Mist messen ist ganz leicht (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 28.09.2012, 10:11 (vor 3190 Tagen)

In diesem 30-Minuten-Video misst zu Beginn jemand Funkfelder mit der bekannten Knatterbüchse eines bayerischen Herstellers. Der Hersteller bekommt damit wieder einmal gratis ordentlich Werbung für sein Messgerät mit der unverwechselbaren Christbaum-Antenne.

Bei Minute 1:54 ist zu sehen, wie die Spitze der Antenne beinahe das Messobjekt (DECT-Basis) berührt. Und nebendran steht Prof. dr. ir. M Haas von der TU Delft und schreitet nicht ein. "Charles", was sagen Sie dazu!

Auf die gezeigte Weise die Funkfelder einer DECT-Basis zu messen bringt zwar hübsch hohe Werte, gut geeignet zum Alarm schlagen, doch diese Messwerte sind falsch.

Warum?

Trotz professoraler Begleitung hat der Messknecht einen gravierenden Fehler gemacht, indem er die Messantenne zu nahe ans Messobjekt heranführte. Dadurch entsteht ein vermeidbarer Messfehler wegen Messung im reaktiven Nahfeld. Was damit gemeint ist erklärt Dr. C. Bornkessel in diesem IZgMF-Beitrag.

Der gezeigte Dosimetriefehler tritt immer dann auf, wenn Messgeräte intern eine gemessene elektrische Feldstärke in die Größe "Leistungsflussdichte" umrechnen und erst diesen umgerechneten Wert anzeigen. Damit diese Umrechnung zulässig ist, darf die Messantenne nicht zu nah ans Messobjekt gehalten werden. Auf der sicheren Seite ist man, wenn der Abstand mindestens das 4-fache der Wellenlänge des Messsignals hat, bei DECT wäre dieser Mindestabstand 4 x 16 cm = 64 cm.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Messfehler, Knatterbox

Film "Ziek van je mobieltje" ("Krank durch's Handy")

ths, Freitag, 28.09.2012, 14:24 (vor 3190 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von ths, Freitag, 28.09.2012, 16:55

Der niederländische Film "Ziek van je mobieltje" ("Krank durchs Handy") wurde mittlerweile (seit 1. Juni 2012) fast 120 000 Mal aufgerufen.

Es gibt dieses Video ebenfalls bei Youtube, mit englischen Untertiteln:

http://www.youtube.com/watch?v=CC-Cpa3TTz4


Der Einwand des falschen Messens ist berechtigt.

Bei Minute 1:54 ist zu sehen, wie die Spitze der Antenne beinahe das Messobjekt (DECT-Basis) berührt.

Auf die gezeigte Weise die Funkfelder einer DECT-Basis zu messen bringt zwar hübsch hohe Werte, gut geeignet zum Alarm schlagen, doch diese Messwerte sind falsch.

Dadurch entsteht ein vermeidbarer Messfehler wegen Messung im reaktiven Nahfeld.


Aber:

1.) Die Messwerte werden im Video nicht thematisiert

2.) Schnurlose DECT-Telefone (ohne Full-ECO Modus) sind "oft die stärkste Quelle hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung im privaten Haushalt" und dürften noch millionenfach in deutschen Wohnzimmern, Fluren oder gar Schlafzimmern im Einsatz sein.

3.) Das Video thematisiert auch den bewußteren Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Handys und anderen drahtlosen Geräten. Es werden Vorsorge-Empfehlungen zur Benutzung gegeben, wie sie auch das Bundesamt für Strahlenschutz gibt.

Alarmistisch sieht mMn. anders aus.

DECT - Schaf im Wolfspelz

H. Lamarr @, München, Sonntag, 30.09.2012, 17:00 (vor 3188 Tagen) @ ths

Aber:
[...]
2.) Schnurlose DECT-Telefone (ohne Full-ECO Modus) sind "oft die stärkste Quelle hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung im privaten Haushalt" und dürften noch millionenfach in deutschen Wohnzimmern, Fluren oder gar Schlafzimmern im Einsatz sein.

Einspruch: Was Sie sagen trifft nur dann zu, wenn man Spitzenwerte betrachtet. Dies aber ist beim Vergleich von Messwerten mit den geltenden Grenzwerten nicht zulässig, denn die Grenzwerte sind Effektivwerte. Wie "Kuddel" hier im Forum häufig ausgeführt hat, sind die spektakulär hohen DECT-Spitzenwerte ausgesprochen unspektakulär, wenn deren Mittelwerte betrachtet werden. In Zahlen: Gemittelt über die Zeit bleibt von einer deuerstrahlenden DECT-Basis mit während eines Gesprächs 250 mW Sendeleistung (peak) nur bescheidene 2,1 mW im Ruhezustand übrig.

Bis auf Baubiologen ist mir niemand bekannt, der ausschließlich die Spitzenwerte von Funksignalen als Bewertungsmaßstab nimmt. Warum Baubiologen dies machen, obwohl es dafür keinerlei belastbare Begründung gibt, liegt auf der Hand, und ist hier im Forum schon unzählige male kritisiert worden.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Spitzenwert, DECT-Basisstation

Film "Ziek van je mobieltje" ("Krank durch's Handy")

Kuddel, Sonntag, 30.09.2012, 23:46 (vor 3187 Tagen) @ ths
bearbeitet von Kuddel, Montag, 01.10.2012, 00:13

3.) Das Video thematisiert auch den bewußteren Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Handys und anderen drahtlosen Geräten. Es werden Vorsorge-Empfehlungen zur Benutzung gegeben, wie sie auch das Bundesamt für Strahlenschutz gibt.

Alarmistisch sieht mMn. anders aus.

Das Thematisieren des bewußteren Umgangs mit Mobiltelefonen finde ich in Ordnung.
In der IARC Klassifizierung geht es ausschließlich um den unmittelbaren Handygebrauch (am Kopf).

Die alarmistischen Einflüsterungen der Baubiologenszene erkennt man z.B. an dem wichtigtuerischen Herumreiten auf landesspezifischen Grenzwerten für Basisstationen.

=> Im Land Bla Bla Bla sind die Grenzwerte aber niedriger als bei uns => WAS FÜR EIN SKANDAL !!!
... gefolgt vom üblichen Regierungs-"Bashing" ...vertraue nicht Deiner Regierung, vertraue uns !

Man suggeriert dem Zuschauer, in besonders "fürsorglichen" Ländern (wie z.B. Russland :yes: ) würden die Menschen weniger exponiert als im eigenen Land.

Im Endeffekt sind aber die realen Expositionen in allen Ländern gleich,wie auch die Physik der Funkausbreitung in allen Ländern gleich ist. In Ländern mit geringeren Grenzwerten werden diese dann eben in der Praxis prozentmäßig im oberen zweistelligen Bereich ausgeschöpft, während sie in Ländern mit höheren Grenzwerten nur im unteren einstelligen Bereich ausgeschöpft werden.
Auch bei der kritischer zu sehenden Exposition durch die Mobiltelefone, um die es in dem Film ja angeblich geht, haben die Länder mit niedrigeren Basisstationsgrenzwerten keinerlei Vorteile.
Und wenn sie welche hätten, dann wäre dies mit wesentlich gravierenderen Nachteilen bezüglich der Handyexposition verbunden, denn je schwächer das Basisstationssignal, umso stärker das Sendesignal des Mobiltelefons.

Eine weitere baubiologische Wichtigtuerei ist das Herumreiten auf den kurzen Aussendungen von Mobiltelefonen im Standby auf dem Nachttisch, wo es während der gesamten Nacht für maximal 10 Sekunden sendet...in mindestens 30cm Abstand.
Von der Expositionsdosis entspricht das vielleicht 1/1000el der "Standby" Expositionsdosis des tagsüber am Körper getragenen Mobiltelefons.

Meiner Meinung nach will sich die Baubiologenszene mit solchen Alarminformationssendungen Sympathien erkaufen (=Werbung a la "Du kannst deiner Regierung nicht vertrauen, aber uns, denn wir warnen Dich"), um anschließend das Geschäft mit den "Messungen" machen zu können...daher auch die Großaufnahme der Meßgeräte in der Einleitung des Films.


K

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