Mobilfunk: Leitfaden für Bürger und Gemeinde (Allgemein)

Gast, Montag, 07.02.2011, 12:22 (vor 3053 Tagen)

Wer zu lange zögert, wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Das soll der Gemeinde Frauenneuharting nicht noch einmal passieren. Deshalb wurde jetzt ein Leitfaden Mobilfunk verabschiedet. Es geht um Mitsprache.

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Leitfaden, Frauenneuharting

Mobilfunk: Leitfaden für Bürger und Gemeinde

KlaKla, Montag, 07.02.2011, 20:06 (vor 3053 Tagen) @ Gast

  • In einem Umkreis von mindestens 300 Metern um Schulen und Kindergärten, sowie Kinderkrippen und Horte sind Mobilfunkantennen nicht gestattet
  • Der Mindestabstand zur nächsten Wohnbebauung soll 200 Meter betragen
  • Im Umkreis von 300 Metern eines existierenden Masten dürfen keine weiteren errichtet werden

Warum werden öffentliche Gebäude in den sich Kinder aufhalten weitreichender geschützt als der Lebensraum (Wohnbebauung), in dem sie aufwachsen?

Hier findet man die Messungen der elektromagnetischen Felder (FEE-2-Projekt) in der Gemeinde Frauenneuharting

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Meine Meinungsäußerung

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Fee-2-Projekt, Elektrosmogmessung

Mobilfunk: Leitfaden für Bürger und Gemeinde

Kuddel, Montag, 07.02.2011, 21:35 (vor 3053 Tagen) @ KlaKla
bearbeitet von Kuddel, Montag, 07.02.2011, 23:15

Anfangs war ich ob der recht hohen Grenzwertausschöpfung von 13,6% irritiert.
(Meßpunkt 1, da steht "ebenerdig", aber an anderer Stelle wird er merkwürdigerweise "Höhenlage" genannt)

Die Irritation kam dadurch zustande, daß in Studien oft von Leistungsflußdichten (S) gesprochen wird, das Meßprotokoll aber elektrische Feldstärken (E) angibt. Da S proportional E², werden aus 13,6% Ausschöpfung bei "E" dann (0,136*0,136=0,019)= 1,9% bei "S".
(Nachtrag: laut BlmSchV ist die "Grenzwertausschöpfung" als Feldstärke korrekt)

Die hochgerechnete "worst-case" Maximalbelastung bei Meßpunkt 1 beträgt laut Protokoll maximal 13,617% vom Grenzwert (bezogen auf die Feldstärke) d.h. ca 1,9 % der bekannten 5..10W/m² (95..190mW/m² )

Im Prüfbericht heißt es auch unter 3.1:

Dies stellt den "worst case" Fall dar, in der Praxis wird dieser Wert so gut wie nie auftreten.

Der berechnete Minimalwert beträgt nur 3,4% / 1,41 = 2,4% (Feldstärke, entspricht dann 0,06% bezogen auf die Leistungsflußdichte, bzw ca 3..6 mW/m²)

Der Faktor 1,41 ist dabei der theoretisch möglichen Meßabweichung geschuldet, die auf die Meßergebnisse aufaddiert wurde (siehe Abschnitt 4.3), um eben den "worst-case" Fall zu bekommen.

Die Aussage unter dem Punkt 4.3 (Meßgenauigkeit)

Dies bedeutet, dass der wirkliche maximale Wert z.B. an der Hauptstr. Nr. 4 zwischen 13,6% und 9,66 % liegt.

ist m.E. nicht ganz korrekt, denn die angegebene Meßgenauigkeit bei Meßequipment ist i.d.R. ein Betrag, d.h. es handelt sich um einen möglichen Fehler von +/- 3dB, bzw +/- Faktor 1,41 (Feldstärke).

Mithin müßte die Aussage m.M.n. lauten:

Dies bedeutet, dass der hochgerechnete "maximale Wert" z.B. an der Hauptstr. Nr. 4 zwischen 13,6% und 6,8% betragen kann.

Bezogen auf die Leistungsflußdichte liegt die hochgerechnete Grenzwertausschöpfung also zwischen 1,8% und 0,5%, bzw zwischen ca 180..25 mW/m² (je nach Meßabweichung und Frequenz), was ich persönlich immer noch als sehr hoch empfinde...
Der berechnete Minimalwert liegt aber wohl um die 3..12mW/m², die mir irgendwie gar nicht mehr so dramatisch erscheinen...

