Desinformation: Die Kunst des groß und klein Redens (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 20.04.2011, 10:39 (vor 3152 Tagen)

Anfang April fand der 14. Science Brunch der FSM statt.

Statistik in der EMF-Forschung: Schein oder Sein?

In seiner Einführung nannte FSM-Geschätsführer Gregor Dürrenberger ein plakatives Beispiel, wie sich durch "geschickte" Darstellung ein statistisch belegter Sachverhalt je nach Interessenslage groß oder klein reden lässt.

Niederfrequente Magnetfelder über 0,4 μT stehen im Verdacht, bei Langzeitexposition das Risiko von Kinderleukämie zu erhöhen. Gemäss WHO handelt es sich um einen möglichen, nicht um einen wahrscheinlichen oder gar erwiesenen Zusammenhang. In der Schweiz sind weniger als 1 % der Kinder Magnetfeldern der erwähnten Grössenordnung ausgesetzt. Pro Jahr erkranken 50-100 Kinder an Leukämie, 1-2 davon sind exponiert. Diese Zahlen können nun verschieden kommuniziert werden. Um das deutlich zu machen, nehme ich den Zusammenhang übungshalber einfach einmal als erwiesen an:

  • Langzeitige niederfrequente Magnetfeldexposition verdoppelt das Leukämie-Risiko bei Kindern.
  • Von den jährlichen Kinderleukämie Neuerkrankungen können 1-2 % niederfrequenten Magnetfeldern zugeschrieben werden.
  • Mit systematischen, flächendeckenden Magnetfeldsanierungen kann EIN Fall von Kinderleukämie pro Jahr verhindert werden.

Alle drei Aussagen sind zwar sachlich korrekt, aber nicht vollständig – und deshalb unterscheiden sich ihre Botschaften sehr. Statistiken haben verschiedene Gesichter. Vielleicht sollten Wissenschaftler in Ihrer Kommunikation immer auf diese Vielgesichtigkeit hinwiesen, um schon frühzeitig einseitigen Interpretationen entgegenzuwirken.

Meine Meinung: Nach bald zehn Jahren Beobachtung der Mobilfunkdebatte habe ich die Kunst des Täuschens und Verdrehens auf Seiten der Mobilfunkgegner weitaus häufiger erlebt als auf Seiten der Industrie oder Wissenschaft. Für mich ist dies überraschend, denn meine Erwartung/Befürchtung war genau umgekehrt, geprägt vom Klischee der mächtigen und skrupellosen Wirtschaft. Doch meiner Erfahrung nach sind die kleinen Täuscher noch viel schlimmer, weil sie sich als helfende "Robin Hoods" inszenieren und damit die intuitiven Warnmechanismen im Kopf lahm legen. Mein anfänglicher Denkfehler war zu glauben, Mobilfunkgegner seien eine Bürgerbewegung. Tatsächlich ist es mMn aber so, dass die zahlreichen (auf den ersten Blick aber nicht sichtbaren) Profiteure der Angst vor Elektrosmog die eigentlichen Treiber der Debatte sind, die Wutbürger sind lediglich dazu da, vorfabrizierte Parolen zu skandieren. Und genau diese Parolen, Behauptungen oder Unterstellungen beruhen häufig auf Täuschung. Ein Unrechtsbewußtsein oder gar Einlenken habe ich bei erwischen Täuschern in keinem Fall erlebt. Es wird unbeirrt weiter getäuscht, als ob nichts passiert sei.

Beispiel einer Täuschung
Falsche Schlüsse provozieren

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
, Falsche Schlüsse, Science-Brunch, Dürrenberger, Skrupellos

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