Neubewertung: NL-Gesundheitsrat zu Mobilfunk und Kinder (Forschung)

Gast, Donnerstag, 01.12.2011, 09:55 (vor 3702 Tagen)

Meldung aus dem E-Mail Newsletter des IZMF Ausgabe 91 | November 2011:

Geltende Mobilfunk-Grenzwerte schützen die Gesundheit von Kindern

Die Frage, ob Kinder einem möglicherweise höheren gesundheitlichen Risiko durch die elektromagnetischen Felder (EMF) von Mobiltelefonen oder Mobilfunksendeanlagen ausgesetzt sind, zieht sich durch zahlreiche Forschungsarbeiten. Nach einer Bewertung aktueller Studien kommt jetzt der Niederländische Gesundheitsrat zu dem Ergebnis, dass „es keine wissenschaftlichen Beweise für einen negativen Einfluss der Exposition gegenüber EMF von Mobiltelefonen, Basisstationsantennen oder WLAN-Geräten auf Entwicklung und Funktion des Gehirns sowie die Gesundheit von Kindern gibt“. Der Gesundheitsrat, ein unabhängiges Beratungsgremium von Regierung und Parlament, sieht auch keinen Anlass für eine Verschärfung der Grenzwerte, da diese einen 50-fachen Sicherheitsfaktor einhalten, spricht sich aber für weitere Forschungsanstrengungen aus.

Weitere Infos: www.gezondheidsraad.nl/en/news/infleuence-children-s-brains

[Anmerkung Admin: Der Link ist fehlerhaft, richtiger Link in der Antwort von "Doris"]

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, Kinder, Grenzwerte, Niederlande, Gesundheitsrat

Neubewertung: NL-Gesundheitsrat zu Mobilfunk und Kinder

Doris @, Freitag, 02.12.2011, 00:04 (vor 3702 Tagen) @ Gast

Meldung aus dem E-Mail Newsletter des IZMF Ausgabe 91 | November 2011:

Geltende Mobilfunk-Grenzwerte schützen die Gesundheit von Kindern

Die Frage, ob Kinder einem möglicherweise höheren gesundheitlichen Risiko durch die elektromagnetischen Felder (EMF) von Mobiltelefonen oder Mobilfunksendeanlagen ausgesetzt sind, zieht sich durch zahlreiche Forschungsarbeiten. Nach einer Bewertung aktueller Studien kommt jetzt der Niederländische Gesundheitsrat zu dem Ergebnis, dass „es keine wissenschaftlichen Beweise für einen negativen Einfluss der Exposition gegenüber EMF von Mobiltelefonen, Basisstationsantennen oder WLAN-Geräten auf Entwicklung und Funktion des Gehirns sowie die Gesundheit von Kindern gibt“. Der Gesundheitsrat, ein unabhängiges Beratungsgremium von Regierung und Parlament, sieht auch keinen Anlass für eine Verschärfung der Grenzwerte, da diese einen 50-fachen Sicherheitsfaktor einhalten, spricht sich aber für weitere Forschungsanstrengungen aus.

Weitere Infos: www.gezondheidsraad.nl/en/news/infleuence-children-s-brains

Der Link führt ins Leere, der hier in's Ziel

WIK-Leser erfuhren zu der Sache mehr und zwar bereits am 26.10.2011

Nach dem obigen Text, der so ungefähr auch im WIK-Brief stand geht es dort weiter....

Dennoch sieht sich der Gesundheitsrat zu der Empfehlung veranlasst, die Referenzwerte in den Niederlanden allgemein für Funkfrequenzen über 400 MHz um etwa die Hälfte auf 28 Volt pro Meter (V/m) zu senken. Referenzwerte sind messbare Feldgrößen, die bei der praktischen Expositionsbewertung dazu dienen, die sichere Einhaltung der Basisgrenzwerte – also der maximal erlaubten Erwärmung im Körperinneren – zu beurteilen. Dies sind bei Funkanwendungen die zulässigen SAR-Werte. Zur Begründung der Referenzwertsenkung gibt das Komitee neuere Forschungsergebnisse (z.B. Dimbylow & Bolch, 2007)* an, nach denen im Frequenzbereich der Drahtloskommunikation um 2 GHz „für junge Kinder (und daher auch für kleine Individuen) an den Referenzwerten ein SAR-Wert über dem maximal erlaubten Wert ermittelt wurde“. Dies trifft sowohl für die ICNIRP-Referenzwerte als auch für die bislang höheren niederländischen Werte für die Ganz-körperexposition unter Fernfeld-Bedingungen zu. Praktisch hätte die empfohlene Grenzwertsenkung „wenig Konsequenzen, weil Feldstärken über 28 V/m in den Niederlanden in öffentlich zugänglichen Bereichen nicht vorkommen“, so der Gesundheitsrat.
Download des Berichts unter:
http://www.gezondheidsraad.nl/en/news/infleuence-radiofrequency-telecommunication-signals-children-s-brains

__________________________________________-
* http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17975288?dopt=Abstract

Wieso Ganzkörperbeldung und nicht Teilkörper?

H. Lamarr @, München, Freitag, 02.12.2011, 00:21 (vor 3702 Tagen) @ Doris

Nach dem obigen Text, der so ungefähr auch im WIK-Brief stand geht es dort weiter....

Dennoch sieht sich der Gesundheitsrat zu der Empfehlung veranlasst, die Referenzwerte in den Niederlanden allgemein für Funkfrequenzen über 400 MHz um etwa die Hälfte auf 28 Volt pro Meter (V/m) zu senken. Referenzwerte sind messbare Feldgrößen, die bei der praktischen Expositionsbewertung dazu dienen, die sichere Einhaltung der Basisgrenzwerte – also der maximal erlaubten Erwärmung im Körperinneren – zu beurteilen. Dies sind bei Funkanwendungen die zulässigen SAR-Werte. Zur Begründung der Referenzwertsenkung gibt das Komitee neuere Forschungsergebnisse (z.B. Dimbylow & Bolch, 2007)* an, nach denen im Frequenzbereich der Drahtloskommunikation um 2 GHz „für junge Kinder (und daher auch für kleine Individuen) an den Referenzwerten ein SAR-Wert über dem maximal erlaubten Wert ermittelt wurde“. Dies trifft sowohl für die ICNIRP-Referenzwerte als auch für die bislang höheren niederländischen Werte für die Ganz-körperexposition unter Fernfeld-Bedingungen zu. Praktisch hätte die empfohlene Grenzwertsenkung „wenig Konsequenzen, weil Feldstärken über 28 V/m in den Niederlanden in öffentlich zugänglichen Bereichen nicht vorkommen“, so der Gesundheitsrat.

Hilfe, Verstehen Sie das?! Ich nicht!

Wieso kümmern sich die Niederländer bei der Frage nach der SAR in Kinderhirnen um den Ganzkörper-SAR-Wert und nicht - wie ich es erwartet hätte - um den Teilköper-SAR-Wert?

Wie kann es sein, dass bei 0,08 W/kg (und ein bisschen mehr) Ganzkörperbefeldung durch eine Basisstation das Hirn eines Kindes in Gefahr ist, nicht aber bei der Teilkörperbelfeldung mit 2 W/kg durch ein Handy?

Ich beziehe mich jetzt allein auf den zusammenfassenden WIK-Text oben, nicht auf den verlinkten Bericht des Gesundheitsrates.

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Ganzkörper-SAR

Wieso Ganzkörperbeldung und nicht Teilkörper?

Doris @, Freitag, 02.12.2011, 01:06 (vor 3702 Tagen) @ H. Lamarr

Hilfe, Verstehen Sie das?! Ich nicht!

Wieso kümmern sich die Niederländer bei der Frage nach der SAR in Kinderhirnen um den Ganzkörper-SAR-Wert und nicht - wie ich es erwartet hätte - um den Teilköper-SAR-Wert?

Wie kann es sein, dass bei 0,08 W/kg (und ein bisschen mehr) Ganzkörperbefeldung durch eine Basisstation das Hirn eines Kindes in Gefahr ist, nicht aber bei der Teilkörperbelfeldung mit 2 W/kg durch ein Handy?

Ich glaube nicht, dass es darum geht, dass das Hirn eines Kindes durch eine Basisstation in Gefahr sein könnte, sondern um nicht korrekte Referenzwerte für kleine Lebewesen, die in worst-case Situationen überschritten werden und deshalb angepasst werden sollen.

Ich beziehe mich jetzt allein auf den zusammenfassenden WIK-Text oben, nicht auf den verlinkten Bericht des Gesundheitsrates.

Im verlinkten Bericht des Gesundheitsrates ist die Sache auf Seite 35/36 ausführlicher begründet.

Wieso Ganzkörperbeldung und nicht Teilkörper?

H. Lamarr @, München, Freitag, 02.12.2011, 09:34 (vor 3701 Tagen) @ Doris

Ich glaube nicht, dass es darum geht, dass das Hirn eines Kindes durch eine Basisstation in Gefahr sein könnte, sondern um nicht korrekte Referenzwerte für kleine Lebewesen, die in worst-case Situationen überschritten werden und deshalb angepasst werden sollen.

Der Titel des Berichts "Radiofrequency electromagnetic fields and children’s brains" hat mich auf diese Idee kommen lassen.

Ich beziehe mich jetzt allein auf den zusammenfassenden WIK-Text oben, nicht auf den verlinkten Bericht des Gesundheitsrates.

Im verlinkten Bericht des Gesundheitsrates ist die Sache auf Seite 35/36 ausführlicher begründet.

Danke, da werde ich jetzt wohl durch müssen ;-).

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WIK zur Neubewertung der EMF-Grenzwerte in den Niederlanden

Gast, Samstag, 03.12.2011, 11:00 (vor 3700 Tagen) @ Doris

Wieso kümmern sich die Niederländer bei der Frage nach der SAR in Kinderhirnen um den Ganzkörper-SAR-Wert und nicht - wie ich es erwartet hätte - um den Teilköper-SAR-Wert?

Wie kann es sein, dass bei 0,08 W/kg (und ein bisschen mehr) Ganzkörperbefeldung durch eine Basisstation das Hirn eines Kindes in Gefahr ist, nicht aber bei der Teilkörperbelfeldung mit 2 W/kg durch ein Handy?

Ich glaube nicht, dass es darum geht, dass das Hirn eines Kindes durch eine Basisstation in Gefahr sein könnte, sondern um nicht korrekte Referenzwerte für kleine Lebewesen, die in worst-case Situationen überschritten werden und deshalb angepasst werden sollen.

Und was sagt WIK dazu, eigentlicher Urheber der Meldung über die neue Empfehlung des niederländischen Gesundheitsrates? Meine Anfrage ging an den Biologen Dr. Frank Gollnick, wissenschaftlicher Berater in der WIK-Arbeitsgruppe EMF und Umwelt. Er antwortet:

Ich sehe es wie "Doris": Es ging den Holländern offenbar um "nicht korrekte Referenzwerte für kleine Lebewesen [Anm.: die in diesem Land, im Gegensatz zu unserem, ja bekanntlich einen besonders hohen Stellenwert genießen], die in worst-case Situationen überschritten werden und deshalb angepasst werden sollen". Es handelte sich wahrscheinlich um einen Kompromiss: Man wollte für Kinder keine Extraregelung schaffen (und damit etwa ein Zeichen setzen), weil man die Grenzwerte eigentlich für ausreichend hält, da diese ja obendrein (u.a. für besonders empfindliche Gruppen, wie z.B. Kinder, Alte und Kranke) mit einem 50-fachen "Sicherheitsfaktor" versehen sind.

Unser Originaltext hierzu:

"Das Komitee sieht mit Hinweis auf den 50-fachen Sicherheitsfaktor, den die geltenden Grenzwerte für die Bevölkerung hinsichtlich möglicher körperlicher Wirkungen durch die Feldexposition bieten keinen Anlass, für Kinder schärfere Grenzwerte einzuführen als für Erwachsene. Der möglichen höheren Empfindlichkeit von Kindern und anderen schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen werde durch diesen Sicherheitsfaktor ausreichend Rechnung getragen."

Um den Hinweisen aus der Literatur (u.a. Dimbylow & Bolch, 2007) aber trotzdem Rechnung zu tragen, hat man sich entschlossen, die vorher in Holland relativ hoch liegenden Referenzwerte oberhalb von 400 MHz vorsorglich etwa um die Hälfte zu senken. Der Schlüssel zu dieser Entscheidung ist die Abbildung ganz hinten auf Seite 91 in dem Advisory Report des Gezondheidsraads (HCN = Health Council NL = Gesundheitsrat).

[image]

Hier sieht man sehr schön die alten und neuen holländischen Referenzwerte zusammen mit der ICNIRP-Grenzwertempfehlung, und dazu eingetragen die elektrischen Feldstärken, die nach Kalkulationen von Dimbylow und Kollegen (hier aus Dimbylow & Bolch, 2007) bei bestimmten Szenarien (es wurden u.a. durch "Morphing" der Körperphantome verschiedene Körperhaltungen, Sitzpositionen, etc. der Kinder modelliert) für ein 9 Monate ("9 mo") und ein 4 Jahre ("4 yr") altes Kind mit dem maximal zulässigen Ganzkörper-SAR von 0,08 W/kg korrelieren. Man erkennt, dass es in diesen Kalkulationen etwa ab 900 MHz zu einer Überschreitung des alten holländischen Referenzwerts kommt und um 2 GHz herum auch zu einer Überschreitung der ICNIRP-Referenzwerte. Man ist jetzt in Holland also auf "Nummer sicher" gegangen und hat die Referenzwerte daraufhin gleich bis 4 GHz unten bei 28 V/m gelassen und fährt sie dann erst auf einer Rampe hoch (Dimbylow & Bolch hatten in der betreffenden Studie zwischen 50 MHz und 4 GHz modelliert). Man hat aufgrund dieser Worst-case-Abschätzung also keinen Extra-Referenzwert für Kinder eingeführt, sondern die Grenzwerte gleich für die ganze Normalbevölkerung abgesenkt und damit indirekt der besonderen Empfindlichkeit kleiner Kinder (vor allem aufgrund ihrer Körpergröße) Rechnung getragen.

Unser Originaltext hierzu, der natürlich nicht so sehr aufs Detail eingehen kann:

"Dennoch sieht sich der Gesundheitsrat zu der Empfehlung veranlasst, die Referenzwerte in den Niederlanden allgemein für Funkfrequenzen über 400 MHz um etwa die Hälfte auf 28 Volt pro Meter (V/m) zu senken. ... Zur Begründung der Referenzwertsenkung gibt das Komitee neuere Forschungsergebnisse (z.B. Dimbylow & Bolch, 2007) an, nach denen im Frequenzbereich der Drahtloskommunikation um 2 GHz "für junge Kinder (und daher auch für kleine Individuen) an den Referenzwerten ein SAR-Wert über dem maximal erlaubten Wert ermittelt wurde". Dies trifft sowohl für die ICNIRP-Referenzwerte als auch für die bislang höheren niederländischen Werte für die Ganzkörperexposition unter Fernfeld-Bedingungen zu."

Die Entscheidung hat meiner Meinung nach nichts mit dem Teilkörpergrenzwert und in dem Fall auch nicht speziell etwas mit dem Hirn des Kindes zu tun (wobei der Titel des Reports dem zugegebenermaßen etwas entgegen steht). Hier gehen auch die Holländer nach wie vor davon aus, dass dieser Grenzwert für Kinder und Erwachsene sicher ist und dass die Nahfeld-Exposition ja außerdem selbst (bzw. bei Kindern durch die Eltern) gesteuert werden kann. Man sieht also in Bezug auf die Teilkörperexposition (vor allem die des Kopfes) allenfalls Grund für Vorsorgeempfehlungen (wie auch durch unser BfS gegeben) und nicht für Grenzwertanpassungen. Man bezieht sich bei der Entscheidung zur Referenzwertabsenkung weitgehen auf die Resultate aus der Dimbylow-Gruppe, die sich auf den Ganzkörper-SAR beziehen. Alles Weitere zur Begründung ist in der Tat, wie "Doris" schon angemerkt hat, im ausführlichen Text des Gezondheidsraad-Reports zu finden. Um noch weiter einzusteigen, müsste man jetzt noch Details aus den Dimbylow-Publikationen genau wiedergeben, was ich mir an dieser Stelle ersparen möchte.

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Kinder, Gollnick, Vorsorgeempfehlung, SAR-Wert, Niederlande, Gesundheitsrat, Ganzkörper-SAR

Holländischer Gesundheitsrat mit deutscher SSK vergleichbar

H. Lamarr @, München, Samstag, 03.12.2011, 12:00 (vor 3700 Tagen) @ Gast

... kommt jetzt der Niederländische Gesundheitsrat zu dem Ergebnis ...

Zur besseren Einordnung: Der Gesundheitsrat ist in den Niederlanden in etwa das, was hierzulande die Strahlenschutzkommission (SSK) ist:

"The Health Council of the Netherlands (Gezondheidsraad) is an independent scientific advisory body. Its remit is to advise the government and Parliament on the current level of knowledge with respect to public health issues and health (services) research."

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SSK, Gesundheitsrat

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