[image]


Korrektur um 23:00:

-Ich war jetzt von einem Grenzwert von 61V/m bzw 10W/m² ausgegangen, der für GSM1800 und UMTS gültig ist, aber für GSM-900 liegt der Grenzwert nur bei der Hälfte, d.h. unter der Voraussetzung daß GSM im Frequenzmix leistungsmäßig überwiegt, wären die von mir berechneten Leistungsflußdichten möglicherweise nochmals zu halbieren...
-Der Wert von dem ich glaubte es sei der "gemessene" Wert ist wohl ein berechneter Minimalwert, wenn kein Gespräch stattfindet.
D.h. Hochgerechneter "worst case" Maximalwert bei "Meßpunkt 1" 25..180 mW/m² (je nach Frequenz und Meßgenauigkeit) und minimal (ohne Auslastung) ca 3..12 mW/m²

Warum haben die in dem Prüfprotokoll nicht wenigstens die Meßwerte und Frequenzen im Anhang gelistet ?

Tags:
Leistungsflussdichte, Feldstärke, Grenzwertausschöpfung

Leidfaden für den Steuerzahler

helmut @, Nürnberg, Dienstag, 08.02.2011, 18:52 (vor 3052 Tagen) @ Kuddel

Die Experten hier haben angeblich die:

Belastung durch elektromagnetische Felder
geprüft.

Sie haben sicherlich nicht die Belastung geprüft, sie haben höchstens Messwerte aufgenommen, diese aber nicht einmal angegeben

Die Prüfung betraf angeblich die:

Messung der Störaussendung und Vergleich zur 26. BlmSchV

Wo haben diese Experten nur Hochfrequenztechnik studiert?

Es handelt sich hier nicht um Störaussendungen sondern um gewollte Übertragung von Nachrichten mittels Hochfrequenz.

Ein Armutszeugnis, wenn das ein Gutachten sein soll für das der Steuerzahler sicherlich tief in die Tasche greifen mußte.

Für mich ist dieser Prüfbericht gerade das Papier wert auf dem er steht, da das ganze u.a. nicht reproduzierbar ist.

Was würden diese Herren sagen wenn im Bußgeldbescheid wegen einer Geschwindigkeitsübertretung stehen würde:

" Sie haben innerhalb der Ortschaft den Grenzwert der Straßenverkehrsordnung um 0,5 bis 13,6 % überschritten "


MfG
Helmut

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In der Mobilfunk-BI und
"In der Abendsonne kann selbst ein kleiner Zwerg große Schatten werfen" (frei nach Volker Pispers)


Meine Kommentare sind stets als persönliche Meinungsäußerung aufzufassen

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Bußgeld

Mobilfunk: Leidfaden für Bürger und Gemeinde

H. Lamarr @, München, Montag, 07.02.2011, 20:14 (vor 3053 Tagen) @ Gast

Es geht um Mitsprache.

Das wollen meine Kinder auch, wenn es darum geht, was abends am Fernseher übern Bildschirm läuft. Die Argumentation ist, wenn überhaupt argumentiert und nicht einfach nur gewünscht/gefordert wird, nicht selten hanebüchen oder egoistisch. Wie es im wirklichen Leben halt so ist.

Womit ich zum Ausdruck bringen möchte, dass Mitsprache auf basisdemokratischer Grundlage bei komplexen technischen Themen mMn nicht funktionieren kann, weil die Kenntnisse der Bürger für eine sachkundige Bewertung hinten und vorne nicht ausreichen und ein paar Schlauberger, die das längst erkannt haben, die Gunst der Stunde immer wieder neu nutzen, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Und diese Schäfchen haben vielerlei Gestalt, nicht bloß Geld für Messungen, Beratungen, Schirmmaßnahmen gehört dazu, auch Vereins- oder Parteimitgliedschaften und Profilneurosen oder simples staatsfeindliches Herumeiern meine ich zu erkennen.

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Amateur, Profilneurose, Bürgerbeteiligung

E-Plus: Keine Grundsatzdiskussion mit Mobilfunkgegnern

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 09.02.2011, 10:21 (vor 3051 Tagen) @ H. Lamarr

Es geht um Mitsprache.

Das wollen meine Kinder auch ...

Und auch E-Plus hat es anscheinend satt, gebetsmühlenartig das Rad bei jeder Standortdiskussion neu erfinden zu müssen:

"Das Unternehmen [E-Plus] sei nur bereit in einer Gemeinderatssitzung technische Fragen zu erläutern, werde aber keine Grundsatzdiskussionen mit Mobilfunkgegnern führen."

... verlautet es aus Bollschweil, Baden-Württemberg.

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Badische Zeitung

Mobilfunk: Es geht nicht um Mitsprache, sondern ums Geschäft

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 09.02.2011, 13:16 (vor 3051 Tagen) @ Gast

Es geht um Mitsprache.

Meine Meinung: Nein, es geht überhaupt nicht um Mitsprache, sondern ums Geschäft.

Denn wie sollen Pappkameraden wie Horst-Rüdiger und Marianne denn kompetent mitreden können, wenn es um die Standortwahl eines neuen Mobilfunksenders geht? Sie können es eben nicht, nicht weil sie zu doof dafür sind, sondern weil ihnen das Wissen ob der komplexen Zusammenhänge fehlt. Es käme ja auch niemand auf die Idee, z.B. bei der Beschaffung neuer Triebwagen für die Münchener U-Bahn eine maßgebliche Bürgerbeteiligung zu fordern.

Und weil Horst-Rüdiger und Marianne, egal ob betroffene Bürger, Gemeinde- oder Stadtratsmitglied, sich über ihre Defizite im Wissen um die Mobilfunktechnik ziemlich schnell im Klaren sind, passiert folgendes: Man sieht sich um, ob es nicht "unabhängige" Helfer gibt, die das Defizit egalisieren können. Und natürlich wird man schnell fündig.

Das ist mMn der wahre Grund für die immer wieder in nachplappernder Weise gestellte Forderung nach Bürgerbeteiligung: Nicht der Bürger soll mitreden, sondern ein von ihm herbei gerufener "Experte".

Und diese Experten stehen selbstverständlich gerne zur Verfügung, fließen da doch in aller Regel hübsche Sümmchen, um die Interessen einer Bürgerinitiative oder eines Rates "unabhängig" zu vertreten. Als da wären an "Experten" ...

- sogenannte Sachverständige und "unabhängige" Standortgutachter
- Naturheilkundler
- Messtechniker
- Referenten/Lobbyisten aus der Mobilfunkgegnerszene
- Baubiologen
- Rechtsanwälte
- fachfremde Akademiker mit Mitteilungsdrang

Der "Ruf nach Mitsprache" ist in meinen Augen (oft) nur ein geschickt getarntes Mittel, um die seit langem bereit stehenden Helfer in der Not unauffällig ins Geschäft zu bringen. Schlimm ist daran, dass dieser Ruf möglicherweise inszeniert wird, so er nicht von alleine kommt. Schlimmere ist daran, dass diese "Experten" mMn ein Problem lösen, das in Wahrheit gar nicht existiert, zum geldwerten Nachteil der hilfesuchenden ahnungslosen Kundschaft, die nicht merkt, wie sie verar..cht wird.

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Experten, Geschäftsmodell, Druck, Lobbyismus, Naturheilkunde, Bürgerbeteiligung, Mitreden, Mitsprache

Bürger-Mitsprache bei Standortwahl wenig sinnvoll

H. Lamarr @, München, Freitag, 11.02.2011, 01:00 (vor 3050 Tagen) @ H. Lamarr

Es geht um Mitsprache.

Meine Meinung: Nein, es geht überhaupt nicht um Mitsprache, sondern ums Geschäft.

Denn wie sollen Pappkameraden wie Horst-Rüdiger und Marianne denn kompetent mitreden können, wenn es um die Standortwahl eines neuen Mobilfunksenders geht? Sie können es eben nicht, nicht weil sie zu doof dafür sind, sondern weil ihnen das Wissen ob der komplexen Zusammenhänge fehlt.

Um genau diese Problematik geht es in der 2010 publizierten Studie The public's knowledge of mobile communication and its influence on base station siting preferences von Marie-Eve Cousin und Michael Siegrist (nicht Johannes Siegrist).

Abstract
The present paper explores what people know about mobile communication and how this understanding influences people's perceptions and preferences in regard to this omnipresent technology. As shown in the past, cell phone base station siting often turns out to be a conflictive process. Citizens are not willing to tolerate base stations in their neighbourhoods because they fear health consequences. They insist on siting base stations outside residential areas. This solution resolves social conflict, but it may lead to more radiation for the phoning population. From a public health perspective, base stations should be located close to the people using cell phones. Knowledge and beliefs therefore play a critical role. A questionnaire, based on mental model methodology, was designed to learn more about people's knowledge, intuitive understanding, exposure awareness, and base station siting preferences. The mail-survey, conducted in the German-speaking part of Switzerland (N = 765; response rate 41 %), showed that laypeople's knowledge varied considerably across knowledge domains and depended on demographic characteristics. Participants had limited knowledge about interaction patterns between cell phones and base stations, and they misjudged the resulting exposure magnitudes. The observed knowledge gaps or misconceptions were related to respondents' preferences regarding base station siting. These findings provide guidance to improved conceptualisation of consumer information in regard to personal exposure awareness and, if desired, prevention.

Ich hatte Gelegenheit, in die Studie hinein zu schnuppern (Volltext), die den Teilnehmern 26 konkrete Fragen (Behauptungen) zu vorwiegend technischen Aspekten des Mobilfunks vorsetze, und in zwei Aufgaben das Verständnis elementarer Zusammenhänge für die Funkfeldbelastung bei unterschiedlichen Szenarien (Handy und Basisstation) abfragte.

Das Ergebnis ist im Hinblick auf "Mitsprache der Bürger" desaströs, denn der Kenntnisstand der Bürger ist ähnlich schlecht wie der von Allgemeinmedizinern. Folgendes Beispiel mag dies verdeutlichen. Eine der 26 Behauptungen, die die Teilnehmer bewerten mussten, lautet: Wenn die Empfangsanzeige am Handydisplay einen starken Ausschlag zeigt, dann bin ich von meinem Handy weniger Strahlung ausgesetzt als bei schwachem Ausschlag. Lösung: Diese Behauptung ist richtig, jeder der hier regelmäßig mitliest hätte diese Antwort wahrscheinlich mühelos auf Anhieb geben können. Bei unbeleckten Laien aber sieht es anders aus. 51,5 % der Teilnehmer glaubten, diese Behauptung sei falsch, rd. 28 % konnten sich nicht entscheiden und nur rd. 20,4 % tippten richtig. Nicht immer schnitten die Schweizer bei der Studie so schlecht ab, besonders groß waren die Defizite jedoch immer dann, wenn nicht intuitiv richtig zu beantwortende Zusammenhänge abgefragt wurden.

Unter solchen Umständen kann die Mitsprache von Bürgern bei der Standortwahl von Mobilfunk-Basisstationen nur in den Graben führen. Jedenfalls immer dann, wenn die Mitsprache nicht dem hässlichen Erscheinungsbild eines Masten gilt, sondern angeblichen Gesundheitsrisiken, die von interessierter Seite immer wieder ins Spiel gebracht werden, obwohl sich dafür keine objektiven Belege in den Studiendatenbanken finden lassen.

Es lohnt sich deshalb künftig einmal kritisch darauf zu achten, wer denn eigentlich die Mitsprache der Bürger bei der Standortwahl befürwortet und mit welcher Begründung dies geschieht.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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Bürgerbeteiligung

Michael Siegrist / Johannes Siegrist

Sektor3, Donnerstag, 24.02.2011, 19:31 (vor 3036 Tagen) @ H. Lamarr

Denn wie sollen Pappkameraden wie Horst-Rüdiger und Marianne denn kompetent mitreden können, wenn es um die Standortwahl eines neuen Mobilfunksenders geht? Sie können es eben nicht, nicht weil sie zu doof dafür sind, sondern weil ihnen das Wissen ob der komplexen Zusammenhänge fehlt.

Um genau diese Problematik geht es in der 2010 publizierten Studie The public's knowledge of mobile communication and its influence on base station siting preferences von Marie-Eve Cousin und Michael Siegrist (nicht Johannes Siegrist).

Es würde mich schon interessieren, ob der schweizer Risikoforscher Michael Siegrist (geb. 1965) mit dem schweizer Medizinsoziologen Johannes Siegrist (geb. 1943) irgendwie zusammenhängt.

  • Michael Siegrist
    ETH Zürich, Institute for Environmental Decisions

  • Johannes Siegrist
    Uni Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie, Geschäftsführer des Postgraduiertenkollegs "Public Health"

[Admin: Am 24.02.11 um 20:09 Uhr defekten Link (M. Siegrist) repariert]

Ohne Idioten keine Innovation ...

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 09.02.2011, 14:47 (vor 3051 Tagen) @ Gast

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