrauchen, Bienen (nicht in Zusammenhang mit Elektrosmog), DPCP und Fertilität (nicht in Zusammenhang mit Elektrosmog) gibt es in diesem Report auch einen 12-seitigen Beitrag

Mobile phone use and brain tumour risk: early warnings, early actions?
Seite 541 - 553

Die Autoren dieses Beitrages sind Lennart Hardell, Michael Carlberg und David Gee. Es geht größtenteils um die Hardell Studien und die Interphone Studie sowie um die Kritiken an diesen Studien als auch um die IARC Entscheidung und die unterschiedlichen Interpretationen dazu.

(Der Hardell Beitrag ist auch Teil des Part C Emerging issues ) (nicht so umfangreich wie der ganze Report)

Mehr Infos in deutsch
Die Kosten ignorierter Warnsignale - EEA veröffentlicht "Späte Lehren aus frühen Warnungen, Band II"

Späte Lehren aus frühen Warnungen - neuer Report 1/2013

Kuddel, Freitag, 25.01.2013, 20:44 (vor 3598 Tagen) @ Doris

Betrachten wir es doch mal nüchtern:
Mittlerweile dürfte jeder von dem Verdacht Mobiltelefon <-> Hirntumor gehört haben.

Welche Konsequenzen würde es praktisch haben, wenn die "frühen Warnungen" mehr Berücksichtigung bei den "Verantwortlichen" finden würden ?
Wer sind überhaupt die "Verantwortlichen" ?
Irgendwelche Regierungsvertreter, die dann Plakate drucken lassen und "Mobiltelefonieren erzeugt Krebs"-Aufdrucke auf den Telefonen erzwingen ?

Meiner Meinung nach ist jeder Mobiltelefonnutzer für sich selbst verantwortlich und jeder kann sich seinen Teil zur Debatte denken und sich selbst überlegen, ob er für sich Konsequenzen daraus zieht.

Welche Konsequenzen hatten und haben denn die wirklich massiven Warnungen vor Gesundheitlichen Konsequenzen durch das Rauchen ?

Die Kampagnen haben doch trotz massivster "Aufklärung", trotz "Krebs !" und "Tod" Aufdrucken auf den Tabakverpackungen, Zeitschriftenkampagnen, Plakatkampagnen, trotz massiver "Strafsteuer" auf Tabakwaren, trotz Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen und Kneipen et cetera pp
....praktisch nur erstaunlich geringe Auswirkungen auf das Raucherverhalten.

Oder interpretiere ich die folgende Grafik etwa falsch ?


[image]
Quelle: http://www.welt.de/gesundheit/article13919841/Rauchverbot-senkt-Zahl-der-Herzinfarkte-drastisch.html

Gut, die Quote bei den Jugendlichen nimmt laaannnngsssaaaammmm ab, aber warum ?
Etwa weil "gewarnt" wird, oder etwa, weil Rauchen exorbitant teuer geworden ist, weil Raucher "nach draußen" gehen müsssen und weil z.B. Jugendliche ihr Geld lieber für Handy und Klamotten ausgeben ?

Und welche Konsequenzen hätten nun "frühe Warnungen" in Presse und Medien auf den Mobilfunkkonsum ?

Ein Warnung, die da lautet: "Möglicherweise,... vielleicht" ....
....statt wirklich eindeutiger Aussagen wie beim Rauchen "tötet", "macht Krebs".

Ich für meinen Teil habe meine Konsequenzen gezogen und vermeide schon seit > 10 Jahren das Telefonieren mit Mobiltelefon oder Schurlostelefon "direkt am Ohr".
"Direkt am Ohr" komme vielleicht auf 10 Stunden pro Jahr.

K

Tags:
Krebs, Medien, Tabak, Hirntumor, Rauchverbot, Kampagne, Tod, Report 1/2013

Keine Lehren aus frühen Warnungen - neuer Report 1/2013

H. Lamarr @, München, Freitag, 25.01.2013, 23:15 (vor 3598 Tagen) @ Doris

Vielleicht sollte mal jemand der Pressestelle der Umweltagentur sagen, dass Handys von der Agentur als Risikotechnologie angesehen werden:

[image]

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Nur vier von 88 untersuchten Risiken waren falsch-positiv

H. Lamarr @, München, Samstag, 26.01.2013, 12:26 (vor 3597 Tagen) @ Doris

und steht zum download auf der Website der European Environment Agency

Im PDF des kompletten Reports gibt es das Kapitel 2: The precautionary principle and false alarms — lessons learned. Demzufolge hat es unter 88 untersuchten Risiken nur vier irrtümlich als gefahrbringend eingestufte gegeben (falsch-positiv). Diese falschen Alarme waren:

- die Amerikanische Schweinegrippe,
- der Süssstoff Saccharin,
- die ionisierende Bestrahlung von Lebensmitteln und
- die Braunfäule von Mais aus dem südlichen Maisgürtel.

