Bienen: Wie profilsüchtige Mobilfunkgegner ihnen schaden (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 12.01.2011, 01:09 (vor 4347 Tagen)

Gestern trudelte bei uns eine E-Mail mit dem Betreff "Rettet die Bienen" ein, die so begann:

"Unglaublich! Über das Wochenende haben eine halbe Million von uns den Aufruf zur Rettung der Bienen unterzeichnet. Lassen Sie uns nun eine Million Stimmen sammeln und das Pestizidverbot durchsetzen - leiten Sie bitte diese E-Mail an alle Ihre Freunde weiter!"

Momentan haben den Aufruf schon rd. 702'000 Menschen im Internet unterzeichnet.

Es geht dabei um einen Aufruf von Avaaz. Avaaz.org ist eigenen Angaben zufolge ein 6,5 Millionen Menschen umfassendes, weltweites Kampagnennetzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Einfluss der Ansichten und Wertvorstellungen aller Menschen auf wichtige globale Entscheidungen durchzusetzen. ("Avaaz" bedeutet "Stimme" oder "Lied" in vielen Sprachen).

In der E-Mail der Organisation wurden als Quellen weiterer Information genannt:

Pestizide für Bienensterben verantwortlich
http://www.n24.de/news/newsitem_1150265.html
Die Wissenschaft streitet - die Bienen sterben
http://www.imkerdemo.de/2010/06/die-wissenschaft-streitet-die-bienen-sterben
Fataler Pflanzenschutz
http://www.sueddeutsche.de/wissen/bienensterben-fataler-pflanzenschutz-1.202266
Verbot von Pestiziden wegen Bienensterben gefordert
http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/wissenschaft/beizmittel_bienen_1.2441182.html
Bienensterben -- Wie kann man es stoppen?
http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=60771&key=standard_document_39713251
Eine Mitteilung der EPA offenbart, dass Pflanzenschutzmittel den Völkerkollaps verursachen
http://www.sfgate.com/cgi-bin/blogs/green/detail?entry_id=79910

Von Mobilfunk (als Ursache) ist im gesamten Text mit keiner Silbe die Rede

Als ich mir die in Wirklichkeit noch viel längere E-Mail durchgelesen hatte viel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Hans-Ulrich Jakob, Dr. Warnke und all die anderen Alarmsirenen, die einem Glauben machen wollen, Mobilfunk hätte kausal etwas mit dem weltweiten Bienensterben zu tun, diese Leute schaden in Wirklichkeit den Bienen aus selbstsüchtigen kleinlichen Motiven.

Wie ich darauf komme?

Eines der wirkungsvollsten Störmanöver der Tabakindustrie in der Abwehrschlacht gegen die vorrückende Erkenntnis "Rauchen tötet" war es, Zweifel zu säen. Zweifel ob die Wissenschaft sich nicht vielleicht doch irrt, ob der kritische Wissenschaftler XY nicht vielleicht doch ein übler Sexstrolch sei, Zweifel ob nicht vielleicht doch ganz andere Ursachen wie Vogelmist in Käfigen für schlimme Erkrankungen infrage kommen. All dies diente nur dem einen Zweck: Verdünnen, verwässern, um Zeit für ungestörte Geschäfte zu gewinnen.

Bei den Bienen und dem was sie umbringt sieht es mMn inzwischen so aus, dass sich, ebenso wie einst beim Tabak, ein Hauptverdächtiger herauskristallisiert hat. Und das ist nicht der Funk, sondern die Chemie - und meinetwegen auch noch eine zähe Milbe.

Mit ihrem Geschrei um die mögliche Auswirkung von Funk auf die Bienen trüben die lauten Mobilfunkgegner den Blick aufs Wesentliche (Chemie, Milbe), sie lenken ab, säen Zweifel und machen sich so mMn mitschuldig am Desaster um die Bienen, weil sie zeitraubende falsche Fährten gelegt haben, um ihre persönlichen Interessen zu verfolgen. In Netzen organisierte Trittbrettfahrer, zuletzt in Indien, verbreiten die spekulativen EMF-Bienen-Thesen aus Europa mehr oder weniger entstellt in aller Welt, immer inbrünstig zu Lasten der angeblichen Noxe Funk und - von den Tätern vermutlich unbemerkt - auf Kosten ernst zu nehmender Ursachenforschung am Holocaust der Bienen. Denn schon früh wurde aus USA berichtet, dass dort die Bienen auch in Landstrichen verschwinden, wo gar keine Mobilfunkversorgung gewährleistet ist.

Das einzig Gute an diesem unerfreulich selbstsüchtigen Treiben der Mobilfunkgegner ist, dass sie eben nicht die Oberhand gewinnen, sondern eine Handvoll Egozentriker sich bald 1 Million Vernünftiger beugen muss, wobei ich jetzt keine Verschwörungstheorie diskutieren möchte, ob nicht vielleicht die 1 Mio. ebenfalls nur einer (glaubhafteren) Inszenierung auf den Leim gegangen sind, um den Chemie-Riesen mal wieder richtig eine reinzuwürgen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Strategie, Tiere, Ablenkung, Tabak, Bienensterben, Inszenierung, These, Trittbrettfahrer, Ursachenforschung, Pestiziden, Avaaz

Bienen: Wie profilsüchtige Mobilfunkgegner ihnen schaden

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 28.04.2011, 15:21 (vor 4240 Tagen) @ H. Lamarr

Gestern trudelte bei uns eine E-Mail mit dem Betreff "Rettet die Bienen" ein, die so begann:

"Unglaublich! Über das Wochenende haben eine halbe Million von uns den Aufruf zur Rettung der Bienen unterzeichnet. Lassen Sie uns nun eine Million Stimmen sammeln und das Pestizidverbot durchsetzen - leiten Sie bitte diese E-Mail an alle Ihre Freunde weiter!"

Momentan haben den Aufruf schon rd. 702'000 Menschen im Internet unterzeichnet.

Inzwischen sind es über 1,2 Mio.

Aber: Ich wollte von Avaaz, das ist die Organisation, die diese und andere Petitionen auf die Beine stellt, wissen, wie sie einen Missbrauch ihrer Plattform verhindern wollen. Etwa wenn auf Avaaz von Schildbürgern eine Kampagne gestartet wird: "Keine Mobilfunksender mehr in Wohngebieten!" Mit Schildbürgern meine ich, dass so eine Forderung eine höhere Funkimmission durch Handy-Telefonate im Wohngebiet zur Folge hat, so dass so eine Forderung auf den zweiten Blick geradezu schädlich ist.

Eine Antwort von Avaaz traf bei mir jedoch nicht ein.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Petition, Avaaz

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