Weitere Studie zu Ohrspeicheldrüsentumoren aus China (Forschung)

Doris @, Mittwoch, 04.05.2011, 09:53 (vor 3143 Tagen)

Chinesische Forscher in Beijing sehen eine der höchsten Raten an Krebs die je in einer Mobiltelefon-Studie berichtet wurden.

Haizhong Zhang, Y. Duan und R.F. Bu vom Chinese PLA General Hospital in Beijing wollten wissen, warum die Anzahl der Ohrspeicheldrüsentumore in den letzten 5 Jahren so stark gestiegen ist.

Die Forscher analysierten Daten von 1993 – März 2010.

Von den 136 Ohrspeicheldrüsentumoren waren 64 Mucoepidermoid-Karzinome (bösartig) und somit genügend in der Anzahl um eine separate Analyse erstellen zu können. 15 der Fälle hatten ihr Mobiltelefon mehr als 10 Jahre benutzt und 13 von diesen 15 hatten ein Mucoepidermoid-Karzinom.

Bei Sadetzki (Israel) und Lönn (Schweden), die sich ebenfalls mit den Ohrspeicheldrüsentumoren beschäftigten, gab es bei der ähnlichen Anzahl von Fällen jeweils lediglich ein Fall der länger als 10 Jahre ein Mobiltelefon benutzte. Bei zwei früheren Untersuchungen (Hardell und Auvinen) mangelte es an Langzeitnutzern.

Eine Reihe von Aspekten passen jedoch nicht ins gegenwärtige Verständnis von Handy-Tumor-Risiken

1.) Die Autoren sehen keine signifikante Assoziation zwischen der Lage des Tumors und die bevorzugte Seite der Nutzung des Handys. Dies hält die Autoren auch davon ab von einem eindeutigen Zusammenhang der bösartigen Drüsentumore mit Handynutzung zu sprechen.

2.) Eine zweite Abweichung ist, dass ländliche Bewohner in China ein geringeres Risiko hatten als diejenigen aus städtischen Gebieten. Dies widerspricht der Aussage von Sadetzki, begründet durch die höhere Leistung mit denen Handys aufgrund der geringeren Senderdichte in ländlichen Bereichen arbeiten müssen. Dies jedoch erklären die Autoren damit, dass in China die ländliche Bevölkerung ein deutlich geringeres Einkommen hat und sich oft keine Mobiltelefone leisten können.

3.) Es war den Autoren nicht möglich nach den möglichen Unterschieden zwischen digitalen und analogen Telefonen zu bewerten, da die meisten Nutzer in China ihren Telefontyp nicht kennen.

Außerdem können auch hier die bekannten Biase nicht ausgeschlossen werden. Deshalb auch hier die Forderung nach weiteren gezielten Untersuchungen in Zusammenhang mit dem Auftreten der Ohrspeicheldrüsentumore.

Weitere Einschränkung der Autoren (laut EMF-Portal)
Selektionsbias und Recall-Bias können nicht ausgeschlossen werden. Regelmäßige Nutzung eines Mobiltelefons wurde als Nutzung für mindestens einmal pro Woche während mindestens 6 Monaten vor Diagnosestellung definiert, wobei bösartigen epithelialen Ohrspeicheldrüsentumoren wahrscheinlich nicht durch eine solch kurze Expositions-Zeit entstehen, dies könnte zu Fehlklassifikations-Bias geführt haben.

Einschränkung* laut Aussage im WIK-EMF Brief:
(* bzw. spricht gegen einen kausalen Zusammenhang zw. Handynutzung und Tumor)
Weibliches Geschlecht, höheres Lebensalter, Familienstand „verheiratet“, hohes Einkommen und Rauchen waren mit einem erhöhten Risiko für die Erkrankung verbunden, besonders für Mucoepidermoid-Karzinome (einem Subtyp des bösartigen Ohrspeicheldrüsentumors)
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Diese Arbeit aus China wird wohl ebenfalls in die Risikobewertung der IARC am 24. Mai in Lyon einfließen.
So zumindest lese ich die Aussage von Louis Slesin, die lautet

The new Chinese paper comes on the eve of the International Agency for Research on Cancer's (IARC) review of the cancer risks associated with wireless radiation, which begins in Lyon, France, on May 24. The IARC review panel will most likely consider it as it was released before the April 24 cut off for new data.

Ausführliches Informationsmaterial gibt es:

Chinese Put Cancer of the Parotid Gland on Center Stage (microwavenews)

Publikation: Zusammenhang zwischen Mobiltelefon-Nutzung und bösartigen epithe-lialen Ohrspeicheldrüsentumoren (WIK-EMF Brief 42/2011)

Zusammenhang zwischen Mobiltelefon-Nutzung und bösartigen epithelialen Ohrspeicheldrüsentumoren. (EMF-Portal)

siehe auch:
Diskussionen zu Ohrspeicheldrüsentumoren im Forum

Tags:
Zhang, Ohrspeicheldrüsentumor, Klassifikation

Hilfe, der "starke" Anstieg kommt mir spanisch vor

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 04.05.2011, 20:00 (vor 3143 Tagen) @ Doris

Haizhong Zhang, Y. Duan und R.F. Bu vom Chinese PLA General Hospital in Beijing wollten wissen, warum die Anzahl der Ohrspeicheldrüsentumore in den letzten 5 Jahren so stark gestiegen ist.

In dem von Ihnen verlinkten Microwave-News-Beitrag steht:

"Parotid gland tumors are rare, with an incidence of 2.5-3 cases per 100,000 per year in Western countries, according to the National Cancer Institute (the rate in China is not known)."

Wenn aber die Inzidenzrate in China nicht bekannt ist oder war, dann verstehe ich nicht, wie überhaupt ein "starker" Anstieg in den letzten 5 Jahren festgestellt werden konnte. Denn dies ginge doch nur, wenn ich rückblickend über 10, 15 oder besser 20 Jahre einen Trend ausmachen kann.

Auch die geringe Anzahl von insgesamt 136 Fällen im Zeitraum von 1993 bis 2010 macht den "starken" Anstieg mMn nicht glaubhafter. Bei 3 Fällen auf 100'000 müsste bei einem Milliardenvolk wie es die Chinesen sind jährlich 30'000 Neuerkrankungen zu beobachten sein. Die Anzahl 136 ist unter diesen Umständen nicht spektakulär, selbst wenn alle diese Fälle in nur einem einzigen Jahr aufgetreten wären, sagen wir mal 2009, könnte man daraus mMn eben nicht einen "starken" Anstieg ableiten, wenn doch 30'000 Fälle im Jahr noch als "normal" gelten.

Irgendwie komme ich mit den genannten Angaben überhaupt nicht klar, was wohl daran liegt, dass der "starke" Anstieg selbst nicht mit Zahlen belegt ist. Oder habe ich diese übersehen?

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Hilfe, der "starke" Anstieg kommt mir spanisch vor

Doris @, Mittwoch, 04.05.2011, 20:36 (vor 3143 Tagen) @ H. Lamarr

Haizhong Zhang, Y. Duan und R.F. Bu vom Chinese PLA General Hospital in Beijing wollten wissen, warum die Anzahl der Ohrspeicheldrüsentumore in den letzten 5 Jahren so stark gestiegen ist.

Irgendwie komme ich mit den genannten Angaben überhaupt nicht klar, was wohl daran liegt, dass der "starke" Anstieg selbst nicht mit Zahlen belegt ist. Oder habe ich diese übersehen?

Das Wort "stark" nehme ich auf meine Kappe.
Im microwave Beitrag steht

"There are so many young cases of parotid gland tumors in the [last] five years, yet [so few] in the last century," Zhang told Microwave News, "I want to find the reasons."

Wohl einfach eine Auffälligkeit, die es vorher so nicht gab.
Eine Entwicklung der Fälle über die Jahre in China ist mir ebenfalls nicht bekannt.
Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Wenn ich noch was dazu finde, dann stelle ich es ein.

Hilfe, der "starke" Anstieg kommt mir spanisch vor

Kuddel, Mittwoch, 04.05.2011, 20:59 (vor 3143 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Mittwoch, 04.05.2011, 21:50

Gibt es eigentlich auch Studien, die einen Zusammenhang zwischen CD/MP3-Player-Nutzung und Ohrtumoren untersuchen ?

Einige Geschäfte bieten gerade wegen der schädlichen Magnetfelder von Kopfhörern und Telefonen Geräte mit "Piezo"-Wandlern an...

Ich hatte neulich einen Artikel gelesen, wonach bereits normale Bügelköpfhörer bei normaler Lautstärke magnetische Wechselfelder im Ohr in der Größenordnung im einstelligen Mikrotesla-Bereich hervorrufen (unabhängig vom wesentlich stärkeren statischen Magnetfeld der Permanentmagneten).

Möglicherweise sind ja die Wechselfelder bei "in-Ohr" Kophörern und jugendlicher Heavy-Metal-Lautstärke noch stärker...

Studie zu Ohrspeicheldrüsentumoren aus China: andere Sicht

Gast, Montag, 16.05.2011, 11:08 (vor 3131 Tagen) @ Doris

Chinesische Forscher in Beijing sehen eine der höchsten Raten an Krebs die je in einer Mobiltelefon-Studie berichtet wurden.

Und so sieht das IZMF diese Studie (Quelle: E-Mail-Newsletter des Informationszentrums Mobilfunk e. V. (IZMF) | Ausgabe 86 | Mai 2011):

Kein signifikanter Zusammenhang zwischen Handynutzung und Ohrspeicheldrüsentumoren

Chinesische Wissenschaftler haben die Ergebnisse einer aktuellen epidemiologischen Studie zum Auftreten von sogenannten epithelialen Ohrspeicheldrüsentumoren unter Vielnutzern von Handys veröffentlicht. In der Gesamtauswertung konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Mobiltelefon-Nutzung und dem Auftreten von bösartigen epithelialen Ohrspeicheldrüsentumoren festgestellt werden. Allerdings stellten die Wissenschaftler statistisch signifikante Zusammenhänge in Untergruppen mit langjähriger erhöhter Handynutzung fest. Dies könnte, so die Autoren der Studie, auf eine mögliche Dosis-Wirkungs-Beziehung hindeuten. Die Autoren empfehlen, den Zusammenhang zwischen Handynutzung und dem Auftreten von bösartigen epithelialen Ohrspeicheldrüsentumoren und Mucoepidermoid-Karzinomen in weiteren großen Studien zu untersuchen.

Weitere Infos: http://www.emf-portal.de/viewer.php?aid=19180&l=g

Tags:
Ohrspeicheldrüsentumor, Dosis-Wirkungs-Beziehung

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