Dieses Kapitel 2 ist allerdings nicht ein Werk der Umweltagentur, sondern die stark komprimierte Fassung einer Studie von Steffen Foss Hansen aus dem Jahr 2004. Wer mag, kann sich über die vier falsch-positiven Fälle im Volltext der Arbeit ein genaueres Bild machen (PDF, 208 Seiten, englisch).

Ob es von der Umweltagentur verantwortungsbewusst ist, zum Elektrosmog-Sachstand das Autorenkollektiv Lennart Hardell, Michael Carlberg und David Gee sprechen zu lassen, halte ich für fragwürdig. Denn der Standpunkt dieser Autoren ist bekannt. Aber es ist eben nicht der einzige Standpunkt. Die gegensätzlichen Einschätzungen des Risikos, etwa durch unterschiedlich besetzte Expertenkommissionen in unterschiedlichen Ländern, sie haben Gewicht und fallen bei diesem Report unter den Tisch.

Mahner haben es immer leichter als die eher Sorglosen, das Risiko für die Feuermelder ist gering: Hat sich ein Mahner geirrt, schweigt er einfach und sein vorsorglicher Fehlalarm ist schnell vergessen. Behält er dagegen recht, kann er vermelden, es schon immer gewusst zu haben. Mit Mahner meine ich jetzt keine kompetenten verantwortungsvoll handelnden Mahner, sondern Wichtigtuer wie den "Mahner" aus der Anti-Mobilfunk-Szene. Ich weiß nicht, wie viele Fehler und Fehlalarme dem schon nachgewiesen wurden, er setzt dennoch unentwegt neue in die Welt. Die Kaste der Mahner wird durch solche "Mahner" auf Dauer kastriert und schleichend entwertet. Schlecht, denn wenn ein tatsächliches Risiko vorsorglich reduziert werden sollte, hört vielleicht keiner mehr hin weil er von den vielen Fehlalarme der "Mahner" desensibilisiert wurde.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Umweltgifte, Risikobewertung, Schweinegrippe

Erkenntnishorizonte der Ideologen

Lilith, Samstag, 26.01.2013, 15:48 (vor 3597 Tagen) @ Doris

Die Kosten ignorierter Warnsignale - EEA veröffentlicht "Späte Lehren aus frühen Warnungen, Band II"

Man liest dort "Die wichtigsten Empfehlungen", wie zum Beispiel diese:

  • "Die Wissenschaft sollte die Komplexität der biologischen und ökologischen Systeme anerkennen"

Komplexität "anzuerkennen" -richtiger wäre: verstehen zu lernen-, ist das Urthema der Wissenschaft. Wären Dinge und Abläufe auf der Welt nicht komplex, dann hätte es nie irgendeiner Forschung bedurft.

Jedoch ist auch Komplexität selbst komplex. Letztlich landet man bei der Frage nach dem Anspruch der Wissenschaft an sich selbst im philosophischen Diskurs.

Ob nun ausgerechnet eine durch bürokratische und lobbyistische Interessen beeinflusste "Europäische Umweltagentur" diesen moderieren sollte? Erbarmen. Lieber nicht. In dieser Welt ist auch heute bereits viel zuviel ideologische Erregtheit am Wirken.

  • "Risikobewertung kann ebenfalls verbessert werden ... indem anerkannt wird, was nicht bekannt ist."

Selten beschreiben Ideologen ihren schmalen und düsteren Erkenntnishorizont so treffend, wie es durch diesen Satz geschieht.

Davor möchte man glatt für einen Moment stille verharren und ehrfürchtig den Hut ziehen.

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Man kann dem britischen Premier Cameron in diesen Tagen durchaus ein Stück weit folgen in seiner Kritik an zu teurer und ineffizienter EU-Bürokratie. Jedenfalls, wenn man solcherart ideologisch gefärbte Bekanntgaben einer "Europäischen Umweltagentur" lesen muss. Es stecken ein rüder Machtanspruch und pure Ideologie dahinter, wenn sich eine aus Steuergeldern finanzierte Organisation anmaßt, "die Wissenschaft" zu irgendetwas aufzufordern.

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Meine Beiträge sind als Meinungsäußerungen aufzufassen. Die Meinungsäußerungsfreiheit ist ein in allen zivilisierten Ländern gesetzlich geschütztes Grundrecht.

"Wer die Dummbatzen gegen sich hat, verdient Vertrauen." (frei nach J.-P. Sartre)

Tags:
Ideologie

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