W-LAN-Notebooks möglicherweise für Spermien riskant (Forschung)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 11.12.2011, 13:08 (vor 2916 Tagen)

Medienmeldungen berichten von einer neuen Studie in Argentinien, die bei Sperma, das vier Stunden dicht unter einem WLAN-Notebook platziert war, erhebliche Mobilitätseinschränkungen der Spermien festgestellt haben will.

Kommentar: Leicht möglich, dass es sich hier um einen Fall von Junk-Science handelt. Bekanntlich tut allzuviel Wärme Spermien nicht gut. Mein Notebook entwickelt im Betrieb erhebliche Wärme an der Unterseite. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass die Beobachtung der Forscher zutreffend ist, allerdings nicht das mickrige schwache W-LAN-Signal der Verursacher ist, das (wegen 100 mW Sendeleistung sowie baulicher und anatomischer Gegebenheiten) niemals den zulässigen SAR-Wert von 2 W/kg auch nur annähernd erreichen kann, sondern schlicht die Verlustwärme des Prozessors. Für diese Erklärung gäbe es zumindest auch ein unstrittiges Wirkmodell.

Der verlinkte Medienbericht hat 97 Kommentare. Mit Abstand am meisten Zustimmung erntete der Kommentar von Jonny Northants. Er schrieb: Seiner Beobachtung nach sei es eher das Sperma, das Notebooks zerstöre (und nicht umgekehrt).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Spermien, Laptop

WIK über die EMF/Sperma-Studie aus Argentinien

Doris @, Sonntag, 11.12.2011, 13:22 (vor 2916 Tagen) @ H. Lamarr

[Admin: Posting inkl. Folgeposting am 11.12.11 um 15:00 Uhr von dort hierher verschoben und Titel angepasst]


Es geht um eine aktuelle Arbeit aus Argentinien, die nun auch ausgearbeitet im EMF-Portal vorliegt.

Die Nutzung von Laptop-Computern, die mit dem Internet über WiFi verbunden sind, vermindert die menschliche Spermienmotilität und erhöht die Spermien-DNA-Fragmentierung.

Von: Avendano C, Mata A, Sanchez Sarmiento CA, Doncel GF
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Die Arbeit wurde in einem hochrangigen Magazin mit einem hohen Impact Faktor veröffentlicht.

WIK ging der Sache nach und befragte dazu Kenneth R. Foster

Studie: Beeinflussung von Spermien durch ein Notebook mit WLAN-Verbindung Wissenschaftler aus Córdoba (Argentinien) und Norfolk (USA) untersuchten Spermienproben von 29 gesunden Probanden im Alter von 26-45 Jahren. Die Forscher stellten jeweils einen Teil der Proben (in Petrischalen und mit Öl überschichtet) im Abstand von 3 cm unter die vordere Kante eines Notebooks, das über WLAN mit dem Internet verbunden war. Hierdurch sollte die räumliche Situation in Bezug auf den Abstand zu den Hoden beim Gebrauch des Laptop-Computers auf dem Schoß eines Anwenders simuliert werden. Der jeweils andere Teil der Proben, der als Kontrolle diente, wurde in einen anderen Raum ohne Laptop gestellt. Nach vier Stunden Exposition (während denen der Computer „Daten herauf- und herunterlud“) wurden die Spermienqualität (Vitalität, Mobilität) und der Grad der DNA-Fragmentierung zwischen exponierten und nicht exponierten Proben verglichen. Hauptbefunde: (1) verminderter Prozentsatz von „progressiv beweglichen“ Spermien (nur solche können eine Eizelle befruchten) in den exponierten Proben, (2) erhöhter Prozentsatz an Zellen, die fragmentierte, also zum Teil zerstörte DNA aufwiesen. Bei der Überlebensrate und der „nicht-progressiven“ Beweglich-keit wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt. Die Autoren vermuten aufgrund ihrer Befunde, dass ein über WLAN verbundenes Notebook auf dem Schoß eines Anwenders dessen Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte. Bibliography: Avendano et al., Fertility and Sterility, published online 23 November 2011, Abstract Medienberichte u.a. hier: http://www.krone.at/Internet/WLAN_toetet_laut_neuer_Studie_Spermien_ab-Laptops_als_Gefahr-Story-303858 http://www.bbc.co.uk/news/health-15943816 http://www.reuters.com/article/2011/11/29/us-laptop-sperm-idUSTRE7AR2FO20111129

Die in einem relativ hochrangigen Journal (Impact Faktor 3,958) veröffentlichte Studie wirft einige Fragen auf, die im Folgenden diskutiert werden. Der EMF- und Biophysik-Experte Professor Kenneth R. Foster (Universität von Pennsylvania, Philadelphia, USA) hat sich auf Anfrage von WIK „EMF und Umwelt“ das Studiendesign genauer angesehen und meldet Zweifel an der wissenschaftlichen Gültigkeit der Ergebnisse an. In einer kurzen Stellungnahme schreibt er zur Begründung: „Es ist völlig unbekannt, wie hoch die Feldexposition für die Spermien tatsächlich war. Die Menge an Hochfrequenz-Energie, die von einer WLAN-Karte in einem Laptop ausgesendet wird, variiert stark mit der Netzwerkverbindung und damit, was der Computer gerade macht. Die Autoren berichten nur, dass der Computer Daten herauf- und herunterlud, ohne dass die Hochfrequenzfeld-Emissionen quantifiziert wurden. Also war die Exposition im Grunde unbekannt. Sie konnte während der Exposition um Größenordnungen variieren.“ Außerdem bemerkt Foster, dass die Petrischalen mit den Spermienproben vorne unter dem Laptop platziert wurden, die WLAN-Antennen bei dem verwendeten Gerät aber im aufgeklappten Deckel hinter dem Bildschirm liegen. „Anders gesagt, waren die exponierten Präparate somit höchstwahrscheinlich nicht im direkten Strahlungsbereich der WLAN-Antennen des Laptops. Die Autoren haben die ‚Hochfrequenz-feld-Emissionen‘ des Laptops mit einer breitbandigen Hochfrequenz-Feldsonde gemessen. Ich glaube, dass sie damit gute Chancen hatten, das Hochfrequenzfeld der Hauptplatine zu messen, die direkt über der Messsonde lag, und nicht das Feld der WLAN-Antennen“, so Foster. Er erkennt in dem Experiment eine „Einzelpunktmessung“ ohne den Versuch eine Dosis-Wirkungs-Beziehung herzustellen oder die Ergebnisse zu replizieren. Da die Daten außerdem nur lückenhaft präsentiert würden (keine Nennung der Stichprobengröße bei der statistischen Analyse und ein unkonventionell durchgeführter t-Test auf der Basis von Prozent-Daten ohne Bezug zur dahinter stehenden Anzahl an Beobachtungen), müsse die Studie mit einem wesentlich besseren Studienprotokoll, besserer statistischer Analyse und auf jeden Fall mit besserer Hochfrequenz-Dosimetrie wiederholt werden, damit man daraus irgendwelche stichhaltigen Aussagen ziehen kann. Ein anderer Experte, Dr Allan Pacey, Leiter der Abteilung Andrologie im Lehrkrankenhaus von Sheffield (GB), erläutert im Portal “Sense about Science”, warum der in den Medien hergestellte Zusammenhang zwischen WLAN-Nutzung und der Verschlechterung der Spermienqualität durch die Studienergebnisse nicht unbedingt gestützt wird. http://www.senseaboutscience.org/for_the_record.php/79/could-using-wi-fi-on-a-laptop-leave-men-infertile Anmerkung: Bei der Studie fällt außerdem auf, dass keine wirkliche Scheinexposition als Kontrolle (mit einem Laptop ohne WLAN-Verbindung) durchgeführt wurde. Die exponierten Proben wurden nur mit völlig unbehandelten Proben (ohne Laptop darüber) verglichen.

o.g. Text auch als Antwort auf dieses Posting:

W-LAN-Notebooks möglicherweise für Spermien riskant

Tags:
W-LAN, Fertilität, Studiendesign, Impact Factor, Dosis-Wirkungs-Beziehung

WIK über die EMF/Sperma-Studie aus Argentinien

Kuddel, Sonntag, 11.12.2011, 14:28 (vor 2916 Tagen) @ Doris

Und was ist mit der Wärmeentwicklung eines Notebooks ?
Jeder, der schon einmal ein paar Minuten ein Notebook auf dem Schoß betrieben hat, weiß was ich meine...

K

Nachtrag...habe gerade gesehen, daß Spatenpauli hier bereits die gleiche Überlegung hatte.

Spermien und Notebook-Nutzung

Doris @, Sonntag, 11.12.2011, 14:47 (vor 2916 Tagen) @ Kuddel

Und was ist mit der Wärmeentwicklung eines Notebooks ?
Jeder, der schon einmal ein paar Minuten ein Notebook auf dem Schoß betrieben hat, weiß was ich meine...

K

Nachtrag...habe gerade gesehen, daß Spatenpauli hier bereits die gleiche Überlegung hatte.

Ist doch alles aufgeführt, man muss die Links nur lesen ;-)

"Men who are concerned about their fertility should not be unduly worried about using laptops with Wi-Fi enabled, although we know from other studies that the bottom of laptops can become incredibly hot and inadvertent testicular heating is a risk factor for poor sperm quality. There are many reasons to try and use a laptop on a table where possible, and this may in itself ameliorate any theoretical concerns about Wi-Fi."

sagt Dr. Allan Pacey in dem Bericht, auf den das WIK-Team am Ende des Beitrages verwies.

Außerdem wird dort auch gut erklärt, warum solche Studien mit Vorsicht zu genießen sind.

"Ejaculated sperm are particularly sensitive to many factors because outside the body they don't have the protection of the other cells, tissues and fluids in which they are stored before ejaculation. We need large epidemiological studies to determine a link, and to my knowledge these have not yet been performed."


Es handelt sich bei der Studie um eine Petrischale mit Spermien, die direkt in die Nähe des Laptops gestellt wurde und deshalb mMn nur bedingt mit dem realen Szenario im täglichen Leben und Gebrauch eines Laptops gleichgesetzt werden kann.

Wenn Selbstverständlichkeiten weggelassen werden...

RDW ⌂ @, Sonntag, 11.12.2011, 14:48 (vor 2916 Tagen) @ Doris

Zur Anmerkung des WIK:

Bei der Studie fällt außerdem auf, dass keine wirkliche Scheinexposition als Kontrolle (mit einem Laptop ohne WLAN-Verbindung) durchgeführt wurde. Die exponierten Proben wurden nur mit völlig unbehandelten Proben (ohne Laptop darüber) verglichen.[/i]

Genau eine solche Kontrolle mit Laptop und Netzwerkkabel statt WLAN wäre doch eigentlich völlig selbstverständlich und zudem auch noch einfach durchzuführen.
Daher eine etwas provokante These: Vielleicht wurde eine solche Kontrolle ja durchgeführt, nur deren Vorstellung der Ergebnisse hätte die Publikation der Studie hinfällig gemacht, zumindest was der Einfluss des WLAN angeht?

RDW